Interview mit Patric Scholz, Flecs

Die SPS nutzen wie ein Smartphone

8. November 2022, 18:06 Uhr | Meinrad Happacher
Patric Scholz, Flecs
© Flecs

Im Sommer 2021 ging das Start-up Flecs mit einem neuen Geschäftsmodell an den Start: Man will die Installation und Aktualisierung industrieller Apps auf Steuerungen automatisieren. Erstmalig auf der SPS vertreten, erläutert Patric Scholz, Co-Founder, was es Neues zu sehen gibt.

Was verbirgt sich hinter Flecs?

Patric Scholz: Der Marketplace, über den wir Apps zur Verfügung stellen, ist nur ein Teil der Gesamtlösung. Flecs ist vielmehr, quasi eine Kommunikationsschicht, die dem Maschinenhersteller hilft, genau die Software-Lösungen zu verwenden, die für seine spezielle Maschine benötigt werden. Unser Service Mesh beispielsweise lässt alle Apps einer Anwendung miteinander sprechen und Daten austauschen. Und das Beste: Die Lösung lässt sich komplett hardwareunabhängig auf jeder SPS oder Standardhardware installieren. Als SPS-Hersteller habe ich damit unter anderem die Möglichkeit, meinem Kunden modular genau die Software-Konfiguration zu liefern, die er braucht. Und das alles in Losgröße 1 ohne zusätzliche Kosten. Unsere Lösung bietet sich aber auch für den Retro-Fit von alten Maschinen an,  als sogenanntes Edge Device. Dabei wird teilweise gar keine neue Hardware benötigt, sondern auf bestehende Server in der Infrastruktur gesetzt.

Haben Sie denn schon Automatisierungshersteller, die Ihre Plattform einsetzen werden?

Auf der Messe zeigen erste SPS-Hersteller ihre neuen Geräte-Generationen mit Flecs-Unterstützung. Zu nennen sind etwa Baumüller, Weidmüller, Salz Automation, TTTech und Software Defined Automation. Des Weiteren unterstützen wir eine Reihe von Linux-basierten Industrie PCs und Standardhardware, wie etwa den Raspberry Pi. Unser App-Portfolio mit namhaften Herstellern wie Inosoft, Softing, Straton, IniNet, Mirasoft, Inasoft und vielen anderen, umfasst mittlerweile knapp 30 installierbare Apps und weitere sind kurz vor Veröffentlichung.

Was unterscheidet Ihre Lösung von anderen – etwa dem App Store von Bosch Rexroth?

Zunächst einmal zeigen alle diese Lösungen, dass die Zeit reif für eine Veränderung ist. Uns ist Transparenz sehr wichtig – unsere Lösung ist deshalb komplett in Open Source gehalten und kann nach Belieben angepasst und verbessert werden. Sie ist so ausgelegt, dass sie sich auf beliebigen Linux-Distributionen und -Anpassungen mit geringstem Aufwand einrichten lässt. Jeder Anwender kann selbst entscheiden, ob er unser Komplettpaket oder nur einen Teil davon verwenden möchte. Diese Flexibilität wird von SPS-Herstellern sehr geschätzt und bietet ihnen großen Spielraum für die Differenzierung zum Wettbewerb.

Wäre eine Zusammenarbeit mit App-Store-Anbietern – wie etwa der I4.0 Alliance – nicht eine Win-Win-Situation?

Das ist ein sehr guter und wichtiger Punkt! Gerade mit der I4.0 Alliance sind wir auch schon im Austausch und wir sind zuversichtlich, dieser bald beitreten und unseren Beitrag dort leisten zu können. Aus technischer Sicht sehen wir da geringe Hürden. Und aus strategischer Sicht verfolgen wir ja dasselbe Ziel: Wir wollen den Automatisierern etwas an die Hand geben, mit dem sie zukunftsfähige Lösungen erstellen können ohne an einzelne Hersteller oder Organisationen gebunden zu sein.

Flecs auf der SPS 2022: Halle 6, Stand 240

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