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Artikel und Hintergründe zum Thema

Hochpräzisions-Kugellager

Melanie Steinbeck,

GMN investiert 28 Millionen Euro am Standort Nürnberg

Mit dem Spatenstich für eine neue Produktionshalle hat die GMN Paul Müller Industrie den Startschuss für die größte Einzelinvestition der vergangenen 30 Jahre gegeben. Rund 28 Millionen Euro fließen in den Neubau einer Fertigung für Hochpräzisions-Kugellager am Stammsitz des Unternehmens.

(Vlnr) Florian Iberl, Tobias Keller, beide Geschäftsführer Fuchs Bau Süd, Dr. Edgar Verlemann, Projektleiter GMN, Michael Lösch, geschäftsführender Gesellschafter GMN, Dr. Andrea Heilmaier, Wirtschaftsreferentin der Stadt Nürnberg, Dr. Jens Falker, Geschäftsführer GMN, Franz Holzer, Architekt. © Lutz Wolf/GMN

Es ist eine Investition, die über den Bau einer Halle hinausgeht. Denn sie beantwortet eine Frage, die sich viele mittelständische Industrieunternehmen derzeit stellen: Wo entsteht die Zukunft der Produktion? Für GMN lautet die Antwort: in Nürnberg.

Mit einem festlichen Spatenstich hat die GMN Paul Müller Industrie GmbH & Co. KG am 18. Mai 2026 den Bau einer neuen Produktionshalle für Hochpräzisions-Kugellager in Nürnberg begonnen. Das Investitionsvolumen von rund 28 Millionen Euro ist nach Unternehmensangaben die größte Einzelinvestition der vergangenen 30 Jahre. Für den Maschinenbauer ist das Projekt zugleich ein deutliches Bekenntnis zum Standort Nürnberg.

Das bisherige Produktionsgebäude stammt aus dem Jahr 1932. Fast ein Jahrhundert später entsteht nun am Stammsitz an der Äußeren Bayreuther Straße die Grundlage für die nächste Generation der Kugellagerfertigung.

Präzision bis in den Nanometerbereich

Auf einer Bruttogeschossfläche von rund 8.650 Quadratmetern entsteht ein Spezialgebäude, das vollständig auf die Herstellung hochgenauer Hochpräzisionskugellager zugeschnitten ist. Bei voller Auslastung sollen dort rund 85 Beschäftigte arbeiten.

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Die technischen Anforderungen sind hoch. Um selbst kleinste Erschütterungen fernzuhalten, wird die Bodenplatte des Feinmessraums vom übrigen Gebäude entkoppelt. Vibrationen der nahegelegenen Bahnlinie oder benachbarter Produktionsbereiche sollen so keinen Einfluss auf die Fertigung haben. Nur unter diesen Bedingungen lassen sich Toleranzen im Submikrometer- oder sogar Nanometerbereich sicher beherrschen. Auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden innerhalb engster Grenzen geregelt.

Die neue Fertigung setzt zudem konsequent auf Automatisierung. Autonome Transportsysteme übernehmen künftig Teile der innerbetrieblichen Logistik und sollen die Produktionsabläufe effizienter gestalten.

Weniger Energie, keine fossilen Brennstoffe

Der Neubau soll nicht nur präziser, sondern auch energieeffizienter arbeiten. Nach Angaben des Unternehmens wird die Halle voraussichtlich 15 bis 20 Prozent weniger Energie benötigen als das bisherige Gebäude.

Die Versorgung mit Prozesswärme und Prozesskälte erfolgt über Geothermie. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Photovoltaikanlage mit rund 430 kWp Leistung sowie einen Akkuspeicher mit 200 kW. Auf fossile Brennstoffe will GMN vollständig verzichten. Stattdessen setzt das Unternehmen neben Geothermie auf klimaneutral zertifizierte Fernwärme des Nürnberger Energieversorgers N-ERGIE.

Mit diesem Konzept sollen die Anforderungen des Nachhaltigkeitsstandards NH 40 im Rahmen des KfW-Programms 299 erfüllt werden. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2027 geplant, der Umzug soll im ersten Quartal 2028 erfolgen.

„Ein historischer Tag für den Kugelmüller“

Für die Unternehmensführung markiert der Baustart weit mehr als den Beginn eines Bauprojekts.

„Der Spatenstich ist ein historischer Tag für den ‚Kugelmüller‘“, sagte Michael Lösch, geschäftsführender Gesellschafter von GMN, mit Verweis auf die historische Bezeichnung und das Ursprungsprodukt des Unternehmens. „Er ist der Höhepunkt von drei Jahren Planung unter Leitung von Dr. Edgar Verlemann. Wir sind mutig und glauben an die Zukunft – und das auch in Zeiten, die nicht supersexy sind. 28 Millionen Euro sind ein starkes Signal an den Industriestandort Nürnberg, an unsere Mitbewerber und an das gesamte GMN-Team, das diesen Schritt möglich gemacht hat.“

Industriestandort Nürnberg unter Druck und im Aufbruch

Auch Nürnbergs Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier sieht in dem Vorhaben ein Zeichen über das Unternehmen hinaus.

„Dieser Spatenstich ist ein Termin ganz nach dem Geschmack einer Wirtschaftsreferentin. GMN ist seit 120 Jahren Teil der Industriegeschichte Nürnbergs. Unsere Stadt ist Industriestadt und soll es auch bleiben. Die Zeiten sind nicht rosig – umso beachtenswerter ist eine Investition dieser Größenordnung. GMN sehe ich mit zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern, Mut und Standorttreue hervorragend aufgestellt.“

Die Investition fällt in eine Zeit, in der viele Industrieunternehmen angesichts schwacher Konjunktur, hoher Energiekosten und internationaler Unsicherheiten ihre Ausgaben zurückfahren. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung des Familienunternehmens, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung seines Nürnberger Stammsitzes zu investieren.

Familienunternehmen mit globalem Geschäft

GMN wurde 1908 gegründet und wird heute in vierter Generation geführt. Rund 470 Mitarbeiter entwickeln und produzieren ausschließlich am Standort Nürnberg Hochpräzisionskugellager und -systeme, Maschinenspindeln, elektrische Antriebe, Klemmkörperfreiläufe sowie berührungslose Dichtungen.

Rund 45 Prozent der Produkte gehen ins Ausland. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus dem Maschinenbau, dem Modell- und Fahrzeugbau sowie der Luft- und Raumfahrttechnik. Vertrieb und Service organisiert GMN über ein weltweites Netz von Vertretungen und Niederlassungen.

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