30 Jahre Linux

Das Fundament der digitalen Gesellschaft

23. August 2021, 9:46 Uhr | dpa

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Linux in der Hosentasche, Microsoft am Schreibtisch

Informatiker Mario Haustein arbeitet mit dem Betriebssystem Linux im Rechenzentrum der TU Chemnitz.
Informatiker Mario Haustein arbeitet mit dem Betriebssystem Linux im Rechenzentrum der TU Chemnitz.
© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Eine Programm-Entwicklung als ‚Open Source‘ wie bei Linux wird inzwischen bei vielen aufwendigen Softwareprojekten quasi vorausgesetzt. So entstand die Corona-Warn-App des RKI quelloffen und unter einer freien Lizenz. Über die Plattform Github konnte der Programmcode eingesehen und Änderungsvorschläge an die App-Macher des Software-Konzerns SAP und der Deutschen Telekom eingereicht werden.

Linux ist allerdings nicht in sämtlichen Bereichen der Durchmarsch gelungen. Mit der Linux-Variante Android dominiert das System den Massenmarkt der Smartphones. Und auch die meisten Web-Server im Netz laufen unter Linux. Doch ausgerechnet bei der Plattform, für die Linux vor 30 Jahren erfunden wurde, nämlich bei den gewöhnlichen Desktop-Rechnern, spielt das System eine untergeordnete Rolle.

Die Analytik-Firma Statcounter verzeichnete für Linux zuletzt einen Marktanteil von knapp 2,4 %, während Windows auf 73 % der PCs installiert war. Zum Linux-Lager kann man noch die 1,2 % für die tragbaren Chromebooks mit der Google-Software Chrome OS rechnen, bei der es sich ebenfalls um eine Linux-Variante handelt. Die Dominanz von Microsoft wurde in den vergangenen Jahren noch am ehesten von Apple mit dem Betriebssystem macOS in Frage gestellt. Die Apple-Software kommt derzeit auf 15,4 % Marktanteil.

Dass Linux auf dem PC nie richtig Fuß fassen konnte, hat mehrere Gründe: Zum einen liefern Hersteller wie Lenovo, Dell und HP ihre Geräte nicht ‚nackt‘ ohne Betriebssystem aus, sondern mit einem vorinstallierten Windows. Für die Käuferinnen und Käufer ist auch nicht ersichtlich, wie hoch der Anteil für Windows am Kaufpreis ist, denn der wird nicht gesondert ausgewiesen.

Das Betriebssystem der Code-Experten

Lange war es für technische Laien auch recht kompliziert, Linux zu installieren. Inzwischen können zwar Linux-Distributionen wie Ubuntu mit wenigen Mausklicks zum Laufen gebracht werden. Doch dem System eilt immer noch der Ruf voraus, kompliziert zu sein. Und in der frühen Linux-Phase fehlten auch die Anwendungen, die man als Windows- oder Mac-User kennt. Manche gibt es bis heute nicht, etwa Adobe Photoshop, die Office-Programme von Microsoft oder viele Spiele. Linux-Befürworter weisen darauf hin, dass etliche Programme für die Bildbearbeitung, die täglichen Büro-Aufgaben oder zum Spielen längst vorhanden sind. Aber selbst Torvalds räumte 2014 ein, dass es für Programmierer »verdammt kompliziert« sei, Anwendungen für Linux zur Verfügung zu stellen, weil es kein einheitliches System gebe, sondern die unterschiedlichsten Linux-Distributionen.

Als der führende Entwickler des Linux-Betriebssystemkerns (Kernel) hat Torvalds nur bedingt Einfluss darauf, wie die unterschiedlichen Varianten gestaltet werden. Außerdem ist er darauf angewiesen, dass Hardware-Hersteller mitziehen und geeignete Treiber zur Verfügung stellen. Wenn ein Hersteller wie der Grafikkartenanbieter Nvidia sich verweigert, bleibt ihm nichts weiter übrig, als ihn auf offener Bühne zu beschimpfen und den Stinkefinger zu zeigen. Um Torvalds ist es in den vergangenen Jahren ruhiger geworden, auch weil sich der Vater des freien Betriebssystems 2018 selbst eine Auszeit nahm.

Inzwischen ist Torvalds wieder aktiv und teilt auf den Mailing-Listen rund um die Linux-Entwicklung hin und wieder kräftig aus. Zuletzt machte er Schlagzeilen, als er dort Impfskeptiker zurechtwies: »Sie wissen nicht, wovon Sie sprechen, Sie wissen nicht, was mRNA ist und Sie verbreiten dumme Lügen.«


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