Nachgehakt bei Otto Schell: Intelligenz für das ERP

Seit 2017 bietet SAP mit Leonardo im Rahmen der Digitalisierungsstrategie Technologien an, um Industrie 4.0- sowie IoT-Anwendungen umzusetzen. Was dahinter steckt und warum es bis dato an Bekanntheit mangelt, erläutert Otto Schell.

Otto Schell, DSAG Bildquelle: © DSAG

Otto Schell ist Vorstand IoT/Business Transformation bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG).

Herr Schell, was genau ist SAP Leonardo?

Otto Schell: SAP Leonardo vereinigt unter anderem Technologien wie Machine Learning, Internet of Things oder Blockchain, die in Verbindung mit End-to-End-Prozessen und Daten, digitale Prozesse zum Beispiel im Finanzbereich oder in der Supply Chain bieten, oder Themen wie den digitalen ­Zwilling adressieren. 
Damit erweitert sich das Nutzen-Potenzial über die klassischen SAP-Plattformen sinnvoll hinaus in Cloud-Plattformen. Damit wird das intelligente ERP für die differenzierenden Prozesse ermöglicht. Das soll den Unternehmen helfen, die Digitalisierung - insbesondere wenn es um neue Geschäftsmodelle geht - möglichst einfach zu realisieren.

Was meinen Sie mit genau mit der Erweiterung von klassischen ERP-Systemen in die Cloud-Welt?

Otto Schell: SAP Leonardo besteht erstens aus vorgedachten und adaptierten Applikationen, die schon über das Stadium von Use-Cases hinausgehen. Zweitens bietet die SAP Cloud-Plattform die Grundlage, um Technologien wie Blockchain und Machine Learning bereitzustellen. Drittens wird das Ganze komplettiert durch das Angebot an verschiedenen Services wie Innovations-Coaching und Design Thinking. 
Mit diesen möchte SAP methodisch helfen, Verbesserungen zu identifizieren und in Pilotprojekten neue Lösungen umzusetzen. Unternehmen, die beginnen, die Potenziale von beispielsweise über Blockchain verbundenen Geschäftsmodelle zu verstehen, erreichen eine neue Welt der Geschäftsmodelle.

Für wen ist SAP Leonardo interessant?

Beispielsweise für Anbieter, die ihren Schwerpunkt auf Hardware-Lösungen setzen aber auch Software anbieten. Denn es ermöglicht, Produkte digital mit Services zu erweitern und so die digitale Transformation voranzutreiben. Diese Services kann der Anwender dann in seine Anwendungssysteme ­integrieren. Durch die neuen Technologien wie das IoT, Blockchain, Machine Learning, Data Analytics und API-basierte Services lassen sich beispielsweise bestehende interne Geschäftsprozesse über Prozess- und Unternehmensgrenzen hinaus zum Kunden und zum IoT hin erweitern und inte­grieren.

Der DSAG-Investitionsreport 2018 machte deutlich, dass SAP Leonardo in Sachen Bekanntheit noch zulegen sollte. Woran liegt die fehlende Bekanntheit?

Otto Schell: Ein Unternehmen kauft keine Technologie, weil sie sich toll anhört. Sie muss auch einen Geschäftsvorteil bieten und ­wirtschaftlich attraktiv sein. SAP hat die Plattform aber an­fänglich nicht eindeutig beschrieben und erläutert erst jetzt die konkreten Anwendungsszenarien. Vielen Unternehmen fehlte es bisher noch an Ideen und konkreten Vorstellungen oder sie waren zu sehr in alten Denkmustern des klassischen Release-Wechsels verhaftet. Die DSAG-Mitglieder müssen sich daher der Anwendungsdiskussion stellen und hier ­unterstützen wir.

Wie schnell wird SAP Leonardo in den Unternehmen ankommen?

Otto Schell: Das hängt letztendlich auch davon ab, ob die Unternehmen sich der Geschäftsprozess-Veränderung und den neuen Möglichkeiten stellen. Eine Blaupause unter dem Gesichtspunkt Machine-Learning-unterstützter Prozesse oder mit Partnern aus dem Geschäftsumfeld anzugehen, um die neuen Potenziale auszuschöpfen, wäre ein erster Schritt. Auch wenn das dazu führt, laufende Projekte neu zu denken.

Was meinen Sie damit konkret?

Otto Schell: Anwender sollten neue Denkmuster zu Prozessen, Daten und Werten angehen. Es geht nicht mehr um die traditionelle Optimierung im eigenen Unternehmen, sondern um die Nutzung von Netzwerken. Konkret geht es darum, die enge Einbindung von Produkt/Service und Konsument auf eine bisher nicht gedachte Ebene zu heben und daneben eine neue Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine aufzubauen. Nur eine komplette Vernetzung aller Komponenten untereinander sorgt dafür, dass Abläufe automatisiert erfolgen können.