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Artikel und Hintergründe zum Thema

VDI-Fachkonferenz

Lukas Dehling,

So weit ist Augmented Reality

Welche Möglichkeiten bieten Augmented- und Virtual-Reality im Unternehmenseinsatz? Sind die Technologien ausgereift? Diesen Fragen ging die VDI-Fachkonferenz Anfang ­September in München auf den Grund.

Auf der begleitenden Fachausstellung zeigte AMA die Videokonferenz-Lösung ‚Xpert Eye‘: Sie ermöglicht es beispielsweise technischen Mitarbeitern – mit Hilfe von Datenbrillen und dem damit verbundenen Smartphone/PC –, eine sichere ‚Live-Übertragung‘ ihres Sichtfelds inklusive Sprache und Gesten zu Experten an ­anderen Standorten ­her­zustellen.

© Computer&AUTOMATION

Die 3. VDI-Fachkonferenz Augmented und Virtual Reality als Smart-Assistance klopfte am 5. und 6. September im NH München Ost Conference Center die Trendtechnologien auf ­Unternehmenstauglichkeit ab. Ein Grund, warum diese bisher im Unternehmenseinsatz noch keine enorme Marktdurchdringung erreicht haben, sind fehlende Geschäftsmodelle. Deshalb gab Dorothee Ebert von KPMG zunächst einen Einblick, wie Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln können und ging anschließend speziell auf Augmented Realtiy (AR) ein. Bisher nutzen Unternehmen diese Technologien hauptsächlich, um das bestehende Geschäftsmodell zu optimieren beziehungsweise die interne Wertschöpfungskette zu verbessern. Ein neues Geschäftsmodell ist damit allerdings noch nicht geschaffen. Hierfür ist es notwendig, eine extern sichtbare und auf Kunden ausgerichtete Leistung zu definieren. Ein Beispiel: Ein Unternehmen, das seine Handbücher digitalisiert und in AR-Versionen ausgibt. Ein neues Geschäftsmodell wäre hier etwa, dieses Anwenderwissen in Dienstleistungsangebote umzuwandeln und dafür die bereits bestehenden Infrastrukturen zu nutzen. Das ist beispielsweise das Vorgehen des Internetgiganten Amazon, der aus seinem eigenen spezifischen Bedarf an IT-Ressourcen ein eigenes Geschäftsmodell entwickelt hat und mittlerweile einer der größten Cloud-Anbieter ist.  

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Umfangreiche Tracking-Möglichkeiten

Einen Überblick über die Tracking-Möglichkeiten bei der Augmented Reality gab Helmut Guggenbichler von Augmensys: Zum einen lässt sich die Lokalisierung über geografische Posi­tionsinformationen realisieren. Hierfür sind allerdings Positionsinformationen und Sensorik zur Orientierung nötig, etwa Kompass, GPS, WLAN, iBeacons, Gyroskope oder Kippsensoren. Das alles schlägt sich auf die Akkuleistung der mobilen Endgeräte nieder. Darüber hinaus gibt es AR über die optische Erkennung der Situation – etwa über Marker, Kanten, Bilderkennung oder SLAM.

Eine einfache alternative Tracking-Methode brachte Christian Zink von ivii, einer Business Unit innerhalb von Knapp, ins Spiel. Weil keiner der auf dem Markt vorhandenen Brillen die Anforderungen des Unternehmens erfüllen konnte – etwa ein Akkubetrieb über eine ganze Schicht – entwickelten Sie ihre eigene Datenbrille. Der Clou beim Tracking: Die AR-Brille orientiert sich an QR-Codes, die in einem Lager in regelmäßigen Abständen an den Regalwänden angebracht sind und leitet so den Anwender wie ein Navigationsgerät zu den richtigen Lagerstellplätzen. So ist für das Tracking nur Kamera-Technologie nötig, was den Akku schont. Die Brille kann nun eine ganze Schicht genutzt werden. Zudem ist diese Art des Tracking sehr günstig.

Akzeptanz entscheidend

Die Lösung ‚Kinemic‘ erkennt Hand- und Armbewegungen mittels Sensorband oder alternativ per Smartwatch, um die Bedienung von beispielsweise Smart Glasses zu vereinfachen.

