Remote-IO / Feldbustechnik
Die vierte Gerätegeneration
Die Firma Balluff gilt vor allem als Sensorik-Spezialist. Dabei hat das Unternehmen seit rund vier Jahren mit dem Bereich Networking und Connectivity eigene E/A-Komponenten im Programm. Inzwischen kündigt sich bereits die vierte Gerätegeneration aktiver Feldbusmodule an.
Jürgen Gutekunst, Leiter des Geschäftsbereichs Connectivity: „ Neben den Mainstream-Ethernetsystemen der Automatisierungskonzerne Mitsubishi, Rockwell und Siemens, werden wir künftig auch Ethercat unterstützen, das in einigen Industriezweigen stark nachgefragt wird.“
© computer-automation.deKeine Frage, den Löwenanteil am Umsatz von 240 Mio. Euro in 2010 erzielt Balluff nach wie vor mit Sensorik – und wird es wohl auch noch in der Zukunft. An der Gewichtung will Jürgen Gutekunst, der den Geschäftsbereich Connectivity leitet, aber auf jeden Fall etwas ändern. Ziel von Balluff ist, ausgehend von der Sensorik und dessen Anschlussleitung, Systemlösungen für die Verbindungs- und Anschlusstechnik zu entwickeln. Dementsprechend fokussiert Balluff auf aktive und passive E/A-Komponenten in IP67. E/A-Komponenten in IP20 für den Schaltschrank gibt es bis auf wenige Ausnahmen - wie einen IO-Link-Hub - dagegen nicht. „Hierüber stellen wir immer wieder intern Überlegungen an, ob wir diesen Schritt gehen sollen oder uns aus dem Schaltschrank heraushalten“, sagt Gutekunst. Momentan konzentriert sich Balluff auf die sensornahe Verbindungs- und Anschlusstechnik in IP 67, darunter Kabel und Steckverbinder, passive Verteilerboxen und Feldbusmodule.
Die aktuelle, dritte Generation der aktiven IP67-Module wartet mit einer Reihe von Detailverbesserungen auf. „Als weltweit erster Anbieter haben unsere Feldbus-I/O-Module ein LCD-Display“, stellt Gutekunst ein Detail heraus. Das macht nicht nur die Adressierung im Netzwerk einfacher, sondern liefert auch eine Reihe von Zusatzfunktionen. Dazu gehören Dinge wie „Lock-Bit“, „Search&Rescue“ und die Geräteidentifikation. „Maschinen- und Anlagenbetreiber profitieren von dem signifikant höheren Manipulationsschutz, von mehr Komfort und Transparenz bei der Instandhaltung und letztlich von einer höheren Verfügbarkeit und Produktivität, speziell bei Ethernet/IP“, betont Gutekunst.
Die vierte Generation der IO-Module von Balluff wird mit integriertem Switch auch den Aufbau von Linientopologien unterstützen, wie sie zum Beispiel Profinet spezifiziert.
© BalluffGenügten unter Profibus oder DeviceNet noch zwei dezimale Drehschalter, um die Netzwerkadresse am I/O-Modul einzustellen (Adressbreich 0-99), verlangen IP-Adressen mit ihren vier Oktetts ein etwas komplexeres Einstellprozedere - „Was mit Drehschaltern nur unzureichend zu lösen ist“, zeigt Gutekunst den Handlungsbedarf auf. Unter Ethernet/IP erhält jedes Modul seine eigene IP-Adresse. Diese lässt sich wie auch die Subnetzmaske und die Gateway-Adresse über zwei Drucktasten menügeführt am Modul eingeben und abrufen, bei einigen Modellen auch die eingestellte Baudrate.
In Verbindung mit dem Display bieten die I/O-Module die Möglichkeit, Maschinen oder Anlagen vor bewusster oder unbewusster Manipulation zu schützen. Nach Eingabe der Adresse im Editiermodus kann über die Steuerung das so genannte „Lock-Bit“ gesetzt werden. Wer nun vom Anzeige- in den Editiermodus der Geräteadressierung wechselt, sieht dort einen Schlüssel als Symbol für die Sicherung. Dazu Gutekunst: „Unbedachtes Ändern der Adresse ist damit ausgeschlossen, bewusstes Manipulieren zumindest nicht mehr ohne Hürden und Dokumentation in der SPS möglicht. Die aktuelle Nachfrage zeige, dass dieses Leistungsfeature in vielen Unternehmen ein Thema sei.
Darüber hinaus verfügt die IO-Modulgeneration über eine integrierte Search&Rescue-Funktion: Je zwei rote und grüne LED sind Bestandteil des Displays und werden unabhängig vom Modul nur durch die SPS angesteuert. „Der Anlagenbetreiber kann mit dieser Funktion wichtige Zustände oder Sachverhalte definieren und bei deren Eintritt die LED rot, grün oder gelb (beide gleichzeitig) aufleuchten lassen“, betont Gutekunst. Sinnvoll ist das zum Beispiel bei komplexen Anlagen, die über eine große Anzahl von Modulen verfügen: Der Bediener kann bei Bedarf ein Modul gezielt ansprechen, das sich per grün oder rot leuchtender LED identifiziert. Mit der Search&Rescue-Funktion lässt sich auch visualisieren, welche Module auf derselben Subnetzmaske liegen.
Da weltweit unterschiedliche Feldbussysteme im Einsatz sind, bietet Balluff die I/O-Modulgeneration für die gängigsten Feldbussysteme an. Mit der kommenden, vierten Generation wird es in zwei Baureihen geben - mit und ohne integriertem Switch. „Damit können wir dann auch die in vielen Branchen favorisierte Linientopologie unterstützen“, meint Gutekunst, „nicht nur Profinet, sondern künftig auch Ethercat.“









