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"Drei Fragen an..." - die Mai-Edition

Corona: Die Veränderung als Chance

08. Mai 2020, 09:30 Uhr   |  Tiffany Dinges


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Endress+Hauser: »Der Spirit von Endress+Hauser funktioniert auch im Home Office«

Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer der Endress+Hauser Messtechnik
© Endress+Hauser

Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer der Endress+Hauser Messtechnik

Die Pharma- und Lebensmittelindustrie gehören unter anderem als fester Bestandteil zu den Zielmärkten von Endress+Hauser. Vor dem Hintergrund der weltweiten Ausnahmesituation trägt Oliver K. Stöckl als Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft von Endress+Hauser nicht nur die Verant-wortung, das Unternehmen mit all seinen Mitarbeitern auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, sondern zudem Kunden – darunter auch viele aus systemrelevanten Bereichen – weiterhin in Echtzeit zu betreuen, und den hohen Qualitätsanspruch aufrechtzuerhalten. Welche Maßnahmen dazu ergriffen wurden und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt, berichtet uns Oliver K. Stöckl im Kurzinterview.

Wie hat sich die Arbeit in Ihrem Unternehmen und vor allem für Sie persönlich in den letzten Wochen verändert?  

Stöckl: In der Spitze arbeiten bis zu 10.000 Mitarbeitende von Endress+Hauser weltweit im Home Office, das gilt auch für einen Großteil der Mitarbeitenden der deutschen Vertriebsgesellschaft. Unsere Belegschaft hat sich schnell auf die Situation eingestellt, das hat uns in jedem Fall geholfen, zügig zu einem neuen Modus Operandi zu finden. Ich bin sehr froh darüber, dass die Um-stellung so gut funktioniert hat, wie schnell sich die Menschen darauf ein-stellen konnten – auch, wie gut unsere IT darauf vorbereitet war.
Vor einiger Zeit haben wir den „Digital Work Place“ eingeführt und verfügen somit über zahlreiche digitale Möglichkeiten und Tools, Daten auszutauschen, zusammenzuarbeiten und miteinander zu kommunizieren, sowohl intern als auch extern mit unseren Kunden.

Für unsere Arbeit ist der direkte Kontakt zu unseren Kunden sehr wichtig. Deshalb steht für mich zunächst die Frage auf der Agenda, was wir tun können, um unsere Kunden auch in diesem Ausnahmezustand bestmöglich zu unterstützen. Denn viele unserer Kunden, zum Beispiel Lebensmittel-produzenten, Pharma-Firmen oder Kunden aus den Bereichen Wasser und Abwasser, zählen zur systemrelevanten Infrastruktur und ihre Anlagen sind voll ausgelastet.

»Wenn unsere Kunden unsere Servicetechniker in ihrer Anlage brauchen, dann ist es möglich, dass wir physisch anwesend sind«

Diese Kunden und alle anderen müssen wir mit ihren Herausforderungen nach Kräften unterstützen! Das Maßnahmenbündel sieht nun so aus, dass wir unter maximalem Kunden- und Mitarbeiterschutz nur noch in begründeten Ausnahmefällen vor Ort aktiv werden und ansonsten maximalen Support per Mail, Telefon oder sogar cyperpräsent per App mit Videoübertragung geben. Für den technischen Support bieten wir die visuelle App derzeit zur Unter-stützung unserer Kunden kostenlos an. Wenn unsere Kunden unsere Servicetechniker in ihrer Anlage brauchen, dann ist es möglich, dass wir physisch anwesend sind. Wo auf die physische Anwesenheit verzichtet werden kann, helfen wir per Videoübertragung oder telefonisch.

Unser Außendienst wie auch unser Innendienst ist ganz normal erreichbar. Nur anstatt täglich bei Kunden vor Ort zu sein, halten unsere Mitarbeitenden nun engen Kontakt über Video-Calls oder Telefonate und wir merken, wie wichtig das für unsere Kunden ist. Besonders stolz hat mich gemacht, dass viele Kunden dachten, wir würden im Büro arbeiten, als wir schon seit zwei Wochen im Home Office waren. Ihnen war in keiner Weise aufgefallen, dass sich an der Arbeitsweise und an der Betreuung etwas geändert hat!

Auch ich bin nun seit 8 Wochen im Home Office tätig. Hier fehlt mir, trotz einwandfrei funktionierender Videokonferenzen, der ganz persönliche Austausch mit meinen Kollegen – von Mensch zu Mensch. Andererseits genieße ich es, sehr viel stärker am Familienleben teilzuhaben, als ich dies während „normaler“ Bürotage könnte.

