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Big Data: Der Wettlauf um die Daten

Bedrohen Internet-Konzerne wie Google und Amazon jetzt auch Industrie-Ausrüster? Die digitale Transformation droht die bisherigen Stärken dieser Anbieter - Kundennähe, Fertigungskompetenz und spezialisierte Hardware - komplett zu entwerten.

Big Data Bildquelle: © Fotolia / faithie

Ein vielzitiertes Beispiel für die ­digitale Transformation ist Uber. Innerhalb weniger Jahre ist aus einem Start-up ein weltweit agierender Taxivermittler mit einem Umsatz von zwei Mrd. US-Dollar und einer Bewertung von über 50 Mrd. US-Dollar geworden. Dabei betreibt Uber selbst keine Taxis. Das Geschäftsmodell basiert auf einer digitalen Plattform, die Fahrer und Fahrgäste über eine Smartphone-App verbindet.

Internet-Unternehmen ­drängen in die Industrie

"Das Verhältnis von Originalherstellern, Zulieferern und Dienstleistern wird in den kommenden Jahren neu definiert. Internet-Unternehmen investieren bereits in klassische Branchen", so Henning Kagermann, der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Traditionelle Industrieunternehmen sehen sich inzwischen in ihren etablierten Branchen bedroht. Ein solches Beispiel gibt Google [1] ab: Das Unternehmen hat 2013 mehrere Roboter-Unternehmen übernommen. "Google könnte ein Roboter-Betriebssystem ähnlich Android in den Markt bringen, das herstellerunabhängig installiert werden kann und an eine offene Google-Plattform angebunden ist", so eine Studie des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) [2]. Dies ist möglich, weil die Steuerung der Roboter durch Sensoren und Algorithmen zunehmend datengetrieben ist. Eine Vielzahl an Roboterfunktionen könnte durch extrem günstige Software-Applikationen verfügbar gemacht werden, ähnlich den Apps eines Smartphone-App-Stores. Etablierte Roboter-Hersteller würden dadurch zum Hardware-Lieferanten degradiert, denn die Software-Anbieter übernehmen den direkten Kontakt zum Kunden. Ein vergleichbares Konzept steht hinter dem selbstfahrenden 'Connected Car' von Google. Hier richtet sich das Geschäftsmodell nicht auf den Bau von Fahrzeugen, sondern auf Daten-getriebene Mobilitäts-Dienstleistungen.

"Wir sagen voraus, dass sich in den nächsten fünf Jahren die Gewinner von den Verlierern in diesem Bereich trennen werden", so Frank Riemensperger vom Beratungsunternehmen Accenture. Eine Studie von Roland Berger für den Bundesverband der Industrie kommt zu dem Ergebnis, dass die digitale Transformation die Wertschöpfung im produzierenden Gewerbe zugunsten einfacher, standardisierter IT-Lösungen verschiebt. Neue Anbieter gefährden die Schnittstelle zum Kunden. Die digitale Transformation wirkt demnach über vier Hebel: Digitale Daten, Automatisierung, Vernetzung und digitaler Kundenzugang: "Im Zuge der Verfügbarkeit digitaler Massendaten, der Automatisierung von Fertigungsprozessen, der Vernetzung von Wertschöpfungsketten und der Herausbildung digitaler Kundenschnittstellen kommt es zur Transformation von Geschäftsmodellen und zur Neugliederung ganzer Branchen. Neue, branchenfremde Akteure können sich mit innovativen Geschäftsmodellen wesentliche Teile der Wertschöpfung aneignen. Die 'Winner takes all'-Logik digitaler Märkte führt dazu, dass bereits der zweite Sieger trotz überlegener Technik der erste Verlierer sein kann." Als Konsequenz nennt die Studie: "Aus dieser Verschiebung des Wertschöpfungsanteils und der Disruption der Kundenschnittstelle ergibt sich ein Szenario, das die starke Stellung der deutschen und europäischen Weltmarktführer nachhaltig bedroht."