Cloud-Technologien: Das Projekt GAIA-X

GAIA-X ist gestartet! Das war die Botschaft auf dem Digitalgipfel am 29. Oktober in Dortmund. Ziel des Digital-Großprojektes ist der Aufbau einer europäischen Cloud zur sicheren Digitalisierung und Vernetzung der Industrie.

Cloud für den Maschinenbau Bildquelle: © Fotolia / Kalinovsky Dmitry / Aleksandr Bedrin

Kann GAIA-X zum Grundstein einer europäischen Dateninfrastruktur der nächsten Generation werden?

Was steckt hinter GAIA-X? Vertreter der deutschen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft wollen gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern die nächste Generation einer Dateninfrastruktur für Europa schaffen: Eine sichere und vernetzte Dateninfrastruktur, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert. Das Projekt dient als Wiege eines offenen und transparenten digitalen Ökosystems, in dem Daten und Dienste verfügbar gemacht, zusammengeführt und vertrauensvoll geteilt werden können. – So der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie formulierte Anspruch des Projektes.

Ziel ist die Vernetzung dezentraler Infrastrukturdienste zu einem homogenen, nutzerfreundlichen System. Die daraus entstehende Dateninfrastruktur soll sowohl die digitale Souveränität der Kunden von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit und Wettbewerbsposition europäischer Cloud-Anbieter stärken.

Aber kann ein solches Projekt wirklich eine Cloud-Infrastruktur schaffen, die den etablierten Cloud-Plattformen marktbeherrschender Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google Paroli bieten kann?  Auf den ersten Blick vermittelt GAIA-X eher den Eindruck eines bürokratischen, politisch motivierten Forschungsmonsters.  

Die Vorarbeiten

Bei näherer Betrachtung wird allerdings eine langfristige und bodenständige Struktur des Projektes sichtbar. So unterstützt nicht nur der Verband der Internetwirtschaft  eco mit seinen über 1100 Mitgliedsfirmen die GAIA-X Bestrebungen. Sondern was mindestens genauso zählt: Sowohl die Plattform Industrie 4.0 als auch die International Data Spaces Association haben schon wichtige Vorarbeit geleistet. So bietet die International Data Spaces Association bereits eine von über 100 Partnern getragene Referenzarchitektur an, die ein Ökosystem für den souveränen Austausch von Daten mit klar definierten Nutzungsrechten ermöglicht und damit eine Komponente der von  GAIA-X angestrebten vernetzten, offenen Dateninfrastruktur beschreibt. Die Referenzarchitektur definiert eine technische Infrastruktur und ein semantisches Regelwerk für den Datenaustausch und die Datennutzung in Ökosystemen. Technisch unterbindet bzw. erlaubt eine Software-Komponente, der IDS Connector, Datenverknüpfungen und -analysen zwischen verschiedenen Mitgliedern eines Ökosystems. Damit lassen sich bestehende und neue Cloud-Dienste in eine interoperable Digitalwirtschaft unter Wahrung der Datensouveränität einbetten.

Die Umsetzung

Erste Firmen haben sich bereits den GAIA-X Spirit auf die Fahnen geschrieben und agieren entsprechend. Plakatives Beispiel: Die Friedhelm Loh Group. Der Inhaber und Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Friedhelm Loh selbst ist einer der maßgeblichen Akteure, der das Großprojekt mit ins Leben gerufen hat.  Mit den Firmen Rittal, German Edge Cloud und IoTOS aus dem eigenen Firmenverbund treibt er die GAIA-X-Idee voran.

So stellten die drei Friedhelm Loh Firmen gemeinsam mit Bosch Connected Industry am 16. Oktober die skalierbare Edge-Cloud-Lösung Oncite vor. Kunden sollen damit vorhandene Produktionsdaten besser in digitale Wertschöpfung ummünzen können. Die echtzeitfähige Lösung basiert auf einem skalierbaren Edge-Cloud-Rechenzentrum, das vor Ort beim Anwender in der Fabrik steht. Die Daten werden daher zeit- und ortsnah erfasst, gespeichert, verarbeitet und ausgewertet. Dadurch, dass alle gesammelten Daten vor Ort bleiben, behält der Anwender die volle Kontrolle und entscheidet selbst, ob und wie er die verarbeiteten Daten an andere digitale Produktionsplattformen von OEMs oder Top Tier Suppliern übermittelt. Die Datenhaltung und der Austausch produktionsrelevanter Informationen mit Kunden und Lieferanten kann über IoT-Plattformen wie SupplyOn oder Mindsphere von Siemens unter Erhalt der Datensouveränität erfolgen.