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Die digitale Schaltplantasche

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»Von Engineering über Sourcing und Manufacturing verlängert sich der Nutzen des Digitalen Zwillings zunehmend bis in den Betrieb und Service hinein«, erklärt Uwe Scharf, Geschäftsführer Business Units und Marketing bei Rittal.
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Rittal schafft das Papier ab und macht Daten für Betrieb und Service nutzbar. Hierfür sorgt eine digitale Schaltplantasche namens ‚ePocket‘. Was im Detail dahinter steckt, verrät Uwe Scharf, Geschäftsführer Business Units und Marketing bei Rittal.

Herr Scharf, neue Anwendungen durch Datennutzung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Themen der Messe. Bei Rittal schaffen die Daten nun das Papier ab?
Jeder, der einmal einen Blick in die Produktion geworfen hat, kennt dieses Bild: dicke Papierordner mit Maschinen- und Anlagendokumentation im Schaltschrank. Aus Sicht von Eplan und Rittal ist dies nicht mehr zeitgemäß, wenn doch die Daten eigentlich digital vorliegen und zentral nutzbar sind. Also hat künftig jeder Rittal-Schaltschrank der Serien VX25, VX SE, AX und KX einen eigenen ‚Platz‘ in der Eplan Cloud. Über einen QR-Code am Schaltschrank kann der Besitzer auf die Maschinen- und Anlagendokumentation inklusive Digitalem Zwilling in der Eplan Cloud zugreifen.
Papiereinsparung ist nur der unmittelbarste Nutzen. Selbst diesen sollte man nicht unterschätzen. Je nach Anlage kommen schnell 500 und mehr Seiten Dokumentation zusammen, die bei Änderungen häufig erneut ausgedruckt werden. Entfällt dieses Papier, profitiert nicht nur die Umwelt durch CO2-Reduktion. Liegen dank durchgängig digitaler Prozesse von Engineering bis Bau schon alle Daten vor, lässt sich auch die Maschinen- und Anlagendokumentation viel schneller digital erstellen.

Und darüber hinaus?
Ein wesentlicher Vorteil der digitalen Version entsteht durch ihre weitere Nutzung: Mit der digitalen Schaltplantasche ist die Maschinen- und Anlagendokumentation immer aktuell und auch im Betrieb der Anlage ortsunabhängig von jedem Gerät aus verfügbar. Für den Mitarbeiter in Service und Maintenance zum Beispiel bedeutet das: Wenn der Besitzer des ‚ePocket‘ ihm Zugang gibt, kann er über das integrierte ‚Eplan eView‘ direkt an der Anlage per Smartphone oder Tablet einfach auf die Schaltpläne zugreifen. Dies sichert im Fall der Instandsetzung eine schnelle Auffindbarkeit und zugleich schnelle Fehlerbehebung.“

Aus dem Digitalen Zwilling des Anlagenbaus wird also ein Zwilling für Betrieb und Service der Anlage?
Dies könnte man als klare Entwicklungsperspektive benennen. Von Engineering über Sourcing und Manufacturing verlängert sich der Nutzen der Daten zunehmend bis in den Betrieb und Service hinein. Unsere Kunden nutzen durchgängige Daten immer intensiver auf allen Stufen der industriellen Wertschöpfung. Mit der digitalen Schaltplantasche machen sie einen weiteren Schritt, damit das auch immer stärker für den Bereich ‚Operations‘ gilt. Der Digitale Zwilling begleitet den realen Schaltschrank fortan auf seinem gesamten Lebenszyklus – dies sorgt für Effizienz und schafft Fehlerquellen ab. Sind alle elektrotechnischen Daten einer Maschine oder Anlage digital vorhanden, lassen sich Änderungen direkt ins Projekt zurückspielen und mögliche Stillstandszeiten auf ein Minimum reduzieren.

Verändern sich dadurch auch Kooperations- und Geschäftsmodelle?
Von diesem Trend sind wir bei Rittal und Eplan überzeugt. Die intelligenten Tracking-Möglichkeiten und der Informationsgehalt der Daten werden wachsen und neue Perspektiven eröffnen. Insbesondere große Industrieunternehmen streben schon heute nach umfassender Transparenz in ihrer Fertigung, was nicht zuletzt die Entwicklung unserer Schwestergesellschaft und SPS-Mitausstellerin German Edge Cloud mit ihrer Edge Cloud zentrierten IIot-Plattform zeigt. Da sollten auch die Steuerungs- und Schaltanlagen als Teil der Fabrik nicht zurückfallen.
Zudem entstehen zukünftige Möglichkeiten für smarte Servicemodelle. Steuerungs- und Schaltanlagenbauer können sich durch einfachen Datenaustausch fester als Partner ihrer Kunden etablieren. Unsere Erwartung für die Branche lautet: Betreiber, Planer, Schaltanlagenbauer und Instandhalter werden in naher Zukunft auch im Betrieb der Anlagen auf neuen Wegen dauerhaft miteinander in Kontakt und im Geschäft bleiben.


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