© Computer&AUTOMATION

Doch wie steht es um die Akzeptanz von AR-Technologien bei den Bedienern? Einblicke zu dieser Frage gab ein Erfahrungsbericht aus dem Bereich Service von Dr. Ralph Kleedörfer von Lindig. Als Vertragspartner von Linde bietet das Unternehmen Gabelstapler, Lagertechnik und Arbeitsbühnen – sowohl zur Miete als auch als Neu- und Gebrauchtgeräte. Kommt es zum Ausfall eines Arbeitsgerätes schickt Lindig einen Servicetechniker zum Kunden. Um diesen bei der Fehlerdiagnose zu unterstützen, kann es sinnvoll sein, einen Experten aus der Zentrale einzubeziehen – und zwar mittels Video- beziehungsweise Bildübertragung. So kann dieser sehen, was der Servicetechniker vor sich hat und ihm gegebenenfalls Tipps geben. Dabei sollte der Experte auch Hinweise in das Bild des Servicetechnikers einzeichnen können – wodurch es zu einer AR-Anwendung wird. 

Für diesen Einsatzzweck hat das Unternehmen zunächst eine ganze Reihe von AR-Geräten – sowohl Datenbrillen als auch Smartphones – sowie dazugehörige beziehungsweise passende Software-Produkte geprüft. Nach Labor-, Werkstatt- und Feldtest ist mittlerweile eine Lösung bei allen 90 Servicetechnikern im Einsatz – und zwar per Smartphone. Denn die Akzeptanz für die ­Brillen war bei den Mitarbeitern nicht gegeben. Sie war ihnen zu klobig und daneben zu umständlich in der Hand­habung. Doch Kleedörfer bleibt auch in Sachen Smart Glasses optimistisch: „In zweieinviertel Jahren wird jeder Servicetechniker Smart Glasses als Sonderwerkzeug einsetzen.“

Auch Lukas Merkel, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer IGCV in Augsburg, gab einen Einblick in ­aktuelle Forschungsaktivitäten und die Akzeptanz bei Anwendern. In der Lernfabrik für vernetzte Produktion haben die Forscher einen Use-Case aufgebaut, bei der die Hololens-Brille von Microsoft die Maschinenbediener durch die Wartung einer Drehmaschine führt. Dabei wurde deutlich, dass die Nutzer komplett unterschiedlich mit der Brille zurechtkommen: Mal finden sie sich ­innerhalb kürzester Zeit zurecht und ­arbeiten sich intuitiv durch das Wartungs-Programm, mal kommen sie überhaupt nicht klar und geben nach kurzer Zeit auf. 

Auch in Sachen Virtual Reality (VR) forscht das Fraunhofer IGCV – und zwar für die Unterstützung bei Fabrikplanungsprojekten durch verbesserte Visualisierung. So können etwa bestehende Fabriken virtualisiert werden. Hierfür vermessen die Fraunhofer-Forscher zunächst die Halle mit Laser­scannern und fotografieren diese anschließend ab. Nachdem die beiden Datenquellen zusammengeführt sind, lassen sich die Punktwolken mit Farb­informationen anreichern – wodurch ein gemeinsames Modell entsteht. Gekoppelt mit VR-Hardware können sich Planer so in die Fabrikhalle ‚beamen‘ und diese sowie etwaige zukünftige ­Änderungen realitätsnah betrachten. 

Warten auf bessere Geräte

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Unternehmen bereits intensiv in Richtung Augmented Reality experimentieren und AR zum Teil auch schon ein­setzen. Darüber hinaus sind die Software- beziehungsweise Trackingmöglichkeiten bereits hinreichend vorhanden, um diese effizient einzusetzen. Im realen Einsatz werden jedoch bisher häufig nur Tablets oder Smartphones verwendet, da eine AR-Brille, die alle Ansprüche der Unternehmen abdeckt, noch nicht existiert. Zwar genieße die Hololens die Akzeptanz in der Indus­trie, wie Konferenzleiter Dirk Schart, Head of PR & Marketing bei Re‘flekt betont; aber sie habe noch zu viele Schwächen – etwa ein zu hohes Gewicht, ein zu kleines Sichtfeld und eine zu geringe Akkulaufzeit. Deshalb darf man auf den Nachfolger gespannt sein, zu dessen Release-Datum es allerdings noch keine seriösen Aussagen gibt. Die Hoffnungen ruhen daher auch auf einem anderen Unternehmen: Magic Leap will ein Pendant zur Hololens auf den Markt bringen und hat hierfür 1,5 Mrd. Dollar Risikokapital eingesammelt.

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