Verkabelung im Feld
Rundsteckverbinder standardisiert prüfen
Für Abnahmemessungen von Verkabelungsstrukturen mit Rundsteckverbindern im Feld existieren bis dato keine definierten Mess-Aufbauten oder Mess-Adapter. Ein neuer direkter Mess-Aufbau – der so genannte „direct fixture M12“ mit X-Codierung – schafft hier Abhilfe und ermöglicht außerdem die schnelle und sichere Messung von Steckern und Buchsen im Labor gemäß der IEC 60512-29-100.
Unter Fachleuten wird oft die Frage gestellt, inwieweit eine Feldabnahmemessung mit marktüblichen Feldmessgeräten für die strukturierte Verkabelung Sinn macht, und was das Ziel einer Messung im Feld sein soll? Zumindest auf letzteres lässt sich eine klare Antwort geben: Durch die Abnahme einer verkabelten Struktur gemäß definiertem Stand für Verkabelungsstrukturen wird das Netzwerk transparent. Im Detail bedeutet Abnahmemessung mit Hilfe der Feldmesstechnik, dass die Interoperabilität einer Verkabelungsstruktur möglich wird. Zudem schafft eine Feld-Zertifizierung Vertrauen in die Verkabelungsstruktur.
Dieses Diagramm zeigt die hohe Anforderung des direkten Mess-Aufbaus der Nahnebensprechdämpfung (NEXT) gemäß der IEC 60512-29-100.
© Phoenix ContactFür die Abnahmemessung ist es allerdings wichtig, das richtige Verbindungsmodell (Channel), die richtigen übertragungstechnischen Parameter (zum Beispiel Next, Return Loss, Fext, ACR-N, ACR-F) sowie die richtige Messmethode gemäß der Standardisierung zu verwenden. Die Problematik dabei: Gerade in Verkabelungsstrukturen in der Industrieumgebung, bei denen überwiegend Rundstecker zum Einsatz kommen, war es aufgrund fehlender Mess-Adapter für das X-codierte M12-Steckgesicht bisher schwierig, Verkabelungsstrukturen gemäß definierter Modelle zu überprüfen. Da der X-codierte Rundstecker ausschließlich in der Industrieumgebung zum Einsatz kommt, sind die fehlenden Mess-Adapter darin begründet, dass Abnahmemessungen im Feld nicht die Regel sind. Zudem ist der X-codierte Rundstecker erst seit zwei Jahren im Markt. In der Praxis hat man sich angesichts nicht definierter Adaptoren bis dato mit X-codierten M12/RJ45-Adaptern beholfen, die jedoch in ihren Übertragungseigenschaften nicht eindeutig definiert sind. Die Mess-Ergebnisse sind somit nicht reproduzierbar beziehungsweise führen oft zu fehlerhaften Mess-Ergebnissen.
Häufig wird die Verkabelungsstruktur auch einer Applikationsprüfung unterzogen. Der Nachteil einer Applikationsprüfung liegt darin, dass die tatsächlichen Reserven einer Verkabelungsstruktur nicht erfassbar sind, da zukünftige Applikationen noch nicht bekannt sind. Gerade bei zukunfts-orientierten Verkabelungsstrukturen sollten jedoch die Reserven bekannt sein, um Potenziale für den Ausbau des Netzes nutzen zu können. Will man reproduzierbare Ergebnisse erzielen, gilt es zusätzlich zu den geeigneten Mess-Adaptern entsprechende Messkabel zu verwenden. Sprich, es müssen bei Verkabelungsstrukturen der Klasse EA gemäß der ISO/IEC 11801 Messkabel der Kategorie 6A gemäß der IEC 61935-2 Ed.3.0 verwendet werden.
Nicht zuletzt ist die normkonforme Bewertung der X-codierten M12-Verbindungstechnik in ihren Übertragungseigenschaften – sprich hinsichtlich Nahnebensprech-, Rückfluss- und Fernnebensprechdämpfung – bislang nur in gestecktem Zustand möglich, also mit dem Stecker in der Buchse. Diese Methode zur Bewertung der Verbindungstechnik ist aufwendig, da zuerst ein Stecker oder eine Buchse eindeutig bewertet werden muss. Erst dann lassen sich die übertragungstechnischen Eigenschaften der gesamten Verbindungstechnik mit Buchse und Stecker bewerten. Dieses Verfahren wird auch als „de-embedded“-Verfahren bezeichnet.
Der direkte Mess-Aufbau zur balunlosen Messung eines X-codierten M12-Steckers der Kategorie 6A (500 MHz). Neue Network-Analyzer sind in der Lage, symmetrisch zu messen.
© Phoenix ContactMit der Entwicklung der neuen Messmethode basierend auf dem direkten Messaufbau gemäß der IEC 60512-29-100 (Connectors for electronic equipment – Tests and measurements), sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, die genannten Probleme zu lösen. Dieser direkte Messaufbau zeichnet sich durch seine hohe Anforderung an die übertragungstechnischen Eigenschaften (Rückfluss-, Nahnebensprech-, Fernnebensprechdämpfung) aus. Die IEC 60512-29-100 ist im Umfeld der Labormesstechnik angesiedelt und beschreibt die verschiedenen übertragungstechnischen Parameter sowie die dazugehörigen Prüfverfahren für das übertragungstechnische Verhalten von X-codierter M12-Verbindungstechnik bis 500 MHz. Dabei werden folgende Parameter und deren Prüfverfahren festgelegt:
■ Einfügedämpfung,
■ Rückflussdämpfung,
■ Nahnebensprechdämpfung,
■ Fernnebensprechdämpfung,
■ Unsymmetriedämpfung am nahen Ende
■ sowie Unsymmetriedämpfung am fernen Ende.
Zur Überprüfung der Parameter Rückfluss-, Nahnebensprech-, Fernnebensprech- und Unsymmetriedämpfung ist ein Mess-Adapter mit der Bezeichnung „direkt fixture M12 x-codiert“ erforderlich. Dieser M12-Mess-Adapter für den direkten Mess-Aufbau besteht aus zwei Buchsenhälften und einem Schirmkreuz aus Metall sowie acht Kontaktnadeln. Bei Transmissionsmessungen (Nahnebensprech-, Fernnebensprech-, Einfügedämpfung) wird die Referenzebene durch eine Durchgangskalibrierung zwischen den einzelnen Toren definiert. Bei Reflektionsmessungen (Rückflussdämpfung) wird die Referenzebene durch eine Leerlauf-, Kurzschluss- und Abschlusskalibrierung festgelegt.
Dieser Mess-Adapter für ein Feldmessgerät dient der Überprüfung verschiedener Übertragungs- und Verkabelungsstrecken für Verkabelungsstrukturen mit X-codierten M12-Verbindungstechniken bis Klasse EA (500 MHz).
© Phoenix ContactDie beschriebene Mess-Strategie sieht vor, dass nach einer Kalibrierung eine definierte Referenzebene entsteht und anschließend durch direkten Mess-Aufbau Stecker oder Buchse auf ihre übertragungstechnischen Eigenschaften überprüft werden können. Mit dieser einfachen Messmethode lässt sich ein Stecker oder eine Buchse der Kategorie 6A (500 MHz) schnell, sicher und reproduzierbar übertragungstechnisch bewerten.
Auf der Grundlage dieser neuen direkten Mess-Aufbauten sowie dem Mess-Adapter für Feldmessgeräte lassen sich künftig Verbindungstechniken im Labor und Verkabelungsstrukturen im Feld prüfen. Aufgrund der hohen Qualität des direkten Mess-Aufbaus werden Verbindungstechniken nur an einem Stecker oder an einer Buchse getestet. Eine Überprüfung der Verbindungstechnik in gestecktem Zustand ist angesichts der strengeren Grenzwerte bei den Übertragungseigenschaften von Steckern und Buchsen dabei nicht mehr notwendig. Um re- produzierbare Ergebnisse für Abnahmemessungen im Feld bis zur Klasse EA zu erreichen, sind – wie bereits erwähnt – zudem definierte Messkabel zu verwenden.
Autor: Ralf Tillmanns ist Gruppenleiter im Bereich Technologie-Entwicklung Data Connectors, Field Device Connectors bei Phoenix Contact, Blomberg.














