Antriebe (News)
Aktiv gegen Netzverzerrungen
Drehzahlgeregelte Antriebe leisten einen wesentlichen Beitrag zur effizienten Energienutzung. Allerdings können die dafür eingesetzten Frequenzumrichter zu Verzerrungen der Netzfrequenz und in der Folge zur Beeinträchtigung andere Verbraucher führen. Aktive Filter wirken dem effektiv entgegen.
Die von dem Energieversorger gelieferte Netzspannung für Haushalt, Gewerbe und Industrie sollte im Idealfall eine gleichmäßige Sinusspannung konstanter Amplitude und Frequenz sein. Dies ist in unseren Netzen heute kaum mehr anzutreffen. Die Ursache liegt in Verbrauchern, die einen nicht-sinusförmigen Laststrom aufnehmen. Denn neben dem steigenden Einsatz von Frequenzumrichtern nimmt der Anteil anderer elektronischer Verbraucher wie zum Beispiel Energiesparlampen oder Schaltnetzteilen in den Niederspannungsnetzen drastisch zu. Die Folge sind immer größere – in gewissen Grenzen auch zulässige – Abweichungen von der idealen Sinusform in den Versorgungsnetzen.
Diese Verzerrungen der Sinusform nennen Fachleute niederfrequente Netzrückwirkung oder auch Oberschwingungen. Sie resultieren in einer höheren Blindleistungsbelastung von Übertragungsmedien wie Kabel und Trafo. Für die Beurteilung der Netzqualität kommen typischerweise die Oberschwingungen bis 2,5 kHz, entsprechend der 50. harmonischen Oberschwingung in Betracht. Die stärksten Auswirkungen haben die 3., 5. und 7. Oberschwingung, also die Frequenzen von 150, 250 und 350 Hz, sofern auch die einphasigen Verbraucher mit in die Betrachtung einfließen.
Ein zu großer Oberschwingungsgehalt kann dazu führen, dass beispielsweise empfindliche elektronische Steuerungen, Computer und Regelgeräte nicht mehr einwandfrei funktionieren, oder sogar einzelne Verbraucher scheinbar ohne logische Erklärung vorzeitig ausfallen. Weitere mögliche Auswirkungen sind:
- erhöhte Belastung bis hin zur Zerstörung von Blindleistungs-Kompensationsanlagen;
- erforderliche Überdimensionierung von Netzkomponenten wie Trafo oder Leitungen;
- eingeschränkte Funktionssicherheit und Lebensdauer von Netzkomponenten und angeschlossenen Verbrauchern.
Bild 1: Elektromagnetische Störungen treten im gesamten Frequenzbereich auf. Allerdings unterscheiden sich die Art der Ausbreitung sowie der Ausbreitungsweg.
Um Schädigungen einzelner Verbraucher aufgrund von unerwünschten Oberschwingungen zu vermeiden, gilt es demnach, Maßnahmen zur Verbesserung der Netzqualität zu treffen. Sinnvollerweise sind Netzrückwirkungen elektronischer Verbraucher bereits an der Entstehungsquelle im Gerät wirkungsvoll zu reduzieren. Bei Frequenzumrichtern kann dies – wie etwa bei den Geräten von Danfoss üblich – im einfachsten Fall durch die Verwendung serienmäßig integrierter Zwischenkreisdrosseln erfolgen. In Einzelfällen reicht diese Maßnahme jedoch nicht mehr aus; insbesondere, wenn die Netzqualität durch andere nichtkompensierte Verbraucher bereits zu stark belastet ist.
Um Schädigungen einzelner Verbraucher aufgrund von unerwünschten Oberschwingungen zu vermeiden, gilt es demnach, Maßnahmen zur Verbesserung der Netzqualität zu treffen. Sinnvollerweise sind Netzrückwirkungen elektronischer Verbraucher bereits an der Entstehungsquelle im Gerät wirkungsvoll zu reduzieren. Bei Frequenzumrichtern kann dies – wie etwa bei den Geräten von Danfoss üblich – im einfachsten Fall durch die Verwendung serienmäßig integrierter Zwischenkreisdrosseln erfolgen. In Einzelfällen reicht diese Maßnahme jedoch nicht mehr aus; insbesondere, wenn die Netzqualität durch andere nichtkompensierte Verbraucher bereits zu stark belastet ist.
Moderne Elektronik für effizientere Lösungen
Im Gegensatz zur herkömmlichen Technik der passiven Filter sind aktive Harmonische Filter kleiner, leichter und einfach zu installieren. Ein weiterer Vorteil: Sie erfüllen die Grenzwerte der europäischen Normen für Oberschwingungen und bedämpfen Spannungseinbrüche. Auch die Vorgaben der neuen deutschen Netzanschlussverordnung (NAV) zum Schutz anderer Verbraucher vor Netzrückwirkungen halten sie sicher ein. Dies ist zwar auch bei passiven Filtern der Fall; allerdings ändern diese im Teillastbereich ihr Verhalten beziehungsweise der cos-phi wird dann kapazitiv. Bei aktiven Filtern handelt es sich im Grunde um modifizierte, rückspeisefähige Frequenzumrichter. Sie erfassen im Netz vorhandene Oberschwingungsströme und speisen um 180° phasenverschobene Ströme wieder ins Netz zurück. Je nach Hersteller lassen sich damit Oberschwingungen bis zur 50. Harmonischen reduzieren. Die Geräte arbeiten mit einer Taktfrequenz zwischen 10 und 16 kHz und sind für die Niederspannungsebene mit Kompensationsströmen von 30 bis 450 A erhältlich.
