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Nachgehakt bei Siegfried Schülein: "Die ersten Schritte im Maschinenbau"

Infoteam Software agiert als Software-Dienstleister in den Bereichen Industrie, Medizintechnik und Life Science. Vor zwei Jahren ging die Firma ein neues Geschäftsfeld an: den Maschinenbau. Siegfried ­Schülein, mit dem Aufbau des Bereiches betraut, zieht ein erstes Resümee.

Siegfried Schülein, Leiter Business Semgent Maschinenbau Infoteam Bildquelle: © Infoteam Software

"Industrie 4.0 ist keine Hype mehr!", so Siegfried Schülein, Leiter Business Segment Maschinenbau bei Infoteam.

Herr Schülein, Sie sind angetreten, den Maschinenbau anzugehen. Wie hat sich das Geschäft seither entwickelt?
Kurz und knapp gesagt haben wir sowohl betriebswirtschaftlich, als auch technologisch unsere Planungen erreicht: Wir erwarten in diesem jahr 15 % des Unternehmensumsatzes im ­Bereich Maschinenbau zu machen und haben inzwischen mit fünf Maschinenbauern Projekte realisiert.

Und wie geht es weiter?
Wir setzen uns auch für die nächsten Jahre ehrgeizige Wachstumsziele von 20 % jährlich. Was uns ein wenig schmerzt ist, dass wir kontinuierlich auf der Suche nach engagierten und kompetenten Software-Entwicklern sind. Deren Verfügbarkeit wird letztlich den ausschlaggebenden Einfluss auf die Dynamik unseres zukünftigen Wachstums in diesem Bereich haben.

Ist Ihre vor zwei Jahren angedachte Geschäfts-Strategie auf­gegangen? In welchen Punkten mussten Sie nachjustieren?
Unsere Idee, Firmen bei der Integration von klassischer Automation, IT-Technologien und Informatik in zukunfts­fähige Maschinenkonzepte zu unterstützen, ging voll auf. In­zwischen fokussieren wir mit unseren Aktivitäten auf den Sondermaschinenbau, und hier speziell auf Montage- und ­Prüflinien für den Automotive-Zulieferer-Sektor. Bei diesen Firmen besteht ein hoher und kontinuierlicher Bedarf an Individual-Software!

Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass  gerade die Kunden dieser Sondermaschinenbauer – also die produzierenden Unternehmen – zusehends durchgängige und vollständig in­tegrierte Software-Lösungen von der I/O-Ebene bis zur ERP-Anbindung fordern. Sprich, sie ­wollen von ihren diversen zuliefernden Ma­schinenbauern eine einheitliche und standar­disierte Software-Plattform erhalten. Nur, wenn ich eine solche Software-Plattform einfor­-dere, muss ich auch eine eigene strategische Entwicklung vorhalten – und hier können wir einen wichtigen Beitrag liefern.

Wie genau greifen Sie den produzierenden Unternehmen unter die Arme?
Ein Beispiel: Mitte 2014 haben wir mit einem produ­zierenden Unternehmen, einem Automobil-Zulieferer,  die gemein­same Entwicklung eines Software-Frameworks für Montage- und Prüflinien in Angriff genommen. Dieses Framework soll eine Standardisierung der Software-Architektur und der Funktionalitäten der Automatisierungs-Software aller zuliefernden Maschinenbauer ermöglichen. Eine deutliche Steigerung der Qualität, eine erhebliche Reduktion der Entwicklungszeiten und eine kürzere Inbetrieb­nahmedauer der Individual-Software sind letztlich das Ziel. Zudem ergibt sich im laufenden Betrieb der Anlagen durch die Standardisierung auch eine signifikante Entlastung des Instandhaltungspersonals und eine höhere Anlagenverfügbarkeit. Aktuell nehmen wir dieses Framework an einer Einzelmaschine in Betrieb. Anschließend findet der Roll-Out auf die Entwicklung einer großen verketteten Produktionsmaschine statt.

Stehen Sie damit in Konkurrenz zu den klassischen Automati­sierern?
Im Gegenteil! Es entwickelt sich vielmehr eine intensive Zusammenarbeit mit diesen Anbietern, die viele Synergie-Effekte erzeugt und letztlich zu einem erheblichen Mehrwert für den Kunden beider Unternehmen führt. So haben wir beispielsweise in das erwähnte Framework viele Automatisierungs­komponenten und Technologien von Beckhoff und Lenze integriert. Ebenso wurde die komplette objektorientierte Framework-Entwicklung auf Basis von TwinCAT 3 und Visual Studio realisiert.

Vor zwei Jahren haben Sie sich auch vorgenommen, „durch Pionierarbeit beim Thema Industrie 4.0 und den Cyber Physical Systems die Zukunft maßgeblich aktiv mitzugestalten“. Was konnten und was wollen Sie noch bewirken?
Industrie 4.0 ist kein Hype mehr, sondern bereits ­Realität. Mit unserer Framework-Technologie haben wir die technologische Basis für eine Industrie 4.0-Middleware und Cyber ­Physical Systems geschaffen, die den Anforderungen an eine ­Produktion der Zukunft gewachsen ist. In weiteren Schritten erweitern wir unsere Basis-Plattform-Technologien auch um unser Agentensystem iAgent und um OPC UA.