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Differenzierung durch Software

28. November 2019, 11:30 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Differenzierung durch Software
© Computer&AUTOMATION

Christian Wolf: "Ich bin überzeugt, dass die Automatisierungswelt nicht mehr in der Steuerungstechnik aufhört."

Schwächelnde Konjunktur, Digitalisierung, 5G und Edge Computing beeinflussen die Automatisierungstechnik. Christian Wolf, Geschäftsführer bei Turck und SPS-Ausstellerbereitsvorsitzender, über die Herausforderungen für Automatisierer und warum 2020 Wachstum möglich sein könnte.

Der VDMA meldet für 2019 und 2020 einen Rückgang von jeweils 2 %. Was sind die Gründe dafür?

Christian Wolf:
Im deutschen Maschinenbau gibt es Branchen, die weiterhin wachsen. Allerdings spürt gerade der automobilnahe Maschinenbau einen Rückgang, vor allem die Werkzeugmaschinenindustrie ist stark betroffen. Die Automobilindustrie hat einen wesentlichen, wenn auch zeitverzögerten Effekt auf den Maschinenbau.

Für das Jahr 2020 rechnet der VDMA mit einem Rückgang von 2 %. Turck erwartet ein Wachstum von 5 %. 

Christian Wolf: Das zeigt, dass wir nicht nur im Automobilmaschinenbau tätig sind. Wir erwarten, dass die Lebensmittel- und Nahrungsindustrie weiter wachsen wird. Wachstums-Chancen sehen wir auch im Bereich der mobilen Arbeitsmaschinen sowie in der Logistik- und der Prozessautomatisierung. Die Chemie-Industrie hat sich stabilisiert, Öl und Gas wächst ebenso wieder vernünftig und die Pharmaindustrie scheint von all dem gar nicht betroffen zu sein. Auch glauben wir, dass sich Automotive erholen wird, die Frage ist, ob dies schon Ende 2020 zu spüren sein wird. In Summe sehen wir ein Wachstum also durchaus als realistisch an.

Was sind die drei größten Trends in der Fertigungsautomatisierung?

Christian Wolf: Ganz klar das Zusammenwachsen von IT und OT. Ich bin überzeugt, dass die Automatisierungswelt nicht mehr in der Steuerungstechnik aufhört. Die Automatisierungspyramide endet somit nicht mehr in SPS, sondern in einer MES- oder ERP-Welt. Das ist aus meiner Sicht der größte Trend. Ein weiterer Trend ist, dass Hardware in Zukunft zunehmend durch Software kundenspezifisch ausgeprägt wird. Das bedeutet, dass nicht mehr die mechanische Adaption einer Applikation relevant ist, sondern dass dies vermehrt über die Software geschieht. Und das ist in meinen Augen auch die größte Herausforderung für uns Automatisierer: genug Ressourcen und Investitionsluft zu haben, uns dorthin zu entwickeln.

Wird die klassische SPS überflüssig?
Christian Wolf: Ja und nein. Eine SPS wird immer eine Berechtigung haben, aber ich glaube, die Relevanz der klassischen Groß-SPS nimmt ab – das ist bereits jetzt zu beobachten. Mikroprozessoren verfügen heute schon über so viel Rechenleistung, um ein großes Datenvolumen dezentral zu verwalten. Die Intelligenz wandert heute schon in robuste Endgeräte, die bereits viele Steuerungsaufgaben direkt vor Ort umsetzen und so die übergeordnete Steuerung zunehmend entlasten. Auch, dass immer mehr Sensoren über IP67-I/O-Module unmittelbar im Feld angebunden werden können, dass sich Edge-Computing weiter verbreitet, wird dazu führen, dass die Bedeutung einer klassischen SPS abnimmt.

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