Assisted Reality: Edge Computing trifft Datenbrille

Ein mobiler Edge-Computing-PC kombiniert mit einer Datenbrille: Mit dieser Assisted-Reality-Lösung will Toshiba in den Markt für Industrie 4.0 einsteigen, wie Jörg Schmidt, Head of B2B PC DACH von Toshiba Europe erläutert.

Jörg Schmidt von Toshiba Europe Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Jörg Schmidt bei der Präsentation der Assisted-Reality-Lösung, die mobiles Edge-Computing und Smart Glasses vereint.

Herr Schmidt, aus welcher Motivation heraus ist die mobile Edge-PC-Lösung mit Assisted-Reality-Smart-Glasses entstanden?

Jörg Schmidt: Unsere Motivation zur Entwicklung des Dynaedge war neben der Möglichkeit zur Produktivitätssteigerung vom deutlichen Bedarf am Markt geprägt. Verfügbare Assisted-Reality-Lösungen gab es bislang ausschließlich auf Basis von Android. Eine Windows-basierte Lösung wie unsere gab es zuvor schlichtweg nicht, obwohl diese zahlreiche Vorteile bietet. Zudem sehen wir in der bestehenden Servicelandschaft für Nutzer von Wearable-Lösungen im Business-Bereich die Möglichkeit, als langjähriger Anbieter von Lösungen im B2B-IT-Markt punkten zu können.

Wie unterscheidet sich Assisted-Reality von Augmented-Reality? 

Jörg Schmidt: Durch den Einsatz des Dynaedge mit Datenbrille werden Mitarbeiter im Einsatz vor Ort unterstützt. Sie können via Assisted Reality jederzeit Informationen und Daten abrufen, die ihnen den auszuführenden Prozess erleichtern. Die Sicht des Nutzers auf die vorliegende Arbeitssituation wird so bei Bedarf durch eingeblendete Informationen ergänzt, nicht aber überlagert wie bei Augmented Reality oder gar ersetzt wie bei Virtual Reality. ­Deswegen sprechen wir von Assisted Reality. 

Was steckt technologisch hinter dem Edge-Computer Dynaedge DE-100? 

Jörg Schmidt: Bei dem Gerät handelt es sich um einen leichten, portablen und smarten Edge-Computing-PC, der mit einem Intel-Core-vPro-Prozessor der sechsten Generation die volle Leistung eines Standardrechners bietet. Ausgestattet mit Windows 10 Pro und Windows 10 IoT ist auch eine Integration in vorhandene IT-Infrastrukturen einfach. Gleichzeitig profitieren Anwender von der Unterstützung und den Sicherheitsfunktionen, die Microsoft mit regelmäßigen Updates bietet. Der in­tegrierte Akku ermöglicht eine Laufzeit von bis zu 6,5 Stunden und ist zudem auswechselbar. Dank optionalem Zweit-Akku können Mitarbeiter, falls nötig, einen kompletten Arbeitstag lang unterwegs oder beim Einsatz vor Ort ohne externe Stromzufuhr arbeiten. 

Der Dynaedge verfügt über hochleistungsfähige Komponenten, die auf kleinstem Raum verbaut sind. Deshalb eignet sich der PC ideal für Edge-Anwendungen. Zudem ist das Gerät nach den strengen Richtlinien des MIL-STD-810G Testverfahrens geprüft und wurde dem Highly-Accelerated-Life-Test-Verfahren des TÜV Rheinland unterzogen. So können wir auch am Rande des Netzwerks größtmöglichen Datenschutz bieten. 

Was bietet die Datenbrille AR100 Viewer? 

Jörg Schmidt: Durch neueste Wi-Fi- und Bluetooth-Technologien gewährleistet die Datenbrille zusammen mit dem Edge-Computer DE-100 eine ungehinderte, freihändige Konnektivität – etwa zum Unternehmensnetzwerk oder um Daten zu senden und zu empfangen, Live-Videos zu übertragen oder Güter nachzuverfolgen. Die benötigten Informationen erscheinen auf dem Display der monokularen Datenbrille. Da sich der Screen nicht permanent im Sichtfeld des Nutzers befindet, kann er bei Bedarf zur Rate gezogen werden, stört aber sonst nicht den freien Blick. Zudem ist der Viewer mit einer Vielzahl an Rahmen erhältlich und so individuell für Arbeitsform und -umgebung konfigurierbar – vom üblichen Brillengestell für den Standardgebrauch über die Befestigung am Gummiband mit besonders viel Bewegungsfreiheit bis hin zur Schutzhelmbefestigung ist alles möglich. 

