Maschinen- und Anlagenbau 2022

Die Bilanz des VDMA

13. Dezember 2022, 11:38 Uhr | Meinrad Happacher
Maschinenbau
© Foto: Daniel Karmann/dpa

Die hohe Inflation, der Ukraine-Krieg, Materialengpässe und Schwierigkeiten in der Lieferkette haben dem Maschinen- und Anlagenbau in diesem Jahr zugesetzt. VDMA-Präsident Karl Haeusgen zieht auf der Jahres-Pressekonferenz des VDMA dennoch eine zuversichtliche Bilanz.

Karl Haeusgen, VDMA-Präsident.
Karl Haeusgen, VDMA-Präsident: „Die hohe Inflation und der Ukraine-Krieg mit all seinen Folgen werden auch unsere Branche noch lange belasten."
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Der Maschinen- und Anlagenbau ist trotz all der Widrigkeiten in 2022 "auf Kurs geblieben und blickt mit einiger Zuversicht auf das kommende Jahr", sagt VDMA-Präsident Karl Haeusgen auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbands am 13. Dezember. „Daher sind wir zuversichtlich, unser Ziel eines realen Produktionswachstums von 1 Prozent in diesem Jahr zu erreichen und halten auch an unserer Prognose für das kommende Jahr fest. Wir rechnen für 2023 weiterhin mit einem leichten realen Produktionsrückgang von 2 Prozent. Das ist weit entfernt von den Rückschlägen früherer Jahre und zeigt die Robustheit unserer Industrie.“

Engpässe in Lieferketten weiter groß

Die Produktion im Maschinen- und Anlagenbau wird weiterhin durch Schwierigkeiten in den Lieferketten und durch Materialengpässe spürbar beeinträchtigt. Laut der jüngsten VDMA-Blitzumfrage von Anfang Dezember, an der mehr als 600 Mitgliedsfirmen teilnahmen, sehen 74 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit durch solche Engpässe gravierend oder merklich beeinträchtigt. Im Juni waren es allerdings noch 87 Prozent gewesen. Von einer merklichen Entspannung berichten die Firmen in der jüngsten Umfrage mit Blick auf Chemikalien, Kunststoffen und Metallerzeugnissen. Nach wie vor angespannt ist die Lage dagegen bei Elektronikkomponenten, wenngleich mit rückläufiger Tendenz. Diese Entwicklung kann sich nach Ansicht der VDMA-Volkswirte positiv auf die Produktion der Schlussmonate 2022 auswirken. Von Januar bis einschließlich Oktober lag die reale Produktion im Maschinen- und Anlagenbau noch um real 0,4 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Der Auftragseingang blieb in den ersten zehn Monaten des Jahres real um 1 Prozent unter dem Vorjahr, die Auftragsreichweite betrug im September 2022 noch 11,9 Monate und ist damit unverändert sehr hoch.

Hälfte der Unternehmen blickt optimistisch auf 2023

Umsatz im Maschinenbau
Die Zahlen unterstreichen den Optimismus in der Branche: Laut Umfrage schaut nahezu die Hälfte der Befragten (48 Prozent) optimistisch oder verhalten optimistisch ins neue Jahr. 38 Prozent sind unentschieden, lediglich 14 Prozent zeigen sich pessimistisch oder verhalten pessimistisch.
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Für das kommende Jahr erwartet der Verband ein unverändert schwieriges Umfeld: Das Wachstum in China bleibt voraussichtlich schwach, der Krieg in der Ukraine bringt weiterhin hohe Energiepreise mit sich und nahezu weltweit antworten die Zentralbanken auf hohe Inflationsraten mit steigenden Zinsen. „Das wird die Weltwirtschaft und damit auch die Investitionsgüterindustrien auf absehbare Zeit belasten“, sagte Haeusgen. „Dennoch ist die Stimmung in vielen Ländern der Erde in den vergangenen Wochen nicht mehr so negativ gewesen, wie in den ersten Monaten nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Daher rechnen wir für 2023 nur mit einem leichten realen Produktionsminus von 2 Prozent. Das ist, gemessen an früheren Wachstumseinbußen, ein moderater Rückgang der Produktion und deutlich weniger als von vielen befürchtet“, betonte der VDMA- Präsident. Diese Einschätzung teilt er mit zahlreichen Unternehmern aus der Branche: Laut Umfrage schaut nahezu die Hälfte der Befragten (48 Prozent) optimistisch oder verhalten optimistisch ins neue Jahr. 38 Prozent sind unentschieden, lediglich 14 Prozent zeigen sich pessimistisch oder verhalten pessimistisch.

Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der Beschäftigungslage der Branche wider. Im September 2022 waren es 1,019 Millionen Menschen in den Stammbelegschaften (Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten) des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland - ein Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bleibt die Branche der größte industrielle Arbeitgeber im Land.

Preisbremsen für Energie: Zu komplex und bürokratisch

Die Risiken in der Energieversorgung hat der Maschinen- und Anlagenbau bisher gut gemeistert, „allerdings auch, weil eine Gasmangellage verhindert wurde“, sagte der VDMA-Präsident. „Energiekosten kommen in unserer Industrie vor allem durch energieintensiv hergestellte Vorprodukte an. Deshalb halten wir das Konzept der Preisbremsen für Strom, Gas und Fernwärme in dieser kritischen Zeit für sinnvoll. Es sollte entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirken.“ Insbesondere durch die europäischen Beihilferegelungen seien diese Preisbremsen nun aber zu komplex geworden. Erste Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau wollen trotz hoher Kosten davon absehen, die Hilfen in Anspruch zu nehmen, erläuterte Haeusgen. „Wenn man ein wirksames Instrument schaffen will, das nicht nur einen Rettungsschirm darstellt, dann muss es einfach und unbürokratisch sein“, forderte er.

Exportförderinstrumente erhalten und ausbauen

Die Volksrepublik China ist der zweitwichtigste Exportmarkt und ausländische Investitionsstandort für den Maschinenbau aus Deutschland. Doch die aggressive Wirtschaftspolitik der chinesischen Regierung stellt die mittelständische Industrie vor neue, große Herausforderungen. „China will sich wirtschaftlich weiterentwickeln und die Innovationskraft der eigenen Wirtschaft stärken. Dazu wird strategisch in das Wirtschaftsgeschehen eingegriffen, zum Nachteil ausländischer Unternehmen“, erläuterte Haeusgen. Deshalb sei es richtig und wichtig, dass die Bundesregierung nun eine Neubewertung des Verhältnisses zu China vornimmt und eine entsprechende Strategie erarbeitet. „Der Markt China ist aber kurz- und mittelfristig nicht ersetzbar und deshalb sollten die Exportförderinstrumente nicht abgebaut werden. Die Exporte nach China sorgen in Deutschland für gut bezahlte und hoch qualifizierte Arbeitsplätze“, mahnte der VDMA-Präsident. „Vielmehr kann die deutsche Politik mit ihren Förderinstrumenten helfen, neue Absatzmärkte zu erschließen. So brauchen wir zum Beispiel endlich ein funktionierendes Exportkreditversicherungssystem für kleine Auftragswerte.“

Zudem müsse die EU weitere Freihandelsabkommen mit Partnerländern in Asien abschließen und das Mercosur-Abkommen endlich umsetzen. „Darüber hinaus gilt es, den EU-Binnenmarkt vor unfairen Handelspraktiken aus Drittstaaten zu schützen, vor allem aus China. Dabei muss es aber immer eine Balance zwischen offensiven und defensiven Handelsinstrumenten geben. Eine „Festung Europa“ darf es nicht wieder geben!“, betonte Haeusgen.


  1. Die Bilanz des VDMA
  2. Inflation Reduction Act mit begrenzten Auswirkungen

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