ZVEI
Stabilisierung auf hohem Niveau
Die allgemeine Konjunkturabkühlung infolge der Eurokrise macht auch vor der Automatisierungstechnik nicht Halt. Für den ZVEI ist die aktuelle Seitwärtsbewegung jedoch keine Katastrophe – zumal sich die Umsätze im Jahr 2011 auf sehr hohem Niveau bewegten.
Günter Baumüller: "Die neuen Ideen der EU-Kommission werden die Antriebs- und Maschinenwelt gravierend umkrempeln. Mit der bisherigen Planungs- und Entscheidungsfreiheit ist es dann vorbei."
© Computer & AUTOMATIONGünter Baumüller, Vorstandsmitglied des Fachbereichs Elektrische Antriebe im ZVEI-Fachverband Automation, eröffnete die Pressekonferenz des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie auf der SPS IPC Drives 2012 mit einem Rückblick: "Die elektrische Antriebstechnik hat zwei gute Jahre mit 17 und 20 % Wachstum hinter sich. 2011 war der Umsatz so auf über 10,7 Milliarden Euro gestiegen und übertraf damit sogar leicht das Niveau von 2008 – dem Jahr vor der Krise."
Für das laufende Jahr rechnet Baumüller anhand der vorliegenden Daten der ersten neun Monate und der ZVEI-Schätzung für das letzte Quartal mit einem Anstieg des Gesamtumsatzes an elektrischer Antriebstechnik um weitere 0,8 % auf 10,8 Mrd. Euro. Getrieben werde dieses Wachstum vor allem durch die Antriebselektronik, die in diesem Jahr voraussichtlich nochmals um 2,2 % zulegt, während die Elektromotoren mit einem Wachstum von 0,2 % annähernd auf dem Vorjahresniveau verharren. In Summe erwartet der Verband für 2012 einen Produktionsanstieg von 1 % für die Antriebstechnik.
"Sorge bereitet uns allerdings der zurückgehende Auftragseingang um gut 7 %", merkt Baumüller mit Blick auf die kommenden Monate an, ohne jedoch in Pessimismus zu verfallen – denn: "Andererseits belegt das Wachstum des Exports um 2 %, dass ‚Made in Germany‘ immer noch gefragt ist." Als künftigen Wachstumsmotor für die Antriebstechnik sieht Baumüller weiterhin das Thema Energie-Effizienz, welches spätestens seit dem Inkrafttreten der EU-Motorenverordnung M640/2009 aus dem Maschinen- und Anlagenbau nicht mehr wegzudenken ist.
"Die Elektromotoren-Verordnung war aber erst der Anfang", unterstreicht Baumüller in diesem Zusammenhang und ergänzt: "Wir müssen uns auf eine Reihe strenger, ordnungspolitischer Vorgaben für Antriebe und deren Anwendungen einstellen." Seit März 2012 würden in vier Studien der Europäischen Kommission (Los 28 bis 31) Einsparpotenziale bei Motoren, Pumpen und Kompressoren untersucht. Darauf aufsetzend sollen im Laufe der nächsten zwei Jahre Vorschläge für zukünftige Verordnungen erarbeitet werden, die zunehmend in das gesamte System eingreifen. Das heißt: Elektrische Antriebssysteme erhalten anwendungsspezifische Energie-Effizienz-Vorgaben. Für Pumpen- und Lüftersysteme werden Optimierungsbetrachtungen vorgeschrieben und Verbrauchskennzahlen definiert. "Das erfordert intensive Zusammenarbeit der Antriebs-, Pumpen- und Lüfterhersteller. Unseren Entwicklungsabteilungen wird jedenfalls die Arbeit nicht ausgehen", ist Günter Baumüller überzeugt.
Roland Bent: "Für 2013 lassen sich aus den vorliegenden Daten derzeit weder gravierende Wachstumsimpulse noch eine deutliche Verschärfung der Rückgänge im Geschäftsverlauf erkennen."
© Computer & AUTOMATIONDiese Aussage kann auch Roland Bent vorbehaltlos unterschreiben. In seiner Rolle als Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbandes Automation nahm der Geschäftsführer von Phoenix Contact die Ausführungen zur elektrischen Antriebstechnik als Basis, um anschließend das Bild der gesamten Automation darzustellen. Konkret verkündete er für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Anstieg von lediglich 1,6 % auf 19,1 Mrd. Euro – nach plus 17 % im Vorjahreszeitraum. Ähnliches gelte für den Umsatz: Nach einer Steigerung von 17,2 % im Jahr 2011 ist dieser bei den deutschen Automationsunternehmen in den ersten neun Monaten 2012 erneut um 1,1 % auf 35,7 Mrd. Euro gestiegen. 2,8 % im Minus lagen hingegen in den ersten drei Quartalen die Auftragseingänge, was den verhaltenen bis ruhigen Trend über die gesamte Automation bestätigt.
Stabilisierend in unsicheren Zeiten wirkt nach wie vor der Export. Das Ergebnis von 22,2 Mrd. Euro für den Zeitraum Januar bis August entspricht einem Anstieg um 5,3 %. Die Exportquote der deutschen Automationsindustrie hat damit Bent zufolge im 1. Halbjahr ein Rekordniveau von 86,5 % erreicht. Die Entwicklung bei den Ausfuhren zeige ebenfalls die starke Rolle der Regionen Europa mit 56 % und Südost-Asien mit 21 %. "Beide Regionen setzten den Trend", betont Bent, fügt aber im gleichen Atemzug hinzu: "Ungeachtet aller Wechselkursschwankungen zeigt sich auch, dass das Geschäft mit den USA weiter wächst." In Summe ist der ZVEI also zuversichtlich, dass die Automation im kommenden Jahr auch in Deutschland – wenn auch nur leicht – wieder wachsen wird.











