Technik & Finanzen

KI folgt eigenen Regeln

18. Februar 2020, 10:09 Uhr | Thomas Rappold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die Cluster USA und China

Die Entwicklung des Solactive Artificial  Intelligence Performance-Index seit Auflage im September 2017. Er beinhaltet führende Technologie- und Anwendungsunternehmen, die die KI-Technologie ent-wickeln und einsetzen, darunter Apple, Nvidia, Intel, B
Die Entwicklung des Solactive Artificial Intelligence Performance-Index seit Auflage im September 2017. Er beinhaltet führende Technologie- und Anwendungsunternehmen, die die KI-Technologie ent-wickeln und einsetzen, darunter Apple, Nvidia, Intel, Blackrock, Microsoft, Alibaba, ASML, Alphabet, Qualcomm und SAP.
© Thomas Rappold

Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune sieht aktuell die vier folgenden amerikanischen Unternehmen als KI-Innovationsführer an: das weiter oben beschriebene Forschungsunternehmen OpenAI, das immer wieder durch bahnbrechende Algorithmen Aufsehen erregt und in 2019 eine kommerzielle Einheit gegründet hat, in die Microsoft 1 Mrd. Dollar investiert hat, weiter die beiden Google-Unternehmen DeepMind (bekanntes Produkt: AlphaGo) sowie Google Brain (bekanntes Produkt: Tensorflow, führende KI-Programmiersprache) und schließlich die KI-Forschungsabteilung von Facebook (bekanntes Produkt: KI-Programmiersprache Pytorch). Darüber hinaus die beiden kalifornischen Universitäten Stanford und Berkley.

Die chinesische Regierung hat der Bedeutung entsprechend eine KI-Nationalmannschaft der führenden IT-Unternehmen benannt. Jedem der Unternehmen kommt eine eindeutige Schlüsselrolle im Wettlauf um die technologische Weltmarktführerschaft zu: Google Konkurrent Baidu nimmt sich des Themas autonomes Fahren an, Spiele- und Messaging-Gigant Tencent der Bildverarbeitung medizinischer Diagnostik, Huawei der Software sowie Infrastrukur und Alibaba leitet die Smart-City-Initiative.

Deutschland muss handeln

Deutschland muss sich auf seine eigenen Stärken konzentrieren und nicht versuchen, amerikanische oder chinesische Modelle zu kopieren. Siemens-CEO Joe Kaeser brachte es beim Weltwirtschaftsgipfel auf den Punkt: „Deutschland schafft es in drei Schlüsselgebieten, Weltstandards zu definieren: Mobilität, Energie und Umwelt sowie Digitale Industrie.“ Damit die Wünsche Wirklichkeit werden, bedarf es einer mutigen, konzertierten Agenda 2030 aus Politik, Unternehmen, Wirtschaft, Medien und Gewerkschaften. Immerhin belegt Deutschland beim Innovation-Index der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg den ersten Platz der innovativsten Nationen der Welt, vor Ländern wie Südkorea, Singapur und der Schweiz. Deutschland war schon immer Spitze in der Grundlagenforschung, häufig wurden aber die Ergebnisse wie bei der Erfindung des Computers, der Raketentechnologie oder des Kompressionsalgorithmus MP3 vorschnell aus der Hand gegeben. Vordringlich wäre deshalb ein Technologiezukunftsfonds mit einem zweistelligen Milliardenvolumen, das von führenden deutschen Unternehmen, Finanzdienstleistern, Privatinvestoren und staatlichen Förderbanken gespeist werden sollte.

Parallel müsste der Staat attraktive steuerliche Förderbedingungen schaffen, die zu einer Initialzündung im Technologietransfer führen. Am Geld liegt es nicht: Die Deutschen verfügen nach aktuellen Erhebungen der Bundesbank über ein Vermögen von 6,3 Billionen Euro, wovon rund 40 % zu Null- oder Minuszinsen auf Girokonten nutzlos dahinvegetieren. Dass KI als Anlage für Privat- wie Firmeninvestoren lukrativ sein kann, zeigt der Solactive Artificial Intelligence Performance-Index. Seit Auflage im September 2017 konnte er um mehr als 50 % zulegen.

Zum Autor: Thomas Rappold ist Finanz-/Börsenexperte, Buchautor (Silicon Valley Investing) und Gründer zahlreicher Internet-Start-ups.


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