Antriebs- und Automatisierungstechnik
Lenze legt Jahresbilanz vor
Lenze hat die Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/2013 veröffentlicht. Zwar blieb der Antriebstechnik-Spezialist aus Hameln hinter den eigenen Erwartungen zurück; angesichts der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gibt man sich mit dem Erreichten dennoch zufrieden.
Lenze-Chef Dr. Erhard Tellbüscher: "Im August hat der Auftragseingang im Maschinenbau erstmals wieder zugelegt. Dies macht Hoffnung, unserem Ziel für 2013/2014 Nahe zu kommen."
© LenzeUm knapp zwei Prozent konnte Lenze seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. Mai 2012 bis 30. April 2013) im Vergleich zum Vorjahr steigern - von 576,9 Mio. Euro im Vorjahr auf 587,8 Mio. Euro. Dass das Wachstum nicht höher ausgefallen ist, lag laut Firmenchef Dr. Erhard Tellbüscher in erster Linie am konjunkturellen Gesamtumfeld. So habe das globale aufgrund der Staatsschuldenkrise und dem damit einhergehende Vertrauensverlust im Euro-Raum im vergangenen Jahr weiter an Schwung verloren. Nach real 3,8 % Plus im Jahr 2011 sei das weltweite Bruttoinlandsprodukt 2012 nur um real 3,2 % gestiegen. Speziell in Deutschland legte die Produktion in diesem Zeitraum geschätzt um lediglich 2 % zu, nachdem sie 2010 um 9 % und 2011 um 12 % gestiegen war. "Angesichts dieser Umstände sind wir mit dem erreichten Umsatzplus durchaus zufrieden", zieht Tellbüscher Bilanz. Keinen Zuwachs gab es hingegen beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Dieses sank - maßgeblich bedingt durch Investitionen in Produktportfolio, Vertriebsorganisation und Infrastruktur - von 39,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 30,5 Mio. Euro.
Was das bereits seit einigen Monaten laufende Geschäftsjahr 2013/2014 betrifft ist der Lenze-Vorstandsvorsitzende trotzdem optimistisch, wenn auch die Ausgangslage je nach Region unterschiedlich sei. Tellbüscher hierzu: "Die wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa, Nordamerika und Asien zeigen für das Jahr 2014 positive Tendenzen. In Europa scheint aktuell die Rezession überwunden; über Nordamerika wird von einem zunehmend positiven Geschäftsklima berichtet. In China hingegen zeigt sich derzeit eher eine Abschwächung im Wirtschaftswachstum, bedingt auch durch eine deutliche Abschwächung im Export." Ursprünglich hat sich Lenze für das aktuelle Geschäftsjahr ein Wachstum zwischen 5 und 8 % vorgenommen. Unrealistisch sei dies nicht, jedoch "müssen wir uns in den kommenden Monaten noch deutlich anstrengen, um dieses Ziel zu erreichen", betont Tellbüscher.
Auf die Frage, wo die Reise für die deutschen Anbieter von Automatisierungstechnik sowie deren Abnehmer – die Maschinen- und Anlagenbauer – mittel- und langfristig hingeht, kommt der Lenze-Vorstandsvorsitzende noch einmal auf China zu sprechen und stellt fest: "China als Produktionsstandort für Low-cost-Produkte zu nutzen, ist Vergangenheit. In dieser Region werden mehr und mehr Komponenten für den Weltmarkt produziert. Diese sind mittlerweile auf demselben Niveau, wie unsere Produkte – jedoch zu den halben Kosten!" Was sich zunächst als Gefahr darstellt, entpuppe sich auf den zweiten Blick aber auch als Chance, denn: "Die Chinesen arbeiten auf dem Niveau von Produkten, aber noch nicht auf dem Niveau von Systemen. Hier sehen wir unseren Vorteil im Wettlauf um die Zukunft!"