Bild 2: Die Grafik zeigt die Beeinflussung durch die Oberschwingungen in Abhängigkeit der Ordnungszahl der Schwingung, sprich der Vielfachen der Grundschwingung – in Deutschland 50 Hz.
Das Funktionsprinzip eines aktiven Filters beruht auf dem Grundgedanken, keine Ströme abzusaugen, sondern nach Bedarf gezielt Ströme einzuspeisen. Hierzu berechnen aktive Filter durch permanente Messung des Netzverlaufs die Komplementäre der harmonischen Ströme und speisen diese mittels einer aktiven Stromquelle ein. Die Addition der negierten Oberschwingungsströme kompensiert die Verzerrungsblindleistung und es entsteht in Summe wieder ein sinusförmiger Strom.
Je nach Belastung liefert das aktive Filter mehr oder weniger Kompensationsstrom und ist dadurch recht flexibel bei Änderungen des Oberschwingungspegels, des Verbraucherstroms sowie bei Netzänderungen. Zudem ist es in der Lage, dauerhaft an seiner Belastungsgrenze zu arbeiten. Allerdings kann das Filter an seiner Belastungsgrenze die Oberschwingungen im Laststrom unter Umständen nicht mehr in voller Höhe kompensieren. Ist der Oberschwingungs-Stromanteil größer als der maximale gegenphasige Filterstrom, heben sich die Anteile nicht mehr vollständig auf. Zur Erhöhung der Kompensationsleistung ist es in einem solchen Fall möglich, mehrere Aktivfilter parallel zu schalten. Bedingt durch den Impedanzverlauf der Induktivitäten wird bei höheren Frequenzen nur noch ein Teil des maximalen Nennstroms als aktiver Filterstrom zur Verfügung stehen. Resonanzeffekte mit der Netzimpedanz wie bei passiven Filtern sind so gut wie ausgeschlossen.
Die Funktionsweise im Detail
Der Aufbau dieser Filter-Technologie gestaltet sich im Vergleich zu passiven Maßnahmen aufwendiger. Notwendig sind eine hoch auflösende und schnelle Datenerfassung der Messgrößen, eine hohe Rechnerleistung im Reglerteil, sowie schnell schaltende Leistungselektronik. Funktional besteht das aktive Filter aus dem speisenden Inverter, dem Zwischenkreis und dem netzseitigen Stromrichter. Als Energiespeicher kommt ein Kondensator zum Einsatz. Aufgrund der Taktfrequenz des Wechselrichters findet sich in den meisten Filtern zusätzlich ein passives Ausgangsfilter. Dieses verhindert, dass sich die Taktfrequenz störend im Netz bemerkbar macht.
Die netzseitige Stromrichterschaltung kann entweder als I- oder U-Stromrichter ausgeführt sein. Die industrielle Entwicklung der Stromrichtertechnik der letzten Jahre hat deutlich gemacht, dass sich im Bereich selbstgeführter Schaltungen die U-Stromrichtertechnik (VSC) durchsetzt, und sich daher insbesondere auch für den Einsatz als aktives Filter gut eignet, da bei den Spannungszwischenkreis-Stromrichtern keine zusätzlichen Ansteuerung für die Freilaufschaltung notwendig ist, und in den Induktivitäten keine höheren Verluste entstehen.
Aktive Filter – keine Universal-Lösung!
Bei der Auswahl des Aktivfilters muss sich der Betreiber im Klaren sein, welches Frequenzspektrum benötigt wird. Das Filter reduziert die Störursache nur vollständig, wenn es insbesondere auch hohe Oberschwingungsfrequenzen ausreichend dämpft. Je breiter das Kompensationsspektrum ist, desto besser wird die Sinusform erreicht. Die meisten Filter können nur ungerade, diskrete Frequenzen bis zur 50. Harmonischen reduzieren. Allerdings lassen sich in diesem Bereich nicht alle 50 Harmonischen gleichzeitig einspeisen. Einige Geräte sind lediglich in der Lage, maximal 10 oder 20 Harmonische gleichzeitig auszuregeln. In den meisten Fällen ist dies aber ausreichend, da in der Regel nur ungerade Oberschwingungen auftreten und in symmetrisch belasteten Drehstromnetzen zusätzlich die dreifachen Oberschwingungen nicht vorkommen.
Bild 3: Aktive Filter lassen sich an beliebigen Stellen im Netz einfügen, abhängig davon, ob sie einzelne Antriebe, ganze Gruppen oder gar ganze Netze kompensieren sollen.
