Nachgehakt bei Michael Finkler: Die Smart Electronic Factory

Durch den Industrie-4.0-Hype bedingt, entstehen in Deutschland eine Menge Smart-Factory-Initiativen. Was das Besondere an der Smart Electronic Factory ist und welche Rolle sie einnimmt, erläutert Michael Finkler, Geschäftsführer Business Development bei Proalpha.

Michael Finkler, Geschäftsführer Business Development bei Proalpha Bildquelle: © Proalpha

"Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Industrie-4.0-Lösungen für den Mittelstand.", so Michael Finkler, Geschäftsführer Business Development bei Proalpha.

Herr Finkler, aus welcher Motivation heraus entstand das Projekt Smart Electronic Factory?
Der EMS-Dienstleiter Limtronik und der MES-Hersteller Itac haben die Smart Electronic Factory – kurz SEF – im Jahr 2014 initiiert. Ziel war es, die gemeinsamen Aktivitäten im Bereich Industrie 4.0 in einer übergreifenden Initiative zu bündeln und Lösungen zu entwickeln. Diese sollten in der realen Fabrik von Limtronik ­evaluiert, ausgearbeitet und getestet werden. Ein Hauptgrund dafür war der fehlende Praxisbezug in anderen Initiativen.

Wie hat sich das Projekt entwickelt?
Aufgrund zusätzlicher Aufgabenstellungen und zum Zweck einer höheren Präsenz im Industrie-4.0-Umfeld gründeten im Oktober 2015 sieben Mitglieder, darunter Proalpha, den Smart Electronic Factory e.V. als Verein und als Informations- und Demonstrationsplattform in einer realen Elektronikfabrik.
Der Erfolg zeigt sich unter anderem darin, dass sich die SEF als eine zentrale Industrie-4.0-Initiative auf der Landkarte des BMWi wiederfindet.

Welche Besonderheiten gibt es in der Elektronik­industrie?
Da die Margen in diesem Geschäft gering sind, müssen die Maschinen so effizient wie möglich laufen und die Logistik­prozesse hochautomatisiert gestaltet sein. Auch müssen sich Wartungen auf Basis von Qualitätsereignissen rechtzeitig anstoßen lassen. Das ist nur mit ver­netzten Maschinen und Prozessen sowie gut ausgebildetem Personal und innovativen Zulieferern umsetzbar. Darüber ­hinaus existieren in der Elektronikindustrie weitere Besonderheiten wie die Verwaltung  von Ein-/Auslaufsteuerung, Behälterverwaltung, Elektrostücklisten, Edelmetall­zuschläge, Präferenznachweise oder Plattformintegrationen. Speziell bei Limtronik gilt die Anforderung, dass sich alle Prozesse dokumentieren lassen müssen und reproduzierbar gehalten sein sollen.
Die Mitgliedschaft in der Initiative ist jedoch offen für Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen. Neben dem Maschinenhersteller Asys fanden beispielsweise auch Konzerne wie Bosch Rexroth und die Dürr Group den Weg in den Smart Elec­tronic Factory e.V.. Auch die Marktseite kommt dabei nicht zu kurz. So moderiert etwa die Unternehmensberatung Unity das wichtige Thema der neuen ­Geschäftsmodelle.

Wie grenzt sich die ‚Smart Electronic Factory‘ zu anderen Projekten wie etwa der ‚Smart Factory KL‘ ab?
Fast alle bis dahin existierenden Konzepte und Ideen verfolgten einen primär universi­tären Ansatz, wodurch es an konkreten Lösungen mangelte. Im Gegensatz zu ähnlichen Initiativen zeigen wir in einer real produzierenden Fabrik auf, was heute bereits möglich ist. Von Anfang an standen alle Lösungen unter einer starken Kosten-Nutzen-Betrachtung – Wirtschaftlichkeit war ein Muss. Bisher hat der Verein keine Förderung in Anspruch genommen. In dieser besonderen Konstellation einer Demonstrationsplattform innerhalb einer realen Fabrik sind Engagement und Motivation der Mitglieder besonders hoch, um die SEF-Projekte erfolgreich umzusetzen. Neue Ideen, Programme und Anlagen können wir im realen Betrieb erproben. Jedes Szenario, das von den Vereinsmitgliedern forciert wird, muss sich im Praxisbetrieb bei den Technikern und Ingenieuren der Fabrik beweisen. So entstehen praxistaugliche und profitable Lösungen.

Welche Rolle nimmt Proalpha ein?
Proalpha übernimmt eine wesentliche Rolle innerhalb der realen Demonstrationsfabrik. Mit seinem ERP-System wird die möglichst automatisierte Abbildung eines Großteils der horizon­talen und vertikalen Geschäftsprozesse gewährleistet, einschließlich der Finanzbuchhaltung und des Controllings. Darüber hinaus werden die unternehmensübergreifenden Prozesse zu Kunden und Lieferanten ermöglicht. Durch die Integration zum MES-System von ITac, das Produktionssteuerung sowie Traceability sicherstellt, besteht eine lückenlose vertikale Integration.

Was ist für die Zukunft geplant?
Die nächsten Schritte sehen Themen wie Predictive Maintenance, Anbindungen an Geschäftsplattformen, die verstärkte Nutzung von Smart-Data- beziehungsweise KI-Systemen vor sowie die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.