Die Neuheiten auf der SPS IPC Drives
Mit Blick auf die bevorstehende SPS IPC Drives verweist Tellbüscher im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz auf zwei Innovationen aus dem Antriebstechnik-Bereich. Zum einen wird in Nürnberg der so genannte „Smart Motor“ im Fokus stehen, den Lenze als Konzept bereits auf der Hannover Messe im April angekündigt hat (s. a. Computer & AUTOMATION 2013, Heft 6, S. 18f.) und der nun kurz vor der breiten Markteinführung steht.
Die Idee hinter diesem neuen Getriebemotorenkonzept: Statt den wirtschaftlichen Betrieb mit einer großen Variantenvielfalt abzudecken, kann der Smart Motor dank mehr Intelligenz im Klemmenkasten flexibel Drehzahlen zwischen 500 bis 2600 Umdrehungen bei konstantem Drehmoment abdecken. Die integrierte Elektronik ist zudem in der Lage, hohe Anlaufmomente, wie sie beispielsweise in der Fördertechnik auftreten, durch eine vierfache Überlastfähigkeit des Nennmomentes zu bewältigen. Dementsprechend sind kleinere Auslegungen möglich beziehungsweise kompaktere Motoren mit weniger Leistung auswählbar. Eine weiter Besonderheit des Smart Motors ist die Möglichkeit der berührungs- beziehungsweise spannungslosen Einstellung via Near Field Communication (NFC) in Verbindung mit einer Smartphone-App.
Auf den Markt kommen die Stirnrad-, Kegelstirnrad- und Flachgetriebe – hier in Kombination mit dem Smart Motor – zunächst in Baugrößen von 45 bis 600 Nm.
© LenzeNeben dem Motor selbst stellt Lenze auf der SPS IPC Drives erstmals die ebenfalls komplett neuentwickelte Getriebe-Reihe g500 vor, deren Wirkungsgrad im gesamten Übersetzungsbereich bei mehr als 94 % liegt. „Bei der Entwicklung dieser Getriebe haben wir neu angefangen und alles bisher Dagewesene in Frage gestellt“, betont Rune Friis-Knutzen, bei Lenze verantwortlich für die strategische Produktentwicklung in der Elektromechanik, und ergänzt: „Weil die Verluste so gering sind, muss der Motor weniger Energie aufbringen – was unter dem Strich die Effizienz einer Gesamtanlage verbessert. Die geringere Wärme-Entwicklung erhöht zudem die Lebensdauer insgesamt. Möglich wurden die Erfolge durch die Arbeit mit modernsten Berechnungs- und Simulationsverfahren.“
Lenze-Vorstand Frank Maier demonstriert die „Leichtigkeit“ der neuen Getriebe – zugegebenermaßen noch ohne Zahnräder und Ölfüllung.
© LenzeSo hat die Gehäuse-Optimierung durch Finite-Elemente-Rechnung sowie Verwendung von Aluminium unter anderem zu einer deutlichen Gewichts-einsparung geführt. Frank Maier, im Lenze-Vorstand verantwortlich für den Bereich Forschung & Entwicklung, rechnet vor: „Das Getriebe g500-S660 mit einem Drehmoment von 660 Nm hat ein Volumen von 6050 cm3 und wiegt inklusive Motor 23 kg. Das vergleichbare Getriebe GFL06-2M aus unserem bisherigen Portfolio bringt es auf 7900 cm3 beziehungsweise 40 kg. Das heißt: Das g500 spart über 20 % Volumen ein und mehr als 40 % Gewicht!“
Darüber hinaus erfüllen die Motor-Getriebe-Einheiten Friis-Knutzen zufolge heute bereits künftige Effizienzstandards. Abgesehen von den Smart Motoren lassen sich die g500-Getriebe auch in Kombination mit den IE2-Drehstrommotoren MH, den umrichter-optimierten MF-Motoren sowie den MCA- und MCS-Servomotoren von Lenze einsetzen.














