Sie sind hier: HomeUnternehmensebeneEngineering

Nachgehakt bei Thomas Michels: Leitfaden für das Engineering

Auf der SPS IPC Drives 2014 hat Eplan das Strategieprogramm "Eplan Experience" gelauncht – ein Leit­faden mit acht Handlungsfeldern zur Effizienzsteigerung des Engineering. Wie sich das Projekt entwickelt hat, erläutert Thomas Michels, Leiter Produktmanagement bei Eplan.

Thomas Michels, Eplan Bildquelle: © Eplan

Thomas Michels, Leiter Produktmanagement bei Eplan:

"Wir sind von der durchschlagenden Wirkung des Programms selbst überrascht"

Herr Michels, welche Bilanz ziehen Sie rund eineinhalb Jahre nach dem Start von 'Eplan Experience'?

Wir sind von der durchschlagenden Wirkung des Programms selbst überrascht. Die Anwender erkennen die Notwendigkeit, ihr Engineering zu standardisieren, um effizienter arbeiten zu können. Sie verlangen nach konkreten Leitfäden zur Vorgehensweise und diese liefert das Strategieprogramm auch. Hier spielen einschlägige Normen und Vorgaben wie die IEC 81346 eine wichtige Rolle. Auftraggeber verlangen von ihren Dienstleistern und Zulieferern die Erfüllung dieser Normen und lösen damit einen Change-Prozess aus. Hier brauchen die Unternehmen Unterstützung, die ein reiner Software-Lieferant nicht bieten kann.
Unsere Kundenveranstaltungen rund um das Thema spiegeln den hohen Bedarf ebenfalls wider: Über 8oo ­Teilnehmer nahmen im letzten Jahr an unseren 'Efficiency Days' teil, in denen wir die Inhalte und konkrete Leitfäden zur Vorgehensweise in den Handlungsfeldern vorstellen.

Welche Unternehmen mit welchen Problemen interessieren sich für den Leitfaden?

Im Maschinen- und Anlagenbau besteht häufig die ­Herausforderung im Zusammenspiel zwischen Vertrieb, Engineering und Fertigung. Allein schon die unterschiedlichen Sichtweisen auf das eigene Portfolio und die fehlende Durchgängigkeit an Daten stellt die dem Vertrieb nachgelagerten Abteilungen und Prozesse vor enorme Herausforderungen. Da ist eine gemeinsame Produktstrukturierung ein absolutes Muss. Nur wenn die aus dem Vertrieb übergegebenen Informationen aufgrund gemeinsamer Standards - Stichwort Produktvarianten und Optionen - sich einfach ins Engineering übernehmen lassen, kann eine durchgängige ­Projektabwicklung bis in die Fertigung umgesetzt werden. In dieser gemeinsamen Sicht auf das Portfolio liegt heute in ­großen Unternehmen häufig die Herausforderung.

Aber auch Anwender, die als Dienstleister oder Zulieferer agieren, haben starkes Interesse, Potenziale im eigenen En­gineering zu heben. Sie sind häufig eingebunden in umfangreiche Projektvorhaben und werden dort mit stark gestie­genen Anforderungen in Richtung Normen, Standards, Qualität und kurze Projektierungszeiten konfrontiert. Gerade das Zuarbeiten für unterschiedliche Auftrag­geber erschwert die Standardisierung der eigenen Arbeitsumgebung. Hier besteht die Herausforderung, entsprechend flexible Standards zu definieren und auch das Setup der eigenen Arbeitsumgebung passend zu wählen. Schon ­alleine die unterschiedlichen Settings für das Arbeiten in ­einer Auftraggeberspezifischen Umgebung sind eine Herausforderung.

Was haben Sie für Erfahrungen bei der Umsetzung von 'Eplan Experience' gemacht?

Es zeigt sich, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis die Themen beziehungsweise Handlungsfelder über die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle im Markt ankommen und greifen. Das haben wir erkannt und setzen hier bewusst auf nachhaltige Implementierung der Optimierungsideen. Auch die eigentliche Umsetzung dauert, da teilweise etablierte Arbeitsweisen überdacht und schrittweise angepasst werden müssen. ­Insbesondere bereichsübergreifende Themen benötigen geraume Zeit in der Umsetzung. Besonderen Fokus haben die An­wender auf die Handlungsfelder Normen & Standards, Konstruktions­methoden und im letzten Halbjahr verstärkt auf das Thema Produktstrukturierung ­gelegt. Produktstrukturierung ist dabei im Ergebnis zwar kundenspezifisch, aber in der Vorgehensweise lässt sich das sehr gut standardisieren, wenn wir beim Kunden die richtigen Impulse setzen.

Welches Feld bereitet den Unternehmen am meisten Probleme?

Pauschal kann man das nicht sagen - aber sicherlich ist der Bereich Normen & Standards ein herausforderndes Thema. Es gilt, umfassende und teilweise abstrakte Vorgaben in Form von Normen zu verstehen - deren Implementierung im eigenen Unternehmen ist dann noch eine ganz andere Aufgabenstellung. Insbesondere in internationalen Märkten ist das ohne Unterstützung fast nicht zu schaffen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Potenziale und Möglichkeiten, die in 'Eplan Experience' liegen, nachhaltig bei unseren Kunden zu implementieren. Da ist weniger vielleicht manchmal mehr. Es bedeutet nicht weniger Effizienz oder weniger Optimierung, sondern vielmehr die schrittweise Umsetzung in einer 'gesunden' Geschwindigkeit, die wiederum zu einer nachhaltigen und zukunftssicheren Implementierung führt. Nichts macht weniger Sinn, als dass Standardisierungsprojekte auf halber Strecke stehen bleiben, da man Aufgabenpakete zu groß oder Meilensteine zu mächtig gewählt hat. Daher wollen wir die Handlungsfelder schrittweise ausrollen.