Aveva World Summit 2019: Den digitalen Wandel gestalten

Welche Veränderungen bringt die Digitale Transformation für die Prozessindustrie und die hybriden Industriebranchen mit sich? Wie lässt sich der Wandel gestalten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des 'Aveva World Summit 2019'.

Aveva World Summit 2019 Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Rund 450 Teilnehmer folgten Mitte September der Einladung Avevas nach Singapur zum World Summit 2019. Das britische Software-Unternehmen wurde Anfang 2018 mehrheitlich vom Schneider-Electric-Konzern übernommen, der im Zuge des ‚Reverse Takeover‘ sein eigenes industrielles Softwaregeschäft in den Bereichen Analytics und Services an Aveva übertrug. Seither agieren die Briten als das neue ‚Software Competence Center‘ von Schneider.

Craig Hayman, CEO von Aveva Bildquelle: © Aveva

Aveva-CEO Craig Hayman: „Es war noch nie so einfach, den digitalen Veränderungsprozess zu starten!“

Die Zweitagesveranstaltung stand unter dem Leitmotto: ‚Accelerate Innovation and Transform Your Digital Future‘. Neben einer Reihe von Technologievorträgen seitens Aveva berichteten Partnerunternehmen und Kunden über ihre konkreten Erfahrungen, Problemstellungen sowie bereits erzielte Ergebnisse bei der Umsetzung der Digitalen Transformation – angefangen beim Transportwesen über den Schiffbau, die Öl- und Gas-Industrie bis hin zur Food&Beverage-Branche. Dabei wurde in nahezu allen Vorträgen klar: Viele Unternehmen sind bereits ansatzweise in Richtung Digitalisierung unterwegs und konnten schon erste Erfolge erzielen. Das Ziel erreicht haben hingegen die wenigsten.

Podiumsdiskussion Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Craig Resnick, Vice President von ARC, betont: „Der Weg zur Digitalen Transformation ist nie ein geradliniger!“

Auch könnte beziehungsweise sollte es schneller gehen: Denn während der Finanz-, Versicherungs-, Gesundheits- und Einzelhandelssektor das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und große Datenmengen rasch genutzt hätten, um den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden, sei die Industrie bei der Einführung neuer Technologien zuletzt langsamer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls die ARC Advisory Group (ARC). Deren Vice President Craig Resnick berichtete in Singapur über eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens, wonach heute nur 5 bis 8 % der Unternehmen in den genannten Branchen tatsächlich „ready for digital transformation“ seien. Noch immer gebe es Barrieren vor allem in den Bereichen organisatorische Verantwortlichkeit, Kultur und Mitarbeiterveränderungs-Management, die die Transformation behindern. Mit Nachdruck betonte Resnick daher im Rahmen der Konferenz: „Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Digitalisierung ist eine agile, digital versierte Führung, die eine strategische Vision darlegt und eine digitale Denkweise in der gesamten Belegschaft verankert.“ Entscheidend dabei sei: Man müsse auch Fehler zulassen beziehungsweise eine „tolerance of risk“  etablieren.

Davon, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich aktiv dem Wandel zu stellen, ist jedenfalls Aveva-CEO Craig Hayman überzeugt: „Es war noch nie so einfach, ein digitales Transformationsprogramm zu starten! Der Zugang zu Cloud Computing ist mittlerweile enorm günstig, die Konnektivität hervorragend und die Verbindungen von der Edge in die Unternehmensebene sind hergestellt. In Kombination mit leistungsfähigen Analytik-Lösungen sowie den Möglichkeiten des maschinellen Lernen lassen sich heute schon enorme Produktivitätssteigerungen in der industriellen Welt erschließen.“ Insbesondere das Thema Asset Performance Management habe sich in letzter Zeit sehr schnell entwickelt. Unternehmen sollten daher ihre Daten gezielt beispielsweise für die Simulation nutzen und letztlich einen durchgängigen, digitalen Zwilling über die komplette Wertschöpfungskette schaffen – vom Engineering über den Betrieb bis hin zur Wartung ihrer Anlagen.

Diskussionen auf der kongressbegleitenden Ausstellung Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Die kongressbegleitende Ausstellung bot reichlich Gelegenheit, ...

Aveva auf der messebegleitenden Ausstellung Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

... sich über neue Tools und Lösungen rund um Anlaytics & Services von Aveva selbst sowie von Partnerunternehmen zu informieren.

Unterstützen will Aveva die Unternehmen dabei unter anderem mit einer neuen integrierten Lösung für die Disziplinen Engineering, Beschaffung und Konstruktion, die im Rahmen der Veranstaltung gelauncht wurde und aus drei Software-Bausteinen besteht:

Das neue ‚Unified Engineering‘ soll die Integration der Projektlaufzeiten von Prozess- und Anlagenmodellen vom Konzept bis zur Detailkonstruktion ermöglichen und Ingenieure verschiedener Disziplinen in die Lage versetzen, in der Cloud reibungslos zusammenzuarbeiten. Aveva stellt den Anwendern damit eine Steigerung der technischen Effizienz um mindestens 50 % im ‚Front End Engineering Design‘ sowie um 30 % in der Detailkonstruktion in Aussicht.

Mit den ‚Unified Project Execution‘-Lösungen, die sich in Unified Engineering integrieren, sollen sich Daten-Brüche innerhalb der Beschaffungskette weiter auflösen lassen, indem sie die Schlüsseldisziplinen Vertrags-Risikomanagement, Material- und Lieferkettenkontrolle sowie Baumanagement in einer cloudbasierten digitalen Projektumgebung zusammenführen. Der versprochene Nutzen: Reduzierung der Materialkosten um bis zu 15 %, 10 % geringere Arbeitskosten im Feld und eine Halbierung ungeplanter Änderungsanforderungen.

Die ‚Enterprise Learning‘-Lösungen schließlich sollen Bediener und Ingenieure unter Einsatz von Extended Reality (XR) beziehungsweise simulationsbasierten 3D- Lernlösungen dazu befähigen, Anlagen effizienter an- beziehungsweise herunterzufahren sowie besser mit außergewöhnlichen Situationen umzugehen.

Craig Hayman bringt den Nutzen des neuen Ansatzes auf den Punkt: „Mit der Einführung von Unified Engineering lösen wir funktionale Silos in den technischen Disziplinen auf. Dies ermöglicht es unseren Kunden, Konzeptentwürfe schnell als 3D-Modelle umzusetzen und stellt sicher, dass angedachte Projekte tatsächlich umsetzbar sind, bevor unzählige Dollar investiert werden.“