Kühlgeräte

Hans-Robert Koch | Günter Herkommer,

Knapp 80 % Energie eingespart

Pro Minute laufen bis zu 20.000 Zigaretten durch die Hoch­geschwindigkeitsanlagen bei Philip Morris Manufacturing in Berlin. Im permanenten 24/7-Produktionsbetrieb ist Energie-Effizienz ein allgegenwärtiges Thema – zum Beispiel bei der Schaltschrank-­Klimatisierung. Erhebliche Einsparungen verspricht sich das Tabakunternehmen dabei durch den Einsatz einer neuen Kühl­gerätetechnik.

© Rittal

Zum Produktspektrum von Philip Morris International (PMI), dem weltgrößten Hersteller von Tabakprodukten, zählen ‚Marlboro‘, die weltweit meistverkaufte Zigarettenmarke, gefolgt von ‚L&M‘, der drittbeliebtesten Marke der Welt. Allein im Berliner Werk, dem zweitgrößten in Europa, wurden im Jahr 2012 etwa 60 Milliarden Zigaretten hergestellt, wovon 58 % für den Export bestimmt waren. Die Zigarettenproduktion erfolgt dabei in drei Schritten: der Veredelung des Rohtabaks, der Produktion der Zigaretten sowie der Verpackung und der Vorbereitung auf den Vertrieb. All dies geschieht sehr schnell beziehungsweise durch weitgehend automatisierte Prozesse (siehe letzte Seite dieses Artikels).

Im Philip-Morris-Konzern gilt das Berliner Werk in vielerlei Hinsicht als Vorreiter für die anderen internationalen Werke – unter anderem was die permanente Reduktion der CO2-Emissionen betrifft. „Bis Ende 2015 wollen wir den Energieverbrauch in der Fertigung gegenüber 2010 um 20 % reduzieren“, erklärt Christian Lefherz, zuständiger Supervisor für Elektrosupport und Maintenance in der Zigarettenherstellung und -verpackung. Zu den Maßnahmen am Standort Berlin zählen unter anderem die Nutzung der Abwärme zur Warmwasser-Erwärmung und Dampfherstellung, der Einbau effizienter Beleuchtungstechnik, die Verbesserung der Dämmung von Gebäuden und der Einbau von Wärmeschutzfenstern. Und auch bei der Schaltschrank-Klimatisierung will man jetzt alle Effizienzpotenziale ausschöpfen: Seit Januar diesen Jahres prüft Philip Morris, inwieweit sich der Austausch von Schaltschrank-Kühlgeräten durch neueste Technik lohnt.

An zwei identisch ausgelasteten Verpackungslinien der Serie Focke 550 testet der Hersteller konkret das neue Kühlgerät ‚Blue e+‘ von Rittal mit einer Kälteleistung von 1,5 kW gegen klassische Kühlgeräte mit Kompressortechnik in Zweipunktregelung mit 1,1 kW unter den gleichen Umgebungsbedingungen. „Damit wir bis Ende des ­Jahres auch wirklich ‚Äpfel mit Äpfeln vergleichen‘, prüfen wir die beiden ­Vergleichsgeräte an identisch ausgebauten Schaltschränken“, erklärt Robert Wollmann, zuständig für Supervision Maintenance und Elektrik bei Philip Morris Manufacturing. So sind in den Steuerungs- und Schaltschränken vergleichbare Einbauten wie Frequenz­umrichter, PCs, Trafos und Netzteile installiert.

Obwohl die Teststellung über ein Jahr andauern soll, zeigten sich bereits Mitte März bei den Geräten deutliche Unterschiede. Verbrauchte in dem zurückgelegten Zeitraum das bereits im Betrieb befindliche Kühlgerät 171 kWh, konnte das neue Blue-e+-Kühlgerät mit einem Verbrauch von 34,7 kWh eine Einsparung von 79 % aufweisen. „Das hat uns definitiv überrascht“, betont Christian Lefherz.

