Mechatronik und Engineering

Bestvor-Studie deckt Schwachstellen auf

4. September 2009, 9:53 Uhr | Stefan Kuppinger

Die Mehrheit der Maschinen- und Anlagenbauer beherrscht ihre interdisziplinären Entwicklungsprozesse nicht. Zu diesem Ergebnis kommen die Firma ITQ und ihre Verbundpartner, die im Rahmen des BMBF-Projekts „Bestvor“ 30 Unternehmen analysiert haben.

Ein Ziel des abgeschlossenen Forschungsprojekts „Bestvor" war die Entwicklung eines Verfahrens, das eine einfache und schnelle Einordnung des Reifegrads und damit der Qualität mechatronischer Entwicklungsprojekte erlaubt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Unternehmen ihre interdisziplinären Entwicklungsprozesse nicht beherrschen. Keines der bis dato etwa 30 befragten Unternehmen konnte in den durchgeführten Assessments (siehe "Bestvor-Projekt") nachweisen, dass es die Reifestufe „Mechatronik beherrscht" erreicht.

Viele Firmen schaffen beispielsweise im Prozessgebiet „Qualitätssicherung" noch nicht einmal die Reifestufe „teilweise beherrscht". Besonders auffällig ist die Selbsteinschätzung in den Unternehmen, die je nach befragter Ingenieursdisziplin signifikant voneinander abweichen: Mehr als 90 % der Vertreter aus der mechanischen Konstruktion sind der Auffassung, die Prozesse mindestens teilweise oder komplett zu beherrschen. Aus Sicht der Mechanik scheint die Welt anscheinend in Ordnung zu sein. Im krassen Gegensatz dazu steht die Sichtweise der Programmierer: Über 95 % der „Softwerker" sehen die Unternehmensprozesse, die unmittelbar ihr Arbeitsumfeld betreffen, als „nicht beherrscht" an.

Insbesondere beklagt diese Gruppe, dass die Softwarefunktionalitäten meist sehr ungenau beschrieben sind. Zudem würden die Anforderungen während der Projektabwicklung häufig wechseln. Dies führt dazu, dass eine Software-Qualitätssicherung während der Entwicklung praktisch kaum stattfindet. Widersprüchliche Anforderungen oder Fehler in der Umsetzung kommen daher erst sehr spät ans Licht.


  1. Bestvor-Studie deckt Schwachstellen auf
  2. Trotz der Defizite kaum Gegenmaßnahmen
  3. Fakultätsübergreifende Aufgabenstellungen verbesserungsbedürftig
  4. Bestvor-Projekt