Fraunhofer IZM

Mehr recycelte Kunststoffe in Elektronik-Produkten

22. Juli 2022, 9:03 Uhr | Inka Krischke
Fraunhofer IZM, Inceace
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Als Teil des EU-Aktionsplans zur Kreislaufwirtschaft wurde 2018 die Strategie für Kunststoffe verabschiedet: Ihr Ziel ist es, den Anteil recycelter Kunststoffe in neuen Produkten zu erhöhen. Das Increace-Projekt hat sich an die Umsetzung gemacht.

Zentrales Element bei der Strategie für Kunststoffe ist, dass bis 2025 zehn MillionenTonnen recycelter Kunststoffe in neuen Produkten in den europäischen Markt einfließen sollen - 2016 warem es noch weniger als vier Millionen Tonnen. Lediglich 5,3 Millionen Tonnen Kunststoff-Material sind 2016 in die EU-Recyclinganlagen eingegangen. Nach dem Recyclingprozess verringert sich die Ausbeute an Recyclingkunststoffen üblicherweise nochmal um die Hälfte. Es gilt also, sowohl die Sammelquote als auch die Ausbeute deutlich zu steigern und mehr gesammeltes Material in die Anlagen einzuspeisen, so dass es weder verbrannt noch deponiert oder exportiert wird. Darüber hinaus ist es wichtig, die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff anzukurbeln, insbesondere bei höherwertigen Anwendungen wie Elektro- und Elektronikgeräten (EEE). Recycelte Kunststoffe werden derzeit vorwiegend im Baugewerbe (46%), der Verpackungsindustrie (24%) und in der Landwirtschaft (13%) eingesetzt – und nur 2% der Rezyklate landen aktuell in den EEE. Dies entspricht circa 80.000 Tonnen recycelter Kunststoffe in neuen elektrischen und elektronischen Geräten - das theoretische Marktpotenzial in der EU beträgt jährlich rund 2.100.000 Tonnen.

Hier setzt das Increace-Projekt an. Mit diesem Projekt, an dem unter anderem das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM beteiligt ist, soll der Einsatz recycelter Kunststoffe in verschiedenen Produkten mittels innovativer und interdisziplinärer Lösungen entlang der Recycling-Wertschöpfungskette gesteigert werden. Dieser systemische Rahmen ist in den EEE-Kontext eingebettet.

Mit dem Einsatz der Kunststoffe aus EE-Altgeräten (WEEE) werden im Increace-Projekt Bereiche adressiert, in denen der Gebrauch recycelter Kunststoff-Materialien heute noch marginal ist: Fünf Anwendungsfälle stehen im Mittelpunkt des Projekts, die mitunter komplexe Aspekte im EEE-Bereich wie Lebensmittelkontakt, Medizinanwendungen, Elektrostatische Entladung (ESD) und UL94-Entflammbarkeitsnormen sowie Hightech-Kunststoffkomponenten in Elektro- und Elektronikgeräten abdecken. Um die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen zu meistern, bringt Increace Akteure verschiedener Sektoren wie Forscher, Recycler, Produktdesigner, Komponenten- und EEE-Hersteller, Softwareentwickler, ein Extended Producer Responsibility-System sowie Berater zusammen. Technologien und Methoden aus den unterschiedlichen Disziplinen werden kombiniert, um zu demonstrieren, dass gezielte Maßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eine effektive Lösung sind, um mehr Post-Consumer-Kunststoffe in EEE einzusetzen.

Die Projektpartner entwickeln datenbasierte Sortiersysteme, die verhindern, dass potenziell gefährliche Stoffe in den Kreislauf des Kunststoff-Recyclings gelangen. Zudem kombinieren sie komplementäre Recyclingtechnologien (mechanisch, chemisch und lösungsmittelbasiert), um die Gesamtausbeute bei der Verwertung zu erhöhen. Die Rückverfolgbarkeit der Materialien spielt dabei eine entscheidende Rolle. Daher stützt sich Increace auf einen innovativen Blockchain-Ansatz. Das gesamte Konzept wird auf konkrete Fallbeispiele angewandt und danach validiert. Ebenfalls werden die Auswirkungen systematischer Transformationen in der Kunststoffindustrie aus wirtschaftlichem, regulatorischem, technologischem und materiellem Blickwinkel analysiert. Darüber hinaus soll das Projekt Menschen und Gemeinden dazu anregen, die eigene Rolle bei der Umstellung auf Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Kunststoffe zu stärken - beispielsweise durch eine optimierte Sammlung von Kunststoffabfällen und eine Steigerung der Nachfrage nach Produkten mit Kunststoffrezyklat-Einsatz. Im weiteren Verlauf kann die Wirksamkeit der erworbenen Kenntnisse durch gezielte Anregungen zur Standardisierung (zum Beispiel Definition von Rezyklaten, Rückverfolgbarkeit und Prüfverfahren, Qualitätskontrolle, Beurteilung der Anwendbarkeit für bestimmte Produkte) im Rahmen politischer Entscheidungsfindung ebenso wie für die aktive und umfassende Einbindung aller relevanten Interessengruppen als Akteure im Transformationsprozess hin zum Kunststoffkreislauf gesteigert werden.

In den nächsten Monaten werden die Projektpartner technische Anforderungen sowie für die Produktion von Recyclingprodukten notwendige Mengen von Kunststoffabfall definieren, Stakeholder und Wertschöpfungsketten für die einzelnen Fallbeispiele erfassen, um dann geeignete Recyclingtechnologien für jede Produktlinie zu identifizieren.

Die Increace-Projektpartner sind:

  • • Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung (Fraunhofer IZM Koordinator, Fraunhofer IVV Projektpartner)
  • • Vlaamse instelling voor technologisch onderzoek (VITO)
  • • Katholieke Universiteit Leuven - KU Leuven
  • • Pezy Group
  • • Plastika Skaza
  • • Vorwerk Elektrowerke GmbH
  • • Neste Oyj
  • • Partners for Innovation
  • • Mirec
  • • Cabka Spain Sociedad Limitada
  • • PAS Deutschland GmbH
  • • Universiteit Maastricht
  • • SAP SE
  • • EGEN
  • • Philips Electronics Nederland
  • • Erion Compliance Organization S.c. a r.l.

Das Increace-Projekt wird von der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) der Europäischen Kommission im Rahmen des Horizon Europe Cluster 4 Programms gefördert.


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