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Artikel und Hintergründe zum Thema

Bedienen & Beobachten

Günter Herkommer,

Siemens kündigt neues Visualisierungskonzept an

"Digital Enterprise – Thinking industry further!" – so lautet das Motto von Siemens auf der SPS 2019. Speziell beim Thema industrielles Bedienen und Beobachten will der Konzern zur Messe einen Paradigmenwechsel einläuten.

© Siemens

Auf über 4.000 Quadratmeter zeigt Siemens in Nürnberg branchenspezifische Anwendungen sowie Zukunftstechnologien für die digitale Transformation der Fertigungs- und Prozessindustrie: vom Einsatz Künstlicher Intelligenz und Edge Computing bis hin zur Fabrik- und Prozessautomatisierung der Zukunft. Konkret soll etwa am Beispiel der Automobilindustrie zu sehen sein, wie sich die Entwicklungs- und Produktionszeiten unabhängig vom Motorkonzept (Diesel, Benzin, Elektro) verkürzen lassen. Anhand einer ‚Plug-and-Win‘-Abscheide-Einheit von GEA, die mittels der MTP-Technologie (Module Type Package) automatisiert und von webbasierten Applikationen sowie digitalen Services basierend auf MindSphere unterstützt wird, will der Konzern dabei die Stärken modularer Prozessanlagen demonstrieren. Ziel der dahinter stehenden Apps: Erhöhung der Transparenz und Effizienz der Anlage durch das Optimieren von Regelkreisen und Wartungsplänen.

Ein weiteres Thema, das in diesem Kontext  zunehmend eine wichtige Rolle spielt, sind KI-basierte Services zur Anbindung der Feldebene an Edge und Cloud. Dabei werden Daten sowohl lokal an der Maschine als auch anschließend in der Cloud mit Hilfe von Algorithmen basierend auf Künstlicher Intelligenz analysiert. So können Testaufwendungen reduziert, der Produktionsdurchsatz gesteigert und Machine-Learning-Modelle durch neue Daten in MindSphere verbessert werden – verspricht Siemens.

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Einfacher Datentransfer in die Cloud

Mit ‚Simatic PCS neo‘ erwartet die Messebesucher eine vollständig auf Web-Technologien basierte System-Software, die den Unternehmen der Prozessindustrie ganz neue Möglichkeiten im Zeitalter der Digitalisierung erschließen soll. Mit dem webbasierten Leitsystem sei ein direkter und sicherer Systemzugriff von überall und mit jedem Endgerät möglich, das über einen HTML5-fähigen Browser verfügt. Eine intuitive Oberfläche für jede Nutzergruppe und Anwendung  macht sämtliche Informationen mit nur wenigen Klicks erreichbar. Zusammen mit dem durchgängig objektorientierten Daten­modell könne damit die Effizienz im Engineering und Betrieb weiter gesteigert werden.

Wer sich speziell für das Thema industrielles Bedienen & Beobachten interessiert, findet auf dem Siemens-Messestand in Halle 11 mit ‚Simatic WinCC Unified‘ ein komplett neu entwickeltes, ebenfalls webbasiertes Visualisierungssystem. Die Runtime der Software im TIA Portal basiert auf nativen Web-Technologien wie HTML5, SVG und JavaScript. 

Neue Maßstäbe in puncto Bedienen & Beobachten

Die hohe Skalierbarkeit soll dem Anwender durchgängige Lösungen sowohl für maschinennahe HMI- als auch für SCADA-Anwendungsfälle bieten sowie zukünftig auch für Industrial Edge-, Cloud- und Augmented Reality-Szenarien. 

Großen Wert habe Siemens beim Design des Systems auf die Offenheit gelegt. Hierzu wurden Schnittstellen wie ‚TIA Portal Openess‘ implementiert, die einerseits eine automatisierte Projektierung erlauben und andererseits den Datenaustausch im Betrieb deutlich erleichtern sollen. Dafür stehen dem Anwender eine ODK(Open Developement Kit)- und OpenPipe-Schnittstelle zur Verfügung sowie die Möglichkeit, andere Applikationen in das Benutzer-Interface von WinCC Unified zu integrieren. 

Die Projektierung erfolgt einheitlich im Engineering-Framework TIA Portal. Einmalig erstellte Komponenten sind auf allen Plattformen wiederverwendbar – ob auf Bedienpanel, PC oder als Apps im Cloud- sowie Edge-Umfeld. Ohne die Installation von separaten Plug-ins könne über jeden modernen Webbrowser auf die Runtime zugegriffen werden. Mit der ersten Version steht WinCC Unified für Panel- und PC-basierte Lösungen zur Verfügung. Der Einsatz im Edge- und Cloud-Umfeld wird mit einer folgenden Lieferstufe möglich sein. Einher mit Simatic WinCC Unified geht auch eine neue Generation von High-End-Bediengeräten. Die sogenannten ‚Comfort Panels‘ sind in Displaygrößen von 7 bis 22 Zoll erhältlich und verfügen über eine Glasfront mit kapazitiver Multitouch-Technologie. Die vorgenannte Visualisierungssoftware bringt viele neue Möglichkeiten auf die Geräte: Dynamische SVG(Scalable Vector Graphics)-Grafiken, umfangreiche UI-Controls oder ‚Collaboration‘, ein komfortabler Mechanismus, um Daten zwischen WinCC Unified-Stationen auszutauschen.

Die funktionale Erweiterbarkeit durch Apps stellt Siemens zufolge einen Paradigmenwechsel im Produktportfolio von Simatic HMI dar. Wurden die Bedienpanels bisher ausschließlich für die Visualisierungssoftware verwendet, kann der Anwender jetzt durch die integrierte Industrial-Edge-Funktionalität auch andere Programme parallel dazu auf den Geräten betreiben.

Antriebe an die Cloud

Bleibt noch das Thema Antriebstechnik: Mit dem ‚Simatic Drive Controller‘ in-tegriert Siemens die S7-1500-Steuerung mit Motion-Control-Funktionalität nun direkt in das modulare Mehrachsantriebssystem Sinamics S120. Damit sind Gleichläufe (Getriebe- oder Kurvenscheibengleichlauf) zwischen Achsen realisierbar, die sich auf unterschiedlichen CPUs befinden. Das erleichtere die Leistungsverteilung über mehrere CPUs und bilde die Grundlage für die einfache Umsetzung von modularen Maschinenkonzepten.

Ebenfalls neue Schnittstellen und die Konnektivitätsmodule ‚Sinamics Connect 300‘ für Niederspannungsumrichter und ‚Simotics Connect 400‘ für Niederspannungsmotoren ermöglichen Maschinen- und Anlagenbauern sowie Anwendern die Erfassung von Daten aus dem Antriebsstrang. Diese sind für die Erstellung von digitalen Datenmodellen wie einem digitalen Zwilling und somit zur Gesamtoptimierung von Maschinen und Anlagen verwendbar. 

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