Lenze

Günter Herkommer,

Stabiler Umsatz in unsicheren Zeiten

Lenze hat am 4. Oktober im Rahmen der jährlichen Bilanz-Pressekonferenz die Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/2012 veröffentlicht. Demnach ist der Hersteller von Antriebs- und Automatisierungstechnik in einem volatilen Marktumfeld weiter gewachsen – wenn auch bei Weitem nicht mehr so stark wie noch im Jahr davor.

Lenze-Chef Dr. Erhard Tellbüscher: "Der Umsatz im deutschen Maschinenbau hat noch nicht wieder das Niveau von 2008 erreicht."

© Lenze

Die Nachkrisenjahre beschwerten den Automatisierungstechnik-Anbietern immense Zuwächse im teilweise hoch zweistelligen Bereich. So auch Lenze: Nachdem der Umsatz des Antriebstechnik-Spezialisten mit Hauptsitz in Hameln von 620,8 Mio. Euro im Boomjahr 2007/2008 in den beiden darauffolgenden Geschäftsjahren auf knapp 417 Mio. Euro eingebrochen war, stieg er im Zeitraum 2010/2011 wieder steil an – und zwar um beachtliche 36 % auf 567 Mio. Euro. Verglichen damit fällt das Wachstum des am 30. April zu Ende gegangenen Geschäftsjahres 2011/2012 mit plus zwei Prozent auf knapp 577 Mio. Euro sehr moderat aus. Das Ergebnis nach Steuern liegt mit 27,2 Mio. Euro minimal unter dem des Vorjahres (28 Mio. Euro).

Dass das Umsatzwachstum nicht höher ausgefallen ist, liegt nach Aussage von Dr. Erhard Tellbüscher, Vorstandsvorsitzender der Lenze SE, am aktuell schwierigen Marktumfeld für die Investitionsgüterindustrie, welches vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise von einer zunehmenden Unsicherheit gekennzeichnet ist. Dies übertrage sich unmittelbar auf den Maschinenbau. Hinzu kommt, so Tellbüscher, "dass auch hier politische Einflüsse wie Subventionskürzungen und die volkswirtschaftliche Umstellung der Energiewende spürbar werden."

Folge ist: Aus der Photovoltaik-Industrie gibt es aktuell keine Aufträge, die Windenergie-Branche meldet sich nach langer "Enthaltsamkeit" erst langsam wieder zurück, und auch ehemals starke Branchen wie zum Beispiel die Druck- und Textilindustrie haben mit einem beschleunigten Strukturwandel zu kämpfen. Nicht zuletzt kommt das Thema Elektromobilität, in das auch Lenze große Erwartungen setzt, nur sehr schleppend in Gang. Tellbüscher hierzu: "Nach der anfänglichen Phase der Euphorie tritt auf diesem Gebiet jetzt in eine Phase der Überprüfung ein." Mit anderen Worten: Im Bereich der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen – hier liegt der Fokus der E-Mobility-Aktivitäten von Lenze – sind derzeit nur verhaltene Aktivitäten zu spüren. Erschwerend komme hinzu, "dass in diesem Umfeld auch längere Vorlaufzeiten üblich sind, als wir sie aus dem Maschinenbau gewohnt sind" – ergänzt Lenze-Vorstandsmitglied Frank A. Meier.

Um die sich abzeichnenden Rückgänge in den europäischen Regionen zu kompensieren beziehungsweise unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen zu werden, hat Lenze bereits im letzten Jahr mit Nachdruck die Internationalisierungsstrategie vorangetrieben – unter anderem in Asien. So investierte das Unternehmen in dieser Region über den gezielten Personalaufbau und die intensive Qualifizierung von Applikationsingenieuren sowie Vertriebsmitarbeitern hinaus beispielsweise in den Ausbau des Standorts Shanghai – konkret in den Aufbau eines Entwicklungszentrums für Elektromechanik. Auch der Markt in den USA entwickelte sich positiv mit weiter steigenden Umsatzerlösen. Durch den Aufbau eines leistungsfähigen Logistikzentrums in Chicago habe man sich in das geographische Herz des US-amerikanischen Maschinenbaus begeben und dadurch seine Nähe zu den Kunden deutlich verbessert. Nicht zuletzt ist Tellbüscher zufolge aktuell auch ein zufriedenstellendes Wachstum in Südamerika zu verzeichnen. Derzeit wird die brasilianische Lenze-Gesellschaft in Sao Paulo zu einem Hub für ganz Südamerika ausgebaut. Weiterhin erfolgte in 2012 die Gründung einer eigenen Gesellschaft in Argentinien.

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Der Ausblick auf 2012/2013

Aufgrund der bisherigen Entwicklung von Mai bis August 2012 geht das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr von einer Seitwärtsbewegung aus beziehungsweise rechnet mit einem leichten Wachstum auf dem Niveau des vergangenen Jahres. Tellbüscher hierzu: "Das Geschäft in den USA wird nach einem sehr guten Wachstum zwar verhaltener ausfallen, aber weiter zulegen. Besondere Erfolge konnten wir in USA und China im Bereich der Ausstattung von Fabriken für die Automobilproduktion verbuchen. Aus China sind darüber hinaus neue Bestellungen insbesondere aus dem Sektor Windenergie zu erwarten." Dementsprechend plant Lenze in China eine Verdoppelung seiner Produktionskapazitäten. In Europa hingegen werde das Wachstum aufgrund der Schuldenkrise "allenfalls mäßig" ausfallen.

Was die Zielbranchen betrifft, will sich die Lenze-Gruppe angesichts dieser Situation speziell in Europa auf weniger volatile Branchen einschließlich der dafür notwendigen Produktauslegungen konzentrieren. Allen voran nennt Tellbüscher hier die Lebensmitteltechnik, respektive die Maschinenbau-Segmente Handhabung, Fördertechnik sowie die Verpackung.

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