AutomationML

Ein Jahr Fabrikplanungsinitiative

14. April 2009, 0:00 Uhr | Günter Herkommer
Anton Hirzle

Ein herstellerneutrales Datenformat für den durchgehenden Austausch von Engineering-Daten zu entwickeln – so lautete das Ziel der im Jahr 2006 ins Leben gerufenen AutomationML-Initiative. Wo stehen die Beteiligten heute? Computer&AUTOMATION hakte nach bei Anton Hirzle, Leiter Verfahrensentwicklung Automatisierungstechnologien und Simulation bei Daimler.

Herr Hirzle, zur Hannover Messe 2008 stellten die Projektpartner eine erste Version der gemeinsam definierten „Automation Markup Language" vor, welche künftig die Interoperabilität zwischen den Werkzeugen der Fabrikplanung verbessern soll. Was hat sich seither getan?

Hirzle: In den letzten zwölf Monaten ist einiges passiert: Die von uns eingebrachten Erweiterungsvorschläge für Collada, einem aus dem Umfeld der Computerindustrie stammenden Austauschformat für Daten zwischen verschiedenen 3D-Programmen, und PLCopenXML wurden akzeptiert und gemeinsam mit den entsprechenden Gremien in die aktuellen Versionen der entsprechenden Formate eingepflegt. Derzeit arbeiten wir sehr eng mit der „Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik" zusammen; unser mittelfristiges Ziel ist dabei eine IEC-Standardisierung. Der Fokus für dieses Jahr liegt auf der Integration des Formats in diverse Werkzeuge, teils durch herstellergetriebene Integrationen, teils durch Anbindung über eigens entwickelte Konverter.

Die Gründer der Initiative wollten sich nach Entwicklung des Datenformates weiteren Firmen öffnen. Haben Sie mittlerweile neue Mitstreiter gewinnen können?

Hirzle: Es ist richtig - die Mitarbeit weiterer Unternehmen war von Anfang an geplant. Wir wollten jedoch zuerst eine Grundlage in einem kleinen, schnellen und beweglichen Arbeitskreis schaffen, um sukzessive diesen Kreis für weitere Interessenten zu öffnen. Im Laufe der letzten beiden Jahre haben einige namhafte Unternehmen und wissenschaftliche Institute bei uns angeklopft, die sich in diesem Jahr an AutomationML beteiligen wollen. Derzeit sind wir in der Vorbereitung für einen Verein „AutomationML e.V.", in dessen Satzung alle Fragen zur Zusammenarbeit sowie die damit verbundenen Rechten und Pflichten geregelt werden.

Wie steht die Automatisierungs- Initiative Deutscher Automobilhersteller - kurz AIDA - zu dem Thema? Oder anders gefragt: Warum ist außer Daimler kein weiterer Automobilhersteller in der Initiative?

Hirzle: AutomationML wird in den OEM-Arbeitskreisen „Digitale Fabrik" und „AIDA" reportet, denen AUDI, BMW, Daimler, Porsche und VW angehören. Somit sind alle deutschen Hersteller mit einbezogen, auch wenn sie nicht explizit im Entwicklungsteam mitarbeiten.

Ein wesentlicher Aspekt von AutomationML zielt auf die Werkzeuge rund um das digitale Engineering. Warum konnten Sie Firmen wie Dassault oder Siemens/UGS, die auf diesem Gebiet eine gewichtige Rolle spielen, bis dato nicht gewinnen?

Hirzle: Die beiden besagten Tool-Hersteller sind natürlich wichtig für AutomationML und wir sind sehr an einer Zusammenarbeit mit ihnen interessiert. Erste Gespräche mit Siemens-PLM wurden geführt, ein Treffen mit Dassault ist in Planung. Der Datenaustausch ist eleganter zu realisieren, wenn solche Werkzeuge unser Format direkt unterstützen. Aber auch ohne die beiden großen Hersteller von Engineeringtools sind wir in der Lage, Daten zwischen Digitaler Fabrik und Automatisierungstechnik auszutauschen. So haben wir bereits einige Konverter für diverse Datenformate von beziehungsweise nach AutomationML entwickeln lassen.

Wie sieht die weitere Roadmap der Initiative aus?

Hirzle: Parallel zur Vereinsgründung wird in den kommenden Monaten technisch daran gearbeitet, Schaltpläne und Applikationsprozesse wie Kleben oder Schweißen übertragbar zu machen. Nicht zuletzt treiben wir die Nutzbarmachung des Formats in den diversen Werkzeugen weiter voran. Erste Implementierungen von den Partnerfirmen sind - zumindest prototypisch - zur Hannover Messe in diesem Jahr geplant.