App Stores der Industrie

Der Industrial APP Marketplace aus OWL

23. November 2021, 6:33 Uhr | Meinrad Happacher
Der Industrial APP Marketplace Demonstrator aus Lemgo
Sascha Heymann, Fraunhofer IOSB-INA, und Jan Alsters, Phoenix Contact, vor dem Industrial APP Marketplace Demonstrator aus Lemgo.
© Fraunhofer IOSB_INA

Ende April stellte die OWL-Maschinenbau-Initiative den Industrial APP Marketplace vor: eine Online-Plattform für Docker-Container. Was steckt hinter dem Marketplace und welche Möglichkeiten bringt er den Anwendern? Sascha Heymann vom Fraunhofer IOSB-INA klärt im Interview auf.

Herr Heymann, welche Idee steckt hinter der OWL-Plattform?

Heymann: Während im Konsumentenbereich Marktplätze breite Anwendung finden, ist im industriellen Bereich das Potenzial noch nicht erschlossen. Dies liegt an der fehlenden Architektur von interoperablen und einfachen Marktplätzen für industrielle Anwendungen. Dabei bietet das IIoT der Industrie neue intelligente Technologien als Lösung.

Auch die Nachfrage für leistungsstarke Feldgeräte mit Edge-Computing Funktionen wächst stetig und damit auch die Anzahl der Hardware-Hersteller. Da in diesen Feldgeräten meist heterogene CPUs und eigene maßgeschneiderte Linux-Distributionen oder Echtzeitbetriebssysteme verwendet werden, ist es im Vergleich zu mobilen Geräten für unabhängige Entwickler eine Herausforderung interoperable APPs zu entwickeln. Aus diesem Grund bietet die Container-Virtualisierung Docker als fundamentale Abstraktionsschicht die Basis für APPs auf industriellen Geräten.

Das ermöglicht den Software-Entwicklern APPs im Feld auf modulare Art und Weise plattformunabhängig zu entwickeln. Dies und eine Lösung für einen unkomplizierten Rollout der APPs auf die Feldgeräte sind die beiden grundlegenden Voraussetzungen für einen offenen Industrial APP Marketplace. Wie eine auf Open-Source-Entwicklungen basierende Lösung aussehen kann, erarbeiten wir in einer offenen Community aus Wirtschaft und Wissenschaft in OWL seit 2020.

Die webbasierte Online-Plattform des Industrial APP Marketplace läuft seit einigen Monaten im Testbetrieb. Wie sieht die weitere Roadmap aus?

Heymann: Ein gemeinsamer herstellerneutraler Marktplatz speziell für die Bedarfe der Industrie in denen pattformunabhängige Lösungen gekauft und angeboten werden können, würde zu einem immensen Wachstum im gesamten industriellen Marktsegment führen. Um die hierfür notwendige Interoperabilität zu gewährleisten, trifft sich die Community im Dezember in der SmartFactoryOWL in Lemgo, um im Rahmen eines Hackathons gemeinsame Herausforderungen zu lösen. Ich bin mir sicher, dass sich daraus neue Fragestellungen ergeben, die wir in 2022 gemeinsam in der Community angehen werden.

Bei der Industrie 4.0 Alliance wird sich die Firma Hilscher ja um den Support der Plattform kümmern. Wie sieht das bei Ihrer Plattform aus? Wer wird Service und eine  Vermarktung übernehmen?

Heymann: Wir als Fraunhofer IOSB-INA bieten als Forschungseinrichtung Unternehmen und Start Ups unsere Hilfe bei der Entwicklung und Einrichtung einer herstellerneutralen Plattform und notwendiger Technologien an. Unsere Aufgabe ist es jedoch nicht, Produkte über den Prototypenstatus hinaus in einen Markt einzuführen und mit IT-Anbietern zu konkurrieren. Mit unserem Demo Marktplatz ermöglichen wir alle Funktionen vorwettbewerblich zu erproben und praxistauglich weiterzuentwickeln.

Wir sind aber immer auf der Suche nach Partnern, welche mit unserem Know