Schwerpunkte

Technik & Finanzen

Platform-Economy – das Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts

16. März 2021, 09:57 Uhr   |  Thomas Rappold / Andrea Gillhuber


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Technologisch stimmige Einheit erforderlich

Thomas Rappold: »Deutschland braucht einen 50-Mrd.-Euro­Technologie­zukunftsfonds.«
© Thomas Rappold

Thomas Rappold ist Finanz-/Börsen­experte, Buchautor (Silicon Valley Investing) und Gründer zahlreicher Internet-Start-ups.

Doch ist die Platform Economy auch ein Vorbild für den Maschinen- und Anlagenbau? China hat im Rahmen seiner Industrie-4.0-Aktivitäten längst erkannt, worauf es wirklich ankommt; zukünftig wird der Maschinen- und Anlagenbau digital gedacht. China hat diese technologischen Quantensprünge bereits mehrfach erfolgreich exerziert: Das Festnetz wurde durch den Mobilfunk übersprungen und Bankkonten durch mobiles Bezahlen. Folgerichtig sprechen Jack Ma und Kollegen auch vom ‚Intelligent Manufacturing‘ und meinen damit nichts anderes als das, was Elon Musk mit seinen Teslas umgesetzt hat: Hardware in Software neu denken. Die exorbitante Bewertung von Tesla resultiert nicht durch dessen Fähigkeit als Autohersteller, sondern der als digitaler Technologiekonzern, der wartungsarm ‚over the air‘ über Software-Updates die Autos ständig auf den neuesten Stand bringt.

»Plattform-Unternehmen erzielen in der Regel weit überdurchschnittliche Margen – genau das, was Börsianer lieben«

Gerade deutsche Unternehmen müssen lernen, dass die zukünftige Wertschöpfung aber auch Wertschätzung auf den internationalen Kapital- und Exportmärkten nicht mehr in der Hardware, sondern in der Software verbunden mit Big-Data, Analytik, KI und Quantum Computing liegt. Die digitale Plattform-Ökonomie macht es zwingend notwendig, dass sich die deutsche Industrie mit ihren dezentralen kleinteiligen Strukturen zu einer stimmigen technologischen Einheit verbündet. Größe und Standardisierung und ‚Think Big‘ sind angesagt. Zukünftig wird es nicht mehr reichen zu sagen, „wir sind stolz, die meisten ‚Hidden Champions‘ zu haben“.

Den Markt beherrschen – so geht’s!

Was sind nun die konkreten Erfolgsfaktoren, die die erfolgreichsten Plattformunternehmen auszeichnen und damit Vorbildfunktion für die deutsche Industrie haben können?
Damit ein Plattformunternehmen einen Markt beherrschen kann, muss es folgende vier Ausprägungen zumindest teilweise erfüllen: 

Proprietäre Technologien
Solche Technologien stellen Quasi-Standards dar. Das heißt, die Technologie hat eine so starke Stellung, dass sie eine sehr breite Verankerung im Markt hat. Beispiele sind die Betriebssysteme von Microsoft für Desktop-Rechner, aber auch die mobilen Betriebssysteme iOS von Apple und Android von Google. 

Netzwerk-Effekte
Erfolgreiche digitale Plattform-Anbieter wie Amazon, Facebook, LinkedIn und Paypal gewinnen durch die Attraktivität ihrer Plattform immer mehr Kunden hinzu. Durch weitere Kunden wird die Plattform noch attraktiver und kann immer bessere Angebote bereitstellen. Mit jedem neuen Kunden steigt der Mehrwert des Netzwerks. Sehr häufig bilden sich Netzwerk-Effekte durch einen selbsttragenden Aufschwung (Viralität). 

Economies of Scale
Skalierungsvorteile kommen immer bei hohen Fixkosten und niedrigen Grenzkosten ins Spiel. Amazon, Alibaba und Mercadolibre sind Paradebeispiele in der digitalen Welt und Walmart im klassischen Retailgeschäft. Sie erzielen mit weiterem Wachstum zusätzliche Effizienzgewinne. Sowohl Amazon, Alibaba, Mercadolibre als auch Walmart spielen dies für ihr weiteres Wachstum voll aus. Die Vier sind Preisführer und verfügen auch über eine starke Preissetzungsmacht. 

Marke
Apple, Amazon, Alphabet/Google, Facebook, Microsoft und SAP, aber auch Alibaba und Tencent zählen inzwischen als digitale Plattformen zu den wertvollsten Marken der Welt mit viel Strahlkraft. Eine Marke ist ein Produkt, das für den Kunden nicht austauschbar ist und für das er auch bereit ist, mehr zu zahlen. Echte Marken sind zwar schwer zu identifizieren, aber klar ist: Wenn man es schafft, eine Marke aufzubauen, dann hat man ein Monopol geschaffen. Erfolgreiche Plattform-Unternehmen sind häufig Markenführer.

Seite 2 von 2

1. Platform-Economy – das Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts
2. Technologisch stimmige Einheit erforderlich

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Computer&AUTOMATION