IoT-Gerangel: Das IIC in der Kritik

Stefan Hoppe, Vicepresident der OPC Foundation, vertritt mit OPC UA einen Standard, der für die Plattform Industrie 4.0 gesetzt ist. Wie sieht er das Verhältnis der Plattform Industrie 4.0 zum ­Industrial Internet Consortium? Und: In welchem Verhältnis stehen die beiden Standards OPC UA und DDS zueinander? Im Interview bezieht Stefan Hoppe Position.

Stefan Hoppe, Vicepresident der OPC Foundation Bildquelle: © OPC Foundation

Herr Hoppe, die Object Management Group – die Mutterorganisation des IIC – hielt im Juni ein  einwöchiges Technical Meeting in Berlin ab. Die OPC Foundation war vor Ort. Welchen Eindruck haben Ihre Kollegen mitgenommen?

Zunächst zur Klarstellung: Die OPC Foundation hat sich in einem  Nebenraum mit Technikern der OMG zum Thema ‚Anbindung der DDS-Welt an den IEC-Weltstandard OPC UA‘  getroffen. Und nun zu Ihrer Frage: Wenn das IIC erkannt hat, dass wir in Deutschland technologisch führen und darum das IIC sein Event hier abhält, dann können wir einen Moment lang stolz sein!

Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte das Industrial Internet Consortium (IIC) eine Referenzarchitektur für das Internet der Dinge vor. Was halten Sie von der Architektur und wie sehen Sie diese im Vergleich zur Referenzarchitektur RAMI der Plattform Industrie 4.0?

Ich habe den Eindruck, dass das IIC-Papier unter großem Zeitdruck geschrieben wurde und eigentlich eher auflistet, was die Anforderungen sind. Etwa: Was muss alles bei Security berücksichtigt werden?  Oder: Es gibt fünf Protokolle, die man näher untersuchen müsste!

Das Papier RAMI 4.0 ist da weiter: Neben den Modellen im ersten Teil des Papiers sind im zweiten Teil ganz konkrete Technologien zur Umsetzung genannt – unter anderem  OPC UA als IEC-62541-Norm für den Communication Layer. Wir müssen uns also mit RAMI 4.0 nicht verstecken!

Das IIC legt ja, wie Richard Soley im Interview [1] erläutert, vor allem Wert auf Testbeds, Testbeds und Testbeds …

... und ich frage mich immer, warum hierzulande so wenig  gefragt wird, was daran neu ist. Testbeds sind doch nichts anderes als das, was wir hierzulande unter Use Cases definieren: anwendungsbezogene und firmengetriebene Lösungen. Im Spitzencluster 'it’s OWL' beispielsweise  arbeiten über 125 Firmen,  sechs Hochschulen und 18 Forschungseinrichtungen sowie 30 wirtschaftsnahe Organisationen an konkreten 33 Innovationsprojekten. Und die OPC Foundation im konkreten hat die Anforderungen an industrielle Kommunikation mit seinen 450 weltweiten Mitgliedern in den Jahren 2001 – 2005 in Use Cases gesammelt und mit OPC UA bereits im Jahr 2007 umgesetzt.

Gehen wir etwas stärker in die technischen Details: Das IIC favorisiert als Kommunikationsstandard die aus der IT kommende Networking Middleware DDS und nicht OPC UA wie etwa die Plattform Industrie 4.0 . Wie erklären Sie sich das?

Zunächst muss man verstehen, dass das IIC nicht neutral ist: Es wird von der OMG gesteuert;  das DDS wird ebenso von der OMG gesteuert. Deshalb eine Gegenfrage: Ist diese Frage wirklich ernst gemeint?

O.K., lassen Sie mich anders fragen: Wo genau liegen die technischen Unterschiede zwischen OPC UA und DDS?

Der Fokus bei DDS lag ­darauf, ein schnelles Protokoll zu schaffen, welches harte Echtzeit innerhalb eines Systems liefert – es könnte also eher verglichen werden mit Profinet, Ethercat, und Sercos. OPC UA hingegen ist immer ausgerichtet auf Interoperabilität zwischen Systemen verschiedener Hersteller, dazu benötigt man Security By Design, um die Zugriffsrechte auf Daten und Dienste modellieren zu können. Darunter liegt dann das eigentliche Protokoll, wie heute TCP und HTTPS – diese Schicht kann aber erweitert werden. OPC UA ist im Gegensatz zu DDS eben auch eine internationale IEC-Norm und weltweit verbreitet.

Wie eingangs schon erwähnt, saßen am 22. Juni Vertreter der OPC Foundation mit Vertretern der OMG zusammen, um über das Thema DDS und OPC UA zu sprechen. Um was ging es bei den Gesprächen?

Wie gesagt, ist OPC UA ja viel mehr als nur ein Protokoll – es kann eben auch die Semantik beschreiben. Sercos, Ethercat und Profinet haben bereits eine Partnerschaft mit der OPC Foundation um die genormte Umsetzung von ihren Objekten aus der Echtzeitwelt in den OPC UA Namensraum – und das soll nun auch für DDS erfolgen. Es war also ein Treffen auf technischer Ebene – Kooperationen sind ja für die OPC Foundation völlig normal. Wenn Spritzgussmaschinenbauer oder Küchengroßgerätehersteller ihre Daten und Dienste in OPC UA modellieren wollen, dann helfen wir immer mit technischer Expertise. Für die DDS-Kunden ist das eine gute Botschaft: Ihre DDS-Objekte sind dann mit diesem Software-Umsetzer skalierbar in kleinste Sensoren, aber eben auch in alle SCADA-Systeme oder das SAP und die ­Azure Cloud.

Und lassen Sie mich noch Folgendes ergänzen: OPC UA selbst wächst ja auch; aktuell wird der Transportlayer erweitert mit schnellen Pub/Sub-Mechanismen – das soll später auch evaluiert werden auf die Erweiterung mit TSN IEEE Echtzeit.