Kontron: Die Edge-Plattform

Anfang des Jahres präsentierte Kontron die Software-Plattform für Edge-Anwendungen 'Susietec'. Sie soll die bisherigen Grenzen zwischen Datenerzeugung, Datenverarbeitung und Datenbereitstellung aufheben, wie Laurent Remont, CTO von Kontron S&T AG erläutert.

Laurent Remont, CTO von Kontron und S&T Bildquelle: © Kontron

Laurent Remont: "'Susietec' ist das Bindeglied zwischen Endgeräten, Edge-Devices, Steuerungsrechnern und Clouds."

Herr Remont, was steckt hinter ‚Susietec‘?

Laurent Remont: Mit unserem IoT-Software-Framework managen wir die anfallenden Daten von Ihrer Entstehung bis zu ihrer Speicherung für langfristige historische Analysen in der Cloud. ‚Susietec‘ übernimmt dabei auch die Verarbeitung, das Filtern und Speichern sensibler und zeitkritischen Daten vor Ort sowie deren Weiterleitung. Durch diese Vorverarbeitung reduziert sich die Datenmenge, die in die Public Cloud weitergeleitet werden muss.

Die Lösung ist als Framework mit vielen eigenen und 3rd-Party-Komponenten zu verstehen; wobei für jeden Anwender die benötigen Elemente individuell zusammengefügt werden.

Wie sieht dabei die Zusammenarbeit mit Microsoft aus?

Laurent Remont: Susietec arbeitet nahtlos mit Microsoft-IoT-Edge zusammen, was die Nutzung von Microsoft Azure als Public-Cloud-Lösung ermöglicht. Dabei spielen im Idealfall auch Microsoft-Azure-zertifizierte Produkte von Kontron für das IoT eine Rolle, aber auch die Rechenzentren unseres Mutterkonzerns S&T, etwa wenn Kunden ganz oder in Teilen eine Private-Cloud-Lösung wünschen.

In der IoT- beziehungsweise Industrie-4.0-Welt gibt es eigentlich kein Unternehmen mehr, das die alleinige Lösungskompetenz hat. Partnerschaften und Zusammenarbeit sind deshalb enorm wichtig; auch die eine Cloud wird es nicht mehr geben, der Trend geht ganz klar zu Multi-Clouds.

Was unterscheidet die Edge-Lösung von herkömmlichen Cloud-Lösungen?

Laurent Remont: Eine Public-Cloud-Lösung bedingt eine ständige Online-Verbindung und hohe Bandbreiten. Selbst eine Private Cloud im eigenen Rechenzentrum hat dieses Manko, wenn auch nicht in dem Maße. Aktuelle Cloud-Konzepte, insbesondere, wenn von der Steuerung von Maschinen die Rede ist, sehen deshalb vor, nicht alle Daten in eine weit entfernte Cloud zu transportieren, sie dort zu verarbeiten und dann die ermittelten Parameter wieder zurückzuspielen. Stattdessen sollen die Daten dort verarbeitet werden, wo sie benötigt werden und erst später und nicht im vollen Umfang in die Cloud wandern.

Am Edge, dem Rande des Netzwerks, also am Übergang zu den Maschinen, sind das die sogenannten Edge-Computer. Sie verfügen mittlerweile über so viel Prozessor-Power und Speicherkapazität, dass sie für standardisierte, schnelle Auswertungen von Maschinendaten geeignet sind. Mittels Susietec werden dann nur die Daten an eine Embedded-, Public- oder Private-Cloud weitergereicht, die dort benötigt werden.

Was sind die bisherigen Erfahrungen bei ‚Susietec‘-Projekten?

Laurent Remont: Die Software-Plattform ist seit dem 2. Quartal 2018 produktiv verfügbar und bereits bei zahlreichen Industrieanwendern im Pilotbetrieb. Die unterschiedlichen Anforderungen von IoT- und Industrie-4.0-Projekten bringen es mit sich, dass entsprechend viel Vorarbeit, Consulting- und Implementierungs-Aufwand notwendig ist. Neben der technologischen Veränderung sind hier noch andere Change-Aufgaben in Organisationen zu leisten.

Was sind weitere Highlights des diesjährigen Kontron-Stands?

Laurent Remont: Dazu gehören ein SMARC-Modul mit dem neuesten NXP-Layerscape-LS1028-Multicore-Prozessor und bis zu fünf GB-Ethernetports für Time Sensitive Networking – kurz TSN. Zudem stellt Kontron ein SBC Development Board mit Raspberry Pi und zahlreichen Schnittstellen für typische Industrieanwendungen vor.