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Die SPS im Rechenzentrum


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Umsetzung der zentralisierten Architektur

Der Edge-Server mit Edge-Plattform, auf der mehrere Workloads laufen.
Der Edge-Server mit Edge-Plattform, auf der mehrere Workloads laufen.
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Mit den genannten Mechanismen, Technologien und Standards lässt sich die integrierte und zentralisierte Architektur nicht nur hypothetisch beschreiben, sondern auch umsetzen, wie es bereits in verschiedenen Testbeds und Demonstratoren der Fall ist.
Die organisatorischen Herausforderungen schließlich sind keinesfalls zu vernachlässigen, aber auch hier gibt es Ansätze, um eine Lösungsperspektive zu entwickeln. Einerseits ändert sich am Modell der Steuerung betreffend Programmierung und Laufzeit-Verhalten nichts: Unverändert wird das Programmiermodell nach IEC 61131 eingesetzt, auch wenn die resultierende Steuerungsapplikation als Soft-SPS aus-geführt wird und ausschließlich über Feldbus-Schnittstellen mit der Feldebene kommuniziert. Einzelne Entwicklungen zielen auch bereits in Richtung Erweiterung der zentralisierten Architektur nach den Maßgaben der IEC/EN 61499 für verteilte Steuerungen. Doch auch dies ändert nichts am grundsätzlichen Modell. 

Andererseits ist die Konfiguration, Inbetriebnahme und Wartung einer zentralisierten Edge-Plattform für das Hosting von Steuerungen doch ein ganz anderes Aufgabengebiet als die Programmierung und Nutzung einer SPS. Wenig erfolgversprechend wäre daher ein Ansatz, der die beiden Systemaspekte – SPS und Edge-Plattform – untrennbar integriert und gemeinsam verwalten möchte. Stattdessen scheint es zweckmäßig, wenn der Lifecycle der Steuerungsanwendungen wie bisher die Domäne der Experten für diese Anwendungen bleibt, während sich die IT-Abteilung um die Installation und Wartung der Edge-Server und der darauf laufenden Hosting-Infrastruktur kümmert. Die essenziellen Schnittstellen, die für Robustheit und Determinismus gemäß den Anforderungen der Automatisierung sorgen, müssen in einem entsprechend zertifizierten ‚Edge-Computing-Plattform‘-Produkt enthalten sein, denn diese Kompetenz ist für gewöhnlich weder bei den Experten für Steuerungen noch in einer IT-Abteilung zu finden. 

 

Blick in die Zukunft

TTTech Computertechnik
Georg Stöger ist Director Technical Presales und Training Industrial bei TTTech Industrial Automation
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Eine konsequent zentralisierte Architektur für Steuerungen in der Automatisierung ist momentan nicht Stand der Technik. Die aktuelle Architektur, in der nahezu jede Steuerung direkt bei ihrer Applikation als Hardware-SPS realisiert wird, ist bestens etabliert. Wenn aber die Notwendigkeit für mehr Flexibilität und dynamische Änderungen an einem stark vernetzten Automatisierungssystem es nahelegt, können die Methoden und Technologien für eine Integration und Zentralisierung von Steu-erungen in einer Edge-Computing-Architektur mit Edge-Servern und Edge-Rechenzentren eine gute Alternative bieten.

Solche Lösungen sind bereits vorhanden: So integriert die industrielle Edge-Computing-Plattform Nerve von ‚TTTech Industrial Hypervisor‘ Soft-SPS und zentrales Applikationsmanagement in einer offenen Lösung. Damit ist sichergestellt, dass bei einer Migration in eine solche zentralisierte Architektur die Offenheit und Herstellerunabhängigkeit so gut wie derzeit oder noch besser gewährleistet wird.


  1. Die SPS im Rechenzentrum
  2. Vor- und Nachteile der integrierten Architektur
  3. Umsetzung der zentralisierten Architektur

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