Bei Netzresonanzen ist der Betrieb von aktiven Filtern nicht möglich; es sei denn, das Gerät kann die betreffende Frequenz identifizieren und auslassen. Fällt die Netzresonanzfrequenz auf eine der Oberschwingungen, ist die vollständige Bedämpfung dieser Oberschwingung nicht möglich, und durch den Phasensprung bei der Netzresonanz droht Instabilität beim Regler. Manche Hersteller prüfen daher das Netz auf Resonanzstellen, indem sie bei jeder Harmonischen die komplexe Netzimpedanz einmal unterhalb und einmal oberhalb messen. Bei unterschiedlichen Vorzeichen durch einen Phasensprung spart der Regler die betreffende Frequenz aus und bedämpft sie nicht.
Aktive Filter – keine Universal-Lösung!
Aktive Filter halten die offensichtlichen Stromoberschwingungen im Bereich bis 2 kHz problemlos ein. Allerdings produzieren sie dafür im höheren Frequenzbereich überproportional starke Oberschwingungen, die zu Störungen in anderen Elektronikschaltungen führen können. Sie verschieben daher die jetzt zu bekämpfenden Oberschwingungen nur in einen höheren Frequenzbereich. So besteht die Gefahr, dass aufgrund des heutigen Stands der Normung diese vermeintlich gute Lösung mittelfristig zu einem anderen schwerwiegenden Netzproblem führen kann.
Bild 4: Als Faustformel gilt, dass etwa 35 % des zu bedämpfenden Laststroms als Filterleistung bereitgestellt werden muss. Damit sind die Geräte äußerst kompakt und die Verlustleistung ist im Vergleich zu passiven Oberschwingungsfiltern bei ähnlich hohen Wirkungsgraden deutlich reduziert.
Da unsere Normen und Gesetze diesen Bereich bislang nicht abdecken, erfassen Betreiber die Auswirkungen messtechnisch nicht. Trotzdem sind Auswirkungen auf alle an dieser Spannung arbeitenden Geräte festzustellen. Diese machen sich zum Beispiel in einer erhöhten Stromaufnahme in Netzteilen bemerkbar. Auch Resonanzen mit Eingangsschaltungen und Funkentstörmitteln sind möglich, die dann sogar zu einer Zerstörung von Geräten führen können. Messtechnisch ist mit den heutigen Netzanalysatoren dieser Frequenzbereich meist nicht zu erfassen. Dadurch entstehen Anlagenfehler, deren Ursache nur sehr schwierig zu ermitteln ist. Aus diesem Grund hat der ZVEI in diesem Jahr die Vorarbeit für einen Entwurf einer Normenempfehlung im Bereich 2 bis 9 kHz gestartet.
Ein weiteres Problem aktiver Filter: Sie sind leistungselektronische Geräte und können starke höherfrequente Emissionen erzeugen. Ursache dafür sind vor allem die steilen Schaltflanken mit großen Amplituden wie sie typischerweise durch die schnell schaltenden Halbleiterschaltelemente entstehen. Diese kurzen, steilen Spannungsimpulse erzeugen breitbandige Oberschwingungen bis in den MHz-Bereich hinein, die die Hersteller mit Hilfe von Filtern bedämpfen müssen. Die Taktung überlagert das Netz mit hochfrequentem Rauschen, welches ein passives Filter im Ausgang dämpft. Die Taktfrequenz selbst macht sich dann nicht mehr so deutlich auf der Spannung bemerkbar. Allerdings lässt sich trotz Ausgangsfilter immer noch ein Rest des Rauschens auf der Netzseite erkennen, was letztlich zu Oberschwingungen oberhalb der heutigen Normen führt.
Vorsicht ist auch geboten, wenn Betreiber unterschiedliche aktive Filter parallel schalten wollen. Hierbei könnte ein Parallelschwingkreis zwischen den Ausgangsfiltern der Aktivfilter entstehen. Anlagen, in denen unverdrosselte Kompensationsanlagen installiert sind, dürfen nicht zusammen mit aktiven Filtern betrieben werden, da es zu Resonanz-Erscheinungen kommen kann.
In Summe lässt sich festhalten: So wahrscheinlich es derzeit aussieht, dass aktive Filtersysteme zunehmend an Bedeutung gewinnen und sich als Standard-Filterkomponenten neben den bekannten passiven Systemen etablieren werden, so falsch wäre es, anzunehmen, dass letztere dadurch vollständig zu ersetzen seien. Vielmehr ist im Einzelfall die Ist-Situation zu ermitteln und die für die Installation beste Lösung anzustreben. Auf jeden Fall sollten Betreiber bei der Anschaffung von neuen Betriebsmitteln mit nichtlinearer Stromaufnahme auf eine dezentrale Reduzierung der Oberwellen in den verursachenden Komponenten achten, da dies auch eine eventuell später notwendig werdende Investition für aktive oder passive Filter deutlich reduziert.













