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Nachgehakt bei Oliver Merget: Vom Komponenten-Hersteller zum Lösungsanbieter

Die Komponentenhersteller der Automation stehen vor dem Problem, dass die Kunden zusehends nach kompletten Lösungen verlangen. Das Unternehmen Turck reagierte auf diesen Trend, indem es schon Ende 2002 mit Turck Mechatec eine GmbH gründete, die sich um das Lösungsgeschäft kümmern sollte. Oliver Merget erläutert, wie sich bei Turck seither das System- und Lösungsgeschäft entwickelt.

Oliver Merget von Turck Bildquelle: © Turck

Oliver Merget, Leiter des Geschäftsbereiches Automation Systems bei Turck: "Das Lösungsgeschäft wird für uns weltweit immer wichtiger!"

Herr Merget, das Wort „Systemanbieter“ kann man sehr weitläufig definieren. Was wollte Turck im Jahr 2002 unter dem Begriff anbieten, als es das Unternehmen Mechatec ins Leben rief?

Zum damaligen Zeitpunkt verstand man bei Turck unter diesem Begriff noch die kundenspezifische Anpassung von Standard-Komponenten sowie deren Weiterverarbeitung. Wir haben auf Basis von Kleinserien kundenspezifische Anpassungen unserer Produkte gemacht. Ein zweites Standbein war seinerzeit der Schaltschrankbau für die unterschiedlichsten Kunden. Schließlich hatten wir zu der Zeit auch den Markteintritt mit unserer dezentralen Peripherie für die Prozessautomatisierung, dem Remote-I/O-System Excom. Hierzu war es erforderlich, in einer für diese Branche qualifizierten Werkstatt Komponenten nach den einschlägigen Normen zu kombinieren und zu integrieren.

In dieser Gründungszeit der Turck Mechatec waren wir allerdings noch weit entfernt von einem kompletten Systemanbieter, der dem Kunden eine Lösung von der Idee bis zur kompletten Realisierung inklusive der zugehörigen Consulting-Dienstleistungen anbietet.

Wie hat sich das System- beziehungsweise Lösungsgeschäft mittlerweile weiterentwickelt?

In den gut zehn Jahren seither haben wir uns im Umfeld der Fabrikautomatisierung zu einem Komplettanbieter weiterentwickelt. Wir können nunmehr von der Idee über die Planung bis hin zur Realisierung alle Aufgaben der Automatisierungstechnik für den Kunden erledigen. Wir beraten heute den Kunden und entwickeln mit ihm Lösungsansätze in den Bereichen Hardware und Software. Vor allem was die Felder Engineering, Inbetriebnahme, Dokumentation und Consulting betrifft, haben wir uns mit der Mechatec in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt.

Wie sehen die weiteren Pläne aus?

Die Pläne sind ganz klar darauf ausgerichtet, unsere Kompetenz gerade in den Bereichen Consulting und Engineering weiter auszubauen. So können wir neben der Programmierung von SPS-basierten Steuerungen und HMI-Komponenten auch höherwertige Anwendungen in den Bereichen Datenbank-Applikationen und MES offerieren. Darüber hinaus wird das Systemgeschäft einer der Bausteine sein, unser neues Produktfeld UHF-Anwendungen im RFID-Sektor im Markt zu platzieren. Für diese Anwendungen ist es besonders wichtig, als Produktlieferant das ganze Spektrum an Consulting, Engineering und Service mit anzubieten.

Welche Umsatz- und Mitarbeiterzahlen stehen heute hinter dem Lösungsgeschäft? Wie soll sich das Geschäft weiterentwickeln?

Merget: Das Lösungsgeschäft wird für Turck nicht nur in Deutschland und Europa sondern weltweit immer wichtiger. Dabei differenzieren wir allerdings nach Märkten, wer sich konkret um das Lösungsgeschäft kümmert: Die Mechatec bedient vorrangig den lokalen Markt mit Komplettlösungen. In Europa sind wir teilweise Volllieferant, wobei die Koordination für das Lösungsgeschäft die jeweiligen Turck Landesgesellschaften häufig mit lokalen Kräften und Integratoren abwickeln. In China unterhalten wir seit
Jahren einen eigenen Unternehmensbereich, der Komplettlösungen für die Kunden vor Ort realisiert. Das Lösungsgeschäft in Summe bewegt sich bei Turck heute schon im unteren zweistelligen Millionenbereich. Dies erreichen wir mit rund 150 Mitarbeitern.

Mechatec ist zwar ein interessanter Ableger, das Kerngeschäft von Turck wird hierdurch allerdings nicht weiter beeinflusst. Sprich: Bleibt Turck ein Komponentenanbieter? Bleibt der Schritt hin zum System- beziehungsweise Lösungsanbieter auf Nischen begrenzt?

Die Stärke von Turck war in der Vergangenheit das Produktgeschäft – das bleibt auch in Zukunft so. Auf dieser Basis aufbauend, wollen wir jedoch zielgerichtet unser System- und Lösungsgeschäft weiterentwickeln. Wir wollen beim Lösungsgeschäft möglichst viele Turck-Produkte einsetzen, somit benötigen wir beides. Zum einen hervorragende Produkte, die eine breite Anwendung im Markt finden. Auf der anderen Seite das System-Lösungsgeschäft, in dessen Rahmen wir weitere Ideen und Anforderungen für Neuentwicklungen generieren.

Somit ist klar: Wir haben nicht die Absicht, nur Nischen abzudecken. Wir wollen vielmehr über das System- und Lösungsgeschäft gezielt unser Produktportfolio weiter ausbauen. Letztlich geht es darum, die Anforderungen der Kunden möglichst effizient zu realisieren, deshalb werden wir uns als Anbieter von hochwertigen Automatisierungslösungen sowohl im Produkt- wie auch im Lösungsangebot kontinuierlich weiterentwickeln.