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Blick in die Fertigung: Auf solchen Hochgeschwindigkeitsmaschinen produziert Philip Morris in Berlin Zigaretten für den Weltmarkt.

© Rittal

Hybrid-Technik macht den Unterschied

Der Grund für die hohe Energie-Effizienz der neuen Kühlgeräte-Generation ist ein erstmals eingesetztes, patentiertes Hybridverfahren. Dieses arbeitet mit einer Kombination aus einem klassischen Kompressor-Kühlgerät und einer Heat Pipe. Letztere basiert auf der Verdampfung eines Arbeitsmediums in einem evakuierten Rohr. Der Transport des Dampfes einerseits und der kondensierten Flüssigkeit andererseits geschieht ohne aktive Komponenten und basiert rein auf physikalischen Prinzipien, wie Schwerkraft und Kapillarkräften. Da weder ein Kompressor noch eine Pumpe notwendig sind, beschränkt sich der Energieverbrauch auf die Lüfter.

Pro Minute laufen bis zu 1000 ­Packungen durch die Anlagen des Zigaretten­herstellers.

© Rittal

Eine Heat Pipe ist besonders dann interessant, wenn eine Temperaturdifferenz zwischen Schaltschrank-Innenraum und Umgebung besteht – ideal ist eine Schaltschrank-Innentemperatur von 35 °C und eine Hallentemperatur von 25 °C wie im Berliner Werk der Fall. Mit einem ∆T von 10 K konnte hier allein über die Heat Pipe eine Verlustleistung von 600 W ohne den Einsatz des Kompressors abgeführt werden. Der Verdichter musste im Testzeitraum nicht einmal anlaufen. Die erbrachte Kühlleistung über die Heat Pipe reichte aus, um den Schaltschrank innen ausreichend zu kühlen.

„Erhöhen sich die Außentemperaturen im Jahresverlauf, schaltet sich die Kompressortechnik mit ein – aber auch deren Energie-Effizienz ist sehr hoch“, erklärt Christine Ronzheimer, Produktmanagerin Climatisation bei Rittal. Denn die neuen Geräte sind mit DC-Motoren sowohl bei den Lüftern als auch beim Kompressor ausgerüstet. Mit der Inverter-Technologie, bei der über eine Spannungsregelung die Drehzahl von Kompressor und Lüfter einstellbar ist, lässt sich exakt die Kühlleistung zur Verfügung stellen, die aktuell nötig ist. Der Energieverbrauch sinkt dadurch gegenüber der herkömmlich  zweipunktgeregelten Lösung deutlich. Dort schaltet die Kühlung beim eingestellten Maximalwert – meist 35 °C – ein und kühlt mit 100 % ihrer Leistung bis zum Erreichen der eingestellten unteren Temperaturschwelle. Das ist nicht nur wenig energieeffizient, sondern führt außerdem zu hohen Temperatur-Unterschieden im Schaltschrank.

Auch die Lebensdauer steigt

Mit der leistungsgeregelten Kühlung lässt sich zukünftig nicht nur Energie sparen; zudem verlängert sich die Lebensdauer des Kompressors, denn diese hängt in erster Linie von der Anzahl der Einschaltvorgänge ab. Mit der Drehzahlregelung werden Einschaltvorgänge minimiert und der Verschleiß sinkt dadurch deutlich. Letztendlich profitieren auch die restlichen Komponenten im Schaltschrank, denn: Während die ständigen Temperaturschwankungen bei der klassischen Zwei-Punkt-Regelung thermischen Stress in den Komponenten verursachen, sorgt die neue Regelung für eine konstante Temperatur, was wiederum der Lebensdauer der Komponenten zugutekommt.

Die Grafik zeigt den Stromverbrauch des bereits installierten Kühlgerätes und des neuen ‚Blue e+‘-Kühlgerätes im Zeitraum von Januar bis März.

© Rittal

Berechnungen bei Philip Morris Manufacturing haben ergeben, dass sich durch den Austausch der 140 bereits im Betrieb befindlichen Kühlgeräte in der Zigarettenherstellung und -verpackung insgesamt rund 55.000 Euro an Energiekosten pro Jahr einsparen lassen. Christian Lefherz geht dabei von einem Return on Invest (ROI) von 16 Monaten aus.
Vorteile sehen die Berliner auch in der Mehrspannungsfähigkeit der Geräte. Sie können mit praktisch allen weltweit üblichen Netzspannungen und Frequenzen betrieben werden. Der mögliche Eingangsspannungsbereich geht von 110 V (einphasig) bis 480 V (dreiphasig) bei Netzfrequenzen von 50 oder 60 Hz. Möglich wird diese Mehrspannungsfähigkeit durch die eingesetzte Inverter-Technologie. Diesen Vorteil sieht Lefherz insbesondere für die OEM-Hersteller, die ihre Maschinen und damit auch die Schaltschränke und Kühlgeräte weltweit an die Werke von Philip Morris vertreiben.

Es braucht somit nur ein Kühlgerät auf Lager gelegt und eingesetzt werden, egal ob die Maschine nach Japan, in die USA oder innerhalb Europas ausgeliefert werden soll. Philip Morris jedenfalls will die Technologie nicht nur im Berliner Werk standardmäßig einsetzen, sondern „verbindlich bei unseren Maschinenlieferanten für die 38 internationalen Werke vorschreiben“ – so Lefherz.

Die Near-Field-Communication-Schnittstelle (NFC) der neuen Kühlgeräte-Generation ermöglicht eine einfache Parametrierung mehrerer Kühlge­räte über ein NFC-fähiges mobiles Endgerät.

© Rittal

Nicht zuletzt machen die hohen Produktionsgeschwindigkeiten bei der Zigarettenherstellung eine erhöhte Verfügbarkeit der Anlagen zwingend notwendig. So muss im Servicefall ein Geräteaustausch schnell erfolgen. Bei den aktuell im Test befindlichen Geräten können die Ausschnitte in der Seitenwand oder der Tür des Schaltschranks für alle Geräte gleich bleiben – egal für welche Montagevariante, ob Einbau, Teileinbau oder Anbau. Dadurch muss an der Anlage keine aufwendige Anpassung vorgenommen werden, wenn beispielsweise ein Kühlgerät mit einer größeren Kühlleistung notwendig ist.
Und auch bei der Montage an sich gibt es Neuerungen: Praktische Mon­tageklipse vereinfachen das Handling und die Fixierung der Geräte am ­Schaltschrank. Bei Teileinbau, was in rund 30 % der Fälle die Regel ist, müssen Lüfter und Erdungskabel nicht mehr ­abgeklemmt werden. Fehler bei der Montage, die dann während der In­betriebnahme zu einer kosten­intensiven Fehlersuche führen können, werden ­damit wesentlich unwahrscheinlicher. Diese Neuerungen ver­einfachen Logistik und Lagerhaltung und sorgen für kürzere Arbeitszeiten sowohl beim Engineering als auch bei der ­Montage.

Autor:  Hans-Robert Koch ist Leiter Fachpresse, Unternehmenskommunikation bei Rittal.

So entstehen Zigaretten

Am Anfang der Zigarettenproduktion wird eine Endloszigarette hergestellt, der sogenannte Strang. Dabei läuft von einer Rolle ein bis zu 7.000 Meter langer Streifen Zigarettenpapier ab, auf den dann der Tabak aufgebracht wird. Anschließend wird das Papier über dem Tabak zum fertigen Strang geschlossen. Maschinen schneiden daraufhin die so entstandene Endloszigarette in kurze Stücke, an deren beiden Enden Filter eingesetzt werden. Diese werden dann mit Mundstückbelag umhüllt – dem Papier, das um den Filter herum für den Verbraucher sichtbar ist. Jedes der Strangteile wird nun noch einmal geteilt, so dass zwei Filterzigaretten entstehen. Danach durchläuft die Zigarette – ebenfalls in Hochgeschwindigkeit – spezielle Verpackungslinien und wird schlussendlich für den Vertrieb vorbereitet.

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