Schwerpunkte

Ein Kommentar von Meinrad Happacher

Das Ringen um die Daten

17. September 2020, 10:34 Uhr   |  Meinrad Happacher

Das Ringen um die Daten
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Die Nachricht Mitte August müsste auch den letzten deutschen Industrieboss geweckt haben: Donald Trump verschärft Sanktionen gegen Huawei. Er verfügt, dass keine Chips mehr an das Unternehmen geliefert werden dürfen, die mit Hilfe von US-Software oder -technik gefertigt wurden.

Trumps Aktionismus zeigt unverblümt, dass sich der Handelskrieg – der sich momentan noch primär zwischen den USA und China abspielt – zu einem Technologiekrieg ausgeweitet hat.

»Dabei befinden wir uns erst am Anfang der Eskalationsspirale«, sagt Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer im September gegenüber Capital. »Auf die europäischen Unternehmen hatte das bislang noch wenig Auswirkungen«, so Wuttke weiter, »aber das wird kommen!«
Umso bedenklicher, dass gerade das deutsche Vorzeigeprojekt Industrie 4.0 immer stärker in die Abhängigkeit der amerikanischen Tech-Giganten – allen voran Amazon Web Services (AWS) und Microsoft – gerät. Der Trend hin zu übergreifenden IoTLösungen in der Cloud spielt klar den US-amerikanischen Tech-Giganten in die Hände. Sie investieren jährlich viele Milliarden in den Ausbau ihres Cloud-Angebotes.
Welches deutsche oder europäische Unternehmen könnte da noch mitziehen?

Dabei wähnten sich die deutschen Urgewächse wie Bosch, Siemens und Trumpf anfangs in einer Pool-Position für die Aufgabe der Digitalisierung der Fabriken, inzwischen ist der Lack ab: Alle gingen den Markt voller Enthusiasmus mit eigenen Industrie-4.0-Plattformen an und alle sind mehr oder weniger kläglich gescheitert.
Einzig Siemens stemmt sich noch mit Mindsphere gegen die US-amerikanische
Dominanz. Ist das Spiel also schon verloren, bevor es richtig los geht?

Der Widerstand

Meinrad Happacher Editor at Large Computer&AUTOMATION
© WEKA Fachmedien

Meinrad Happacher, Editor at Large der Computer&AUTOMATION

Noch gibt sich Europa nicht geschlagen: Gegen die Datendiktatur der US-Techriesen formiert sich gerade zarter Widerstand – sowohl was die Daten von Privatpersonen als auch von Unternehmen betrifft.
Im Juni verkündete etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit seinem französischen Ministerkollegen Bruno Le Maire in einer virtuellen Presse-Show die Gründung der GAIA-X Foundation.
Zu den Gründungsmitgliedern zählen Firmen wie BMW, Bosch, Deutsche Telekom, die Friedhelm-Loh-Gruppe, SAP und Siemens. Projektziel der Foundation ist die Erhaltung einer europäischen Datensouveränität durch Bildung eines gemeinsamen digitalen Ökosystems. Die von Altmaier in den Ring geworfene Anschubfinanzierung von 40 Mio. Euro lässt zwar nicht den großen Riss erwarten, aber es ist ein Anfang. Und zumindest die Namensgebung – ein Mix aus Realitätssinn und Optimismus – macht Mut: Schließlich leitet sich der Name des Projektes von Gaia, einer der ersten aus dem Chaos entstandenen griechischen Gottheiten, ab!


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