Schaltschranktechnik / Rittal

Günter Herkommer,

Kunststoff statt Blech - ein Trend?

Rittal stellt in Nürnberg erstmals den neuen Einzelschrank SE 8 vor. Anlässlich dieser Premiere sprach die Redaktion mit Uwe Scharf, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement bei Rittal, über die Trends im Schaltschrank-Umfeld.

Uwe Scharf von Rittal ist überzeugt: „Die Potenziale in der Schaltschranktechnik sind noch lange nicht ausgeschöpft.“

© Rittal

Herr Scharf, der neue Einzelschrank SE 8 basiert auf der Technik des Reihenschrankes TS 8, den Rittal seit rund zehn Jahren im Markt hat. Ist die Schaltschranktechnik aus­gereizt?

Scharf: Keineswegs. Bei Einzelschränken ließen sich jedoch bislang die hohe Flexibilität und die Aus­baumöglichkeiten des TS-8-An­reihschrankes aus produktionstechnischen Gründen noch nicht realisieren. Mit dem SE 8 hat sich das geändert. Hier ist es uns gelungen, alle Systemvorteile der Anreihschränke in einen Einzelschrank zu integrieren. Neu ist auch das Herstellungsverfahren: Im Gegensatz zu Anreihschränken mit Rahmengestell und abnehmbaren Seitenwänden ist der Korpus des SE 8 aus einem Stück Stahlblech gefertigt. Das erhöht die Stabilität enorm und erleichtert das Handling.

Weitere Veränderungen bei der Schaltschranktechnik kommen durch wachsende Packungsdichten etwa in der Antriebstechnik. Während hier früher Verlustleistungen von 3 bis 4 kW die Obergrenze im Schaltschrank darstellten, stoßen wir mittlerweile in Größenordnungen von 10 bis 20 kW vor, die wir bisher nur aus dem Bereich der Serverkühlung in der IT kannten. Mit dem „LCP Industrie" stellen wir auf der Messe in Verbindung mit unserer modularen TopTherm-Chillern eine neue Kühllösung auf der Grundlage von Luft/Wasser-Wärmetauschern vor, die von der Serverkühlung kommend für Industrieanwendungen weiterentwickelt wurde. Die Firma
Danfoss stellt diese Lösung auf der Messe in einer Pilotanwendung vor.

Bereits zur Hannover Messe hat Rittal erste Ansätze im Bereich Kunststoff als Werkstoff gezeigt – wie entwickelt sich dieses Thema?

Scharf: Für uns nimmt die Be­deutung von Kunststoff permanent zu. Insbesondere bei hohen Stückzahlen und bei Design-Elementen ist der Einsatz dieses vielseitigen Werkstoffes sinnvoll. Die Entwicklung des Sockelsystems Flex-Block, das Kunststoff-Eckstücke enthält, ist ein klarer Beleg dafür.

Wann gibt es den ersten Schaltschrank komplett aus Kunststoff?

Scharf: Kleingehäuse und Kompaktschränke aus Kunststoff mit bis zu einem Meter Höhe haben wir schon seit langem im Programm. Großschränken komplett aus Kunststoff sind jedoch derzeit nicht geplant. Allein schon deshalb, weil Kunststoff aufgrund der hohen technischen Anforderungen bei Leitfähigkeit, EMV-Schirmung und Brandschutz nicht in jeder Applikation einsetzbar ist.

Ergeben sich mit neuen Materialien nicht auch neue Möglichkeiten bei der Herstellung und Montage der Schaltschränke?

Scharf: Durchaus. Wir orientierten uns hier sehr stark an der Automobilindustrie. So setzen wir zum Befestigen von Sichtfenstern bei Busgehäusen und Türen beispielsweise auf die Klebetechnik. Und durch den Einsatz von Kunststoff werden beim angesprochenen Sockelsystem Flex-Block die Kunststoff-Eckstücke, Blenden und Montageschienen nur noch eingeclipst – also kein aufwendiges Verschrauben der Stahlbleche mehr. Da viele Komponenten werkzeuglos montierbar sind, lässt sich die Montagezeit enorm reduzieren – von zehn auf etwa eine Minute.

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SE8 - Der neue Einzelschrank

Einzelschrank SE 8

© Rittal

Für Anwendungen, bei denen Schaltschränke als Stand-Alone-Lösungen zum Einsatz kommen oder seitliche Zugänge nicht erforderlich sind, hat Rittal den neuen Einzelschrank SE 8 konzipiert. Für den einfachen Zugang zum Schrank ist die Rückwand verschraubt ausgeführt. Am integrierten Bodenrahmen lassen sich Kabeleinführungslösungen wie beim Anreihsystem TS 8 verwenden.

Türen und Sockel des SE 8 sind ebenfalls aus dem Programm des TS 8 übernommen wie das umfangreiche Systemzubehör. Vorteile ergeben sich damit auch für den CAD-Konstrukteur. Da der Innenausbau von SE 8 und TS 8 völlig identisch ist, kann zunächst mit der Planung begonnen und danach erst festlegt werden, ob ein Einzelschrank oder ein Anreihschrank notwendig ist. Der neue Einzelschrank ist ab Januar 2012 in den Höhen 1600, 1800 und 2000 mm, in den Tiefen 400, 500 und 600 mm sowie in den Breiten 600 bis 1800 mm verfügbar.

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