Was unterscheidet die neue Assisted-Reality-Lösungen von anderen?

Jörg Schmidt: Es gibt bereits sehr gute Assisted-Reality-Lösungen auf dem Markt. Trotzdem haben wir für uns eine Nische erkannt: Sind bisherige Lösungen Android-basiert, so haben wir uns für eine Windows-Lösung entschieden. Mit über 30 Jahren Erfahrung im PC-Markt wissen wir, was Business-Nutzern an ihrem PC wichtig ist – unabhängig davon, ob es sich um einen Desktop-PC, ein Notebook oder einen Mini-PC handelt. Eines der wichtigsten Entscheidungskriterien ist die mühelose Integration in die bestehende IT-Landschaft. Dieser Anforderung tragen wir mit unserem Windows-10-Pro- beziehungsweise Windows-10-IoT-basierten System Rechnung. 

Ein Aspekt, der uns bei der Entwicklung ebenfalls sehr am Herzen lag, ist die Platzierung der Bluetooth- und WLAN-Schnittstellen im Gerät, das am Gürtel getragen wird, statt in der Datenbrille selbst. Die im Viewer verbauten Sensoren wie Accelerometer, Ambient Light Sensor – kurz ALS – oder Gyroscope lassen sich per Knopfdruck abschalten, sobald sie nicht benötigt werden. Dadurch haben Mitarbeiter keine unnötige Strahlung in Kopfnähe zu befürchten. 

Was steuert die Ubimax-Partnerschaft – jetzt und in Zukunft – zur Lösung bei?

Jörg Schmidt: Ubimax steuert seine AR-Plattform Frontline für eine unkomplizierte Kommunikation über den Dynaedge-PC bei. In Zukunft planen wir, weitere Software-Lösungen auf den Markt zu bringen. 

Für welche anderen Anwendungen ist der mobile Edge-Computer darüber hinaus ­geeignet? 

Jörg Schmidt: Im Moment sehen wir das größte Potenzial in der Industrie, im Bereich Wartung sowie bei der industriellen Produktion. Prinzipiell kann der Rechner aber überall dort sinnvoll zum Einsatz kommen, wo Daten mobil gesammelt und verarbeitet werden müssen und wo zudem keine permanente Stromversorgung gewährleistet ist. 

In Zukunft ist ein mögliches Einsatz-Szenario beispielsweise die Wartung von Hochspannungsleitungen. Mittlerweile ist es bereits gang und gäbe, dass Leitungen in unzugänglichen Gebieten mit Drohnen abgeflogen werden, um eventuelle Schäden frühzeitig zu erkennen. Die Flugobjekte sammeln dabei riesige Datenmengen, die dann zur Auswertung an einen Server übermittelt werden. Der nur knapp über 300 Gramm leichte Dynaedge-Rechner könnte hier zur Anwendung gebracht werden. Auf der Drohne montiert, fliegt der smarte Edge-Computing-PC mit und speichert die Daten nicht nur, sondern kann sie auch gleich direkt im PC verarbeiten. Das Herausfiltern irrelevanter Daten sowie die Durchführung von Berechnungen und Analysen am Rande des Netzwerks schlägt sich in geringeren Datenübertragungsmengen nieder. Unternehmen profitieren dadurch von signifikanten Kosteneinsparungen und einem deutlich reduzierten Sicherheitsrisiko.

Sind in Zukunft weitere Industrie-4.0-Produkte von Toshiba zu erwarten? 

Jörg Schmidt: Wir sehen diese Markteinführung als Startschuss, mit dem wir uns als Toshiba Europe in einem ganz neuen Feld positionieren können. Wir haben die Absicht, zukünftig im Bereich Industrie 4.0 weitere Neuerungen auf den Markt zu bringen. Dabei ist es unser Ziel, den Einsatz von Wearables in der Industrie maßgeblich zu erhöhen.