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Warnung vor Abschottung globaler Lieferketten

05. Februar 2021, 16:32 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Warnung vor Abschottung globaler Lieferketten
© Pixabay/CC0

Deutschlands Wohlstand werde entscheidend von der internationalen Arbeitsteilung getragen. Eine Abschottung der globalen Lieferketten im Zuge der Corona-Krise schadet allen, warnt der VDMA.

Die IMPULS-Stiftung des VDMA hat beim IfW Kiel ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass ein Szenario durchspielt, in dem sich die EU durch den Einsatz sogenannter nicht-tarifärer Handelshemmnisse, also durch Vorschriften oder Produktionsnormen, die ausländischen Zulieferern den Marktzugang erschweren, stärker abschottet, um damit eine Rückverlagerung ausländischer Wertschöpfungsschritte zu erreichen. Das Ergebins: Erschwert Deutschland in Reaktion auf die Coronakrise die Kooperation mit ausländischen Lieferanten, etwa um Lieferketten durch das zurückholen von Wertschöpfungsschritten aus dem Ausland vermeintlich widerstandsfähiger zu machen, hat das massive Nachteile für alle Beteiligten.

»Die Corona-Krise hat die Verwundbarkeit internationaler Lieferketten gezeigt. Daraus den Schluss zu ziehen, Produktion wieder zurück in die Heimatländer zu holen, ist extrem teuer und daher der falsche Weg«, sagt IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. »Zielführender wäre es, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft beispielsweise durch stärkere Diversifizierung im Hinblick auf Zulieferer, vermehrte Lagerhaltung oder auch den erweiterten Einsatz von Recycling zu verbessern. Ein sehr restriktives Sorgfaltspflichtengesetz wäre da eher kontraproduktiv. «

Die Auswirkungen einer Abschottung im Detail

Berechnungsgrundlage des Gutachtens ist die Annahme, dass Deutschland beziehungsweise die EU diese Hürden verdoppelt. Eine solche Abschottung würde den Berechnungen zufolge in Deutschland zu einem Rückgang des Realeinkommens um jährlich 3,3 % führen. Gemessen am deutschen Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2019 läge das Einkommen somit um 114 Mrd. Euro tiefer.

Lieferketten in der Zeit nach Corona
© IfW-Grafik

Die Grafik zeigt die realen Einkommensverluste in Deutschland, der EU und dem Rest der Welt in Prozent. (Anmerkung: Durchschnitt über alle betroffenen Länder, gewichtet nach BIP. EU ohne Deutschland. RoW steht für Rest der Welt. Quelle: Eigene Berechnungen IfW-Kiel.)

Kommt es zu einem Handelskrieg und das Ausland reagiert erwartungsgemäß mit Vergeltungsmaßnahmen, sinkt das Einkommen sogar um 6,9 %. Schottet sich Deutschland sogar auch gegenüber dem EU-Ausland ab, liegt das Bruttoinlandsprodukt dauerhaft Jahr für Jahr um 9,1 % unterhalb des Niveaus ohne zusätzliche Handelshemmnisse.

Auch im Rest der EU und weltweit sinkt das Einkommen in allen drei Fällen. Besonders deutlich im Falle von Vergeltungsmaßnahmen. Dann reduziert sich das Realeinkommen in der EU (ohne Deutschland) um durchschnittlich 4,9 %, weltweit um 1,5 %.

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1. Warnung vor Abschottung globaler Lieferketten
2. Deutscher Maschinenbau würde überproportional leiden
3. Alle Beteiligten verlieren durch Abschottung der Lieferketten

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