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Nachgehakt bei Prof. Roman Dumitrescu: Die Arbeit der Zukunft

Mit dem Projekt 'Arbeit 4.0' sollen die Herausforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt ­aufgezeigt und überwunden werden. Mitte Oktober geht das Projekt in die nächste Förderphase. Prof. Roman Dumitrescu gibt Auskunft über das bisher Erreichte und die Ziele für die Zukunft.

Roman Dumitrescu, it's OWL Bildquelle: © it's OWL Clustermanagement

Prof.Roman Dumitrescu ist Geschäftsführer Forschung und Entwicklung im Spitzencluster it’s OWL

Herr Prof. Dumitrescu, aus welcher Motivation heraus ist das Projekt ‚Arbeit 4.0‘ entstanden?

Roman Dumitrescu: In der ersten Förderphase von it’s OWL seit 2012 haben wir gemerkt, dass die Einführung neuer Technologien nicht funktioniert, wenn die Akzeptanz der Mitarbeiter fehlt. Wir mussten lernen, dass die digitale Transformation mehr bedeutet als die Einführung neuer Technologien. Sie betrifft in großem Maße die Menschen, die damit arbeiten sollen. Neue Technologien werden abgelehnt, wenn man sie nicht begreift oder nicht versteht, warum sie im Betriebsablauf eingeführt werden. Aus diesen Gründen haben wir 2016 das Thema ‚Arbeit 4.0‘ in unsere Strategie aufgenommen. Dabei haben Forschungseinrichtungen in fünf Pilotprojekten zusammen mit Unternehmensspitzen, Produktionsleitung, Personalabteilung, Beschäftigten, Betriebsrat und Gewerkschaften daran gearbeitet, wie die digitale Transformation eines Unternehmens für alle gelingen kann. 

Was sind die Erkenntnisse aus der ersten Phase des Projekts?

Wir haben in den Unternehmen ein großes Interesse festgestellt, die Arbeitswelt der Zukunft aktiv mitzugestalten. Gemeinsam haben wir konkret an bestimmten Bereichen von Arbeit 4.0 gearbeitet. Zum Beispiel an der Entwicklung und Einführung von digitalen Assistenzsystemen oder einer beruflichen ­Qualifikationsreihe für Mitarbeiter im produzierenden Gewerbe. Dabei ist deutlich geworden, dass Unternehmen ihren indi­viduellen Weg finden müssen. Technische Lösungen müssen auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens angepasst und die Beschäftigten bei der Einführung von Beginn an ­mitgenommen werden. 

Was sind die Ziele für die jetzt startende Förderphase?
Bei der Weiterführung geht es darum, neue Technologien für den Mittelstand zu erschließen. Hier ergeben sich zukünftig neue technologische Herausforderungen wie autonome Systeme, dynamisch vernetzte Systeme, Produkt-Service-Systeme sowie soziotechnische Systeme. Schwerpunktthemen sind beispielsweise Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und Arbeit 4.0. Ein Beispiel ist das Projekt Aware, wo wir praxisnahe Lösungen für die Gestaltung einer digitalisierten Arbeitswelt entwickeln. Dabei geht es um neue Ansätze von Führung und Personalentwicklung, Lernplattformen sowie die Benutzerfreundlichkeit von Assistenzsystemen. So wird bei Weidmüller beispielsweise erforscht, wie Augmented und Virtual Reality in der beruflichen Bildung ­eingesetzt werden können, um individualisiertes Lernen zu ermöglichen. Benteler und Claas entwickeln eine gemeinsame Lernplattform. 

Die Ergebnisse und Erfahrungen sollen möglichst vielen Unternehmen unseres Clusters zugänglich gemacht werden, insbesondere auch kleinen und mittleren Unternehmen. Diese können dabei mit Transfergutscheinen des Landes neue Ansätze entwickeln und einführen.

Wer sind die Projektpartner?

Projektpartner sind die IG Metall, die Universitäten Bielefeld und Paderborn, die Hochschule OWL, die Fachhochschule Bielefeld sowie das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IOSB-INA. Die Projektleitung übernimmt das it‘s OWL Clustermanagement. Durch diese breite Beteiligung können wir aktuelle Forschungsergebnisse aus den Ingenieurwissenschaften und der Informatik, aber auch aus der Arbeits- und Organisationspsychologie für die Unternehmen verfügbar machen. Aus der Industrie sind die Unternehmen Weidmüller, Hettich, Lenze, Miele, Claas, Benteler und Bosch/Rexroth beteiligt. Sie werden in Pilotprojekten konkrete Anwendungen schaffen und erproben. 

Sehen Sie das deutsche Bildungssystem für die kommende ‚Arbeit 4.0‘-Arbeitswelt gerüstet?

Die wichtigste Voraussetzung für Arbeit 4.0 ist Qualifizierung. Die Ausbildungsordnungen für die Metall- und Elektroberufe sind mittlerweile auf die neuen Herausforderungen von Industrie 4.0 angepasst worden. Auch die Hochschulen in Ostwestfalen-Lippe haben etwa im Spitzencluster it‘s OWL in den vergangenen Jahren mit unseren Unternehmen 23 neue Studiengänge geschaffen, in denen neue Technologien und disziplinübergreifendes Denken mit einem hohen Anwendungs- und Praxisbezug vermittelt werden – teilweise auch berufsbegleitend.