Wie lässt sich dieser Ausnahmezustand meistern, vielleicht sogar positiv nutzen, und wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Stöckl: Die Coronavirus-Krise bringt weltweit Leid über Menschen, bringt Arbeitsplätze und Existenzen in Gefahr. In Summe ist das sehr negativ und die Krise wird große, nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Aus übergeordneter Perspektive sehen wir, dass die Digitalisierung der Gesellschaft einen großen Schritt macht und digitale Tools an allen Stellen genutzt werden. Das wird sicherlich unsere Arbeitswelt und das private Leben nachhaltig verändern.

Es wird jetzt sicher zu prüfen sein, wie sich die Krise weiter auf unsere Kunden und auf unser Geschäft auswirkt. Während einige Firmen in Kurzarbeit gegangen sind, arbeiten andere voll weiter, teils jedoch unter strengen Vorsichtsmaßnahmen. Auch Endress+Hauser zählt zur zweiten Gruppe.
Ich bin einerseits froh, dass wir viel zu tun haben, andererseits fühle ich mich persönlich auch verantwortlich für die Gesundheit der Belegschaft, weshalb wir den Schutz der Mitarbeitenden und unserer Kunden großschreiben. Hierzu haben wir schnell und entschieden gehandelt und wie bereits erwähnt alle Funktionen mit Büroarbeitsplätzen ins Home Office verlagert. Wir stellen Atemschutzmasken zur Verfügung und für alle in den Büros Verbliebenen haben wir strenge Hygieneschutzmaßnahmen durchgeführt.

Wenn man der Krise etwas Positives abgewinnen will, dann ist es der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt, der spürbar wird. Einen starken Zusammenhalt bemerken wir auch bei Endress+Hauser – unsere Mitarbeitenden nutzen auch intern ihre digitalen Tools, um in Kontakt zu bleiben. Der Spirit von Endress+Hauser funktioniert auch im Home Office!  

»Wenn unsere Kunden am Ende das Gefühl haben, auch in diesen Zeiten gut von uns unterstützt worden zu sein, haben wir sicherlich vieles richtig gemacht«

Wichtig für unsere Kunden: Unser Ansprechpartner aus Vertrieb und Service stehen voll aus dem Home Office zur Verfügung. Außerdem sind wir liefer-fähig, unser globales Produktionsnetzwerk arbeitet.

Wenn unsere Kunden am Ende das Gefühl haben, auch in diesen Zeiten gut von uns unterstützt worden zu sein, haben wir sicherlich vieles richtig gemacht. Eines ist klar: Die Digitalisierung und auch unsere digitalen Dienstleistungen bekommen gerade einen großen Schub. Egal in welcher Form – digital und per App oder am Telefon – es ist jetzt jedenfalls sehr wichtig, zusammenzu-arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Um die Herausforderungen zu meistern, müssen wir flexibel und agil handeln.

Auch ich persönlich bleibe mit den Mitarbeitenden eng digital in Kontakt, mir geht es nicht anders als den anderen. Das ist eine neue Situation und ich nutze alle mir zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle für Einzelgespräche und für die Koordination mit dem Führungsstab.

Wo sehen Sie auf Ihre Arbeit/Ihren Arbeitsplatz bezogen die größten Herausforderungen für die kommenden Monate?

Stöckl: Wir erwarten nicht, dass bis zum Ende des Jahres wieder alles normal sein wird. Deshalb beobachten wir ganz genau, wie sich die Situation für unsere Kunden verändert – im Zweifel können Veränderungen sehr schnell geschehen und sich Bedürfnisse verändern. Dann müssen wir entscheiden, wie wir weiterhin für unsere Kunden den bestmöglichen Service leisten, egal ob sie Beschränkungen in ihren Betrieben haben oder nicht.

Für Endress+Hauser müssen wir entscheiden, wie wir das intern abbilden, wie wir dabei unsere Mitarbeitenden schützen und zusätzlich auf ihre individuellen Belange, wie zum Beispiel die Kinderbetreuung, eingehen.

Schritt für Schritt planen wir die Rückkehr zur Normalität und treffen Entscheidungen, wann dies geboten ist. Hierfür spielen wir verschiedene Szenarien durch und wenn eine Situation eintrifft, sind wir handlungsfähig.

Oliver K. Stöckl und das Unternehmen Endress+Hauser im Kurzportrait

Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer der Endress+Hauser Messtechnik
Endress+Hauser Weil am Rhein

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