Forschung

Die Wahl der Förderung

7. Juli 2022, 13:28 Uhr | Jens Gieseler
Das Tool zur digitalen Inbetriebnahme.
© ISG

Forschungsprojekte können entweder durch klassische Projektförderung von Land, Bund oder EU oder durch die Forschungszulage gefördert werden können. Wann macht was Sinn?

Die klassische Projektförderung hat für viele Projekte - insbesondere in der IT-Branche -  einen Haken: Mit hohem Personaleinsatz in drei, bis neun Monaten abgeschlossen, sind derartige Projekte zu kurzfristig für die langwierige Beantragung. Doch seit Anfang 2020 gibt es die sogenannte Forschungszulage. Innovative Unternehmen können ein Viertel der FuE-Personalkosten steuerlich geltend machen. Vorteile dieser neuen Förderung: Die Anforderungen an die Entwicklungsprojekte sind gering, denn sie beinhalten angewandte, produkt- oder verfahrensbezogene Entwicklungen, die den technologischen Stand im Unternehmen übertreffen. Als Beispiel für eine geförderte Entwicklung hat die ISG eine offene Simulationsplattform auf Basis eines digitalen Zwillings entwickelt, in die sogar externe Simulationsmodelle eingebunden werden können sowie virtuelle Steuerungen und reale Hardware, sodass eine Echtzeitsimulation unter voller Kontrolle entsteht. Die Beantragung ist relativ unbürokratisch und vor allem kann der Antrag auch noch rückwirkend gestellt werden. So steht der ISG rund eine halbe Million Euro zusätzliche Liquidität in Aussicht, die in weitere innovative Projekte gesteckt werden kann.

Seit rund zehn Jahren arbeiten das Stuttgarter Unternehmen ISG mit dem Förder-Versteher Partner für Innovation und Förderung (PFIF) zusammen. War es in den ersten Jahren lediglich etwa ein Projekt, das jährlich gefördert werden konnte, sind es inzwischen eher vier geworden, die sich hälftig auf die beiden ISG-Spezialgebiete Simulation und CNC verteilen. Zweimal jährlich trifft man sich, um sich grundsätzlich auszutauschen, beinahe wöchentlich gibt es ein Telefonat zwischen Stuttgart und Lahr. Das ist notwendig, denn mit seinen Hintergrundinformationen über bestimmte Fördertöpfe berät PFIF seine Kunden und betont inhaltliche Aspekte, so dass sie genau zu der Ausschreibung passen – gleich ob im Maschinenbau, Elektromedizin oder Textilindustrie, deren Projekte alle digitaler werden.

Forschungszulage: Die Erfolgschancen sind höher

Da Projekte nur entweder durch klassische Projektförderung von Land, Bund oder EU oder durch die Forschungszulage gefördert werden können, ist die Einschätzung durch einen Spezialisten eminent wichtig. So wird ein Schulungsprogramm mit dem digitalen Zwilling als Zuschussprojekt vom BMBF gefördert, weil es ein langfristiges, strategisches Projekt ist. Denn der Zwilling soll künftig nicht nur für die schnellere Inbetriebnahme genutzt werden, sondern eben auch für eine virtuelle Schulung vor Inbetriebnahme oder für neue Mitarbeiter. Dafür entwickeln die Stuttgarter zusammen mit der Universität Bamberg ein didaktisches Konzept, indem wie im Flugsimulator auch Fehlerszenarien problemlos durchgespielt werden können. Derart heikle Situationen lässt kein Maschinenbauer an seiner realen Anlage zu – Notaus, Maschinenstillstand oder gar mutwillige Fehler.

Zwar gibt es durch die Projektförderung höhere Zuschussquoten von bis zu 60 Prozent, doch der zeitliche und bürokratische Aufwand ist höher und die Erfolgschancen sind gleichzeitig geringer als bei der Forschungszulage. Dagegen ist diese praktisch wie für IT-Unternehmen gemacht, weil sie stärker auf kurzfristige Projekte mit einem geringeren Innovationsgrad abzielt.

Der Autor: Jens Gieseler ist freier Journalist


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