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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kabelverschraubungen

Walter Lutz | Inka Krischke,

Die Abdichtung passt sich an

Eine große Herausforderung für Hersteller von Maschinen und Komponenten ist die Vielfalt an Anschlusskabeln, die bei Kunden weltweit im Einsatz sind. Was tun, wenn nicht eine Unmenge an Zubehör mitgeliefert werden soll?

© Pflitsch

Hersteller von Maschinen, Modulen und Baugruppen können in den seltensten Fällen abschätzen, welche Kabel die Monteure im jeweiligen Land tatsächlich einsetzen. Oft bleibt also nur das Mitliefern verschiedener Kabelverschraubungen, was zum einen mit Kosten verbunden ist, zum anderen aber dennoch keine Gewähr gibt, dass Kabel und Kabeleinführungen zueinander passen und damit eine sichere Abdichtung mit Zugentlastung realisiert werden kann.

Dank des großen, kugelförmigen Dichteinsatzes (blau) ergibt sich in der ‚blue­globe‘ eine großflächige und quetschfreie Abdichtung des Kabels mit Schutzarten bis IP69K und hohen Zugentlastungswerten.

© Pflitsch

Ergo sind Kabelverschraubungen gefragt, die sich möglichst flexibel einsetzen lassen. Ein Ansatz dazu sind beispielsweise die Kabelverschraubungen ‚blueglobe‘ von Pflitsch, die es in den Größen M8 bis M85 mit größeren Spannbereichen gibt. Diese metrischen Kabelverschraubungen verwenden einen kugelförmigen Dichteinsatz aus modifiziertem TPE-Kunststoff, der sich beim Anziehen der Druckschraube großflächig sicher um das durchgeführte Kabel legt. Die Folge ist eine zuverlässige Abdichtung mit Schutzart IP68 beziehungsweise IP69K bis 30 bar. Dank einer großflächigen Kontaktierung des Dichteinsatzes zum Kabelmantel wird das Kabel nicht irreparabel ­eingeschnürt, was lange Betriebs­sicherheit sichergestellt. Ein nutgeführter O-Ring, der beim Eindrehen der Kabelverschraubung in das Einschraubgewinde des Klemmkastens in Position bleibt und nicht undefiniert gequetscht wird, sorgt für die zuverlässige Abdichtung zum Gehäuse oder Klemmkasten hin.

Dieses Dichtprinzip mit dem großflächigen Dichteinsatz ermöglicht die geforderten großen Dichtbereiche. In der Praxis bedeutet das: Mit nur einer Kabelverschraubung lassen sich Kabel mit unterschiedlichen Außendurchmessern sicher führen. Die gängige Größe M20 beispielsweise dichtet Kabel mit Durchmessern von 5 bis 14 mm ab; bei der Größe M85 sind 65 bis 77 mm ­möglich.

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Kein Rausrutschen des Kabels

Die großflächige Abdichtung der Kabelverschraubung sorgt darüber hinaus für eine deutlich bessere Zugentlastung als nach EN 62444 Klasse B gefordert. Selbst unter starken Vibrationen oder hohen dynamischen Kräften kann der Maschinenbauer sicher sein, dass das Kabel nicht aus der Kabelverschraubung rutscht, was Undichtigkeiten zur Folge hätte. Dank der weichen Quetschung wird der Kabelmantel nicht irreparabel eingeschnürt, wie es bei herkömmlichen Verschraubungen mit Lamellen oft vorkommt. Kabelbruch und Undichtigkeiten sind von vornherein ausgeschlossen.

Der robuste Verschraubungskörper aus vernickeltem Messing und Edelstahl mit metrischem Gewinde nach EN 60423 verkraftet auch höhere mechanische Belastungen. Die Temperatur-Range der Kabelverschraubung von –40 bis +130 °C entspricht den meisten industriellen Einsatzbedingungen. Für den gleichen Einsatztemperatur-Bereich gibt es auch eine Variante aus Polyamid-Kunststoff.

Die Triangelfeder

Die EMV-Kabelverschraubung ‚blueglobe TRI‘ ist dank ihrer Triangelfeder montagefreundlich und kontaktiert den Kabelschirm 360° für höchste HF-Dämpfungswerte für Cat.-7A-Anwendungen.

© Pflitsch

Für Anwendungen, bei denen EMV-Sicherheit maßgebend ist, rüstet Pflitsch die Kabelverschraubung mit einer Triangelfeder aus, deren 360°-Kontaktierung für höchste Dämpfungswerte sorgt. Daher ist diese Kabelverschraubung zugelassen für Anwendungen mit den Cat.-7A-Anforderungen, bei denen gemäß DIN IEC 61156-5 bis 1000 MHz mindestens –60 dB Dämpfung gefordert sind. Die ‚TRI‘ erreicht –65 dB, und auch im Frequenzbereich bis 2,5 GHz sind es typischerweise mindestens –50 dB. Noch höhere EMV-Dämpfungswerte bringt der Einsatz einer nicht magnetischen ‚TRI‘-Ringfeder, da die non-magnetic-Ausführung der Feder keine ferromagnetischen Einflüsse auf die Schirmung hat.

In der ‚HP‘-Version hält die ‚blueglobe‘ bei Dichtigkeitsprüfungen Schutzart IP68 bei 30 bar Wasserdruck über die Dauer von einer Stunde. Auch Strahlwasser und Hochdruckreiniger sind mit IP69K für diese Kabelverschraubung kein Problem. Mit Silikon-Dichteinsätzen sind Einsatztemperaturen zwischen –55 und +180 °C möglich. 

Auch Dichteinsätze für bahntechnische Anwendungen nach EN 45545-2 gibt es. Um diese Norm zu erfüllen, hat Pflitsch das Material TPE modifiziert. In Kombination mit Verschraubungskörpern aus vernickeltem Messing erfüllt die Kabelverschraubung hier die Anforderungen HL3 der EU-Norm für den uneingeschränkten Einsatz in Zügen – ob auf freier Strecke, im Tunnel oder im Bahnhof. Entsprechend wurde bei Tests auch der Nachweis über Sauerstoffindex >32 %, Rauchgasdichte Ds maximal 300 und Toxizität CIT maximal 1,5 erbracht. Damit erreicht die Kabelverschraubung die vorgeschriebenen Feuerwiderstandsprüfung ‚Raumabschluss‘. Im Test hält sie mindestens doppelt so lange dicht, wie von der Norm gefordert.

Für Kabel von 10 bis 25 mm

Ein weiterer Ansatz ist, um den Kabelanschluss flexibel gestalten zu können, ein Mehrfach-Inlet-Dichteinsatz: Seine drei Inlets lassen sich bei Bedarf einfach per Schraubendreher heraustrennen und so auf den verwendeten Kabeldurchmesser anpassen. Mit diesem speziellen Dichteinsatz aus TPE erhöht sich der Dichtbereich der ‚blueglobe‘ um gut 55 %. In der Praxis bedeutet das: Durch eine M25-Kabelverschaubung lassen sich Kabel im Durchmesser von 6 bis 20 mm sicher führen und mit der Schutzart IP68 (15 bar) abdichten. Die Größe M32 ist ausgelegt für Kabel von 10 bis 25 mm Stärke. Trotz der Vergrößerung des Dichtbereiches erreicht die Kabelverschraubung mit Mehrfach-Inlet IP68 bis 15 bar und IP69. Auch die Zugentlastungswerte bis in die höchst zu erreichende Klasse B gemäß EN 62444 werden erreicht.

Autor:
Walter Lutz arbeitet als freier Fachjournalist in Haiger.

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