Nachgehakt bei Karsten Schweichhart: Der Daten-Marktplatz der Telekom

Die Telekom startet im September einen Marktplatz für Daten und Analytics. Zu den Hintergründen und der Ausgestaltung der Plattform bezieht Dr. Karsten Schweichhart Stellung.

Dr. Schweichhart, Telekom Bildquelle: © Deutsche Telekom

Dr. Karsten Schweichhardt

Business Analytics Consultant bei IT-systems international

Herr Dr. Schweichhart, was ist Ziel Ihres Daten-Marktplatzes? 
Dr. Schweichhart: Wir wollen mit unserem Data Intelligence Hub – wie der Marktplatz heißen soll – eine verlässliche Infrastruktur für den Datenhandel entlang der gesamten Datenwertschöpfungskette anbieten. Und das auf Grundlage der hohen Datenschutzstandards der Datenschutz-Grundverordnung.

Wie wird der ‚Data Intelligence Hub‘ konkret aufgebaut sein?
Der Hub fokussiert auf B2B-Beziehungen und bietet drei Arten von Serviceleistungen direkt aus der Cloud heraus an. Erstens: Den Markplatz als Datenhandelsplatz. Er ist offen für jeden Anbieter und jeden Nachfrager. Zweitens ist eine Art ‚Werkstatt für Künstliche Intelligenz‘ in der Cloud direkt angeschlossen. Wie eine Leihwerkstatt ist sie schon mit Werkzeugen und Maschinen ausgestattet, sodass die Nutzer hier sofort eigene und zugekaufte Daten verarbeiten können. Und drittens steht mit Algorithmen, Services und Skills ein Angebot an Analytics-Insights bereit, die Unternehmen als fliegenden Start für ihre Problemstellungen nutzen können.

Um von Analytics profitieren zu können – etwa in puncto Machine Learning – müssen die Beteiligten bereit sein, ihre Daten in der Community auch zu teilen?
Ja, das ist ein Problem, weil bis dato viele wertvolle Daten der Industrie eben nicht verfügbar gemacht werden, sondern als ungenutzter Rohstoff in privaten Clouds oder unternehmensinternen ‚Datentresoren‘ dahindarben. Aber genau für dieses Problem ist der Hub die Antwort: Wir als Marktplatzbetreiber tasten die Daten selber nicht an, wir nutzen sie nicht, speichern sie nicht, analysieren sie nicht. Sie bleiben privat zwischen Anbieter und Nachfrager. Mit der Sicherheitsstufe ‚Datensouveränitäts-Connector‘ können anbietende Unternehmen genau kontrollieren, wer die Daten wie lange nutzen darf. 

Wie sieht ihr konkretes Geschäftsmodell mit dem neuen Datenmarktplatz aus? 
Wir sind der Marktplatzanbieter, der verlässlich für Sicherheit, Identifikation der Teilnehmer und den geregelten Ablauf innerhalb der Markplatzregeln sorgt. Dafür erheben wir ein Nutzungsentgelt von den Anbietern, den Einkäufern und von den Werkstattnutzern. Unser Angebot zielt insbesondere auf Firmen, die viele Daten besitzen und sie monetarisieren oder tauschen möchten sowie auf Unternehmen, die für ihre Geschäftsmodelle und Algorithmen ‚fremde‘ Daten brauchen. Dabei möchten wir besonders den Mittelstand unterstützen, den Schritt in Richtung KI und Algorithmen schnell und unkompliziert zu gehen. Deshalb bieten wir eben as a service eine komplette Entwicklungsumgebung für Data Scientists. Interessant daran ist der branchenübergreifende Ansatz des Hub. 

Das Preisgefüge ist in Entwicklung. Es wird auch ‚freemium‘-Pakete geben, um kostenlos über den Mark zu schlendern oder ein Tool auszuprobieren. Weitere Nutzungspakete gehen bis hin zum großen Enterprise-Paket. Einige Städte denken daran, ihre Open-Source-Daten über den Hub bereitzustellen. Ein solches ‚Opensourceportal-Paket‘ wird bei monatlichen Kosten im sehr niedrigen vierstelligen Bereich liegen.

Zum Thema Analytics: Werden Sie eigene Tools anbieten oder auf Partner setzen? 
Lösungen und Services werden von der Telekom selbst angeboten, aber wir setzen hier auch stark auf Allianzen und Partnerschaften mit Branchenexperten, gerade auch im Bereich für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz. Die Tools und Lösungen werden integriert in unserer ‚Leihwerkstatt‘ bereitgestellt. Mit R-Studio, Jupiter oder Cloudera sind von Anfang an bereits eine ganze Reihe von Tools etablierter Anbieter eingebunden, dazu kommen fast 100 weitere Libraries.

Haben Sie bereits Partner, die ab September ihre Daten über den Marktplatz anbieten?  
Wir starten mit einer interessanten Erstbefüllung an Daten. Zum einen haben wir umfangreiche Open-Data-Datensätze verfügbar, die sich bei uns gezielt recherchieren lassen. Zum anderen werden wir eigene wertvolle Daten über diesen Kanal anbieten, wie etwa Daten unserer Tochterfirma Motionlogic, die sich auf die Analyse anonymisierter Mobilfunkdaten spezialisiert hat. Aber auch die Verhandlung mit weiteren Datenanbieter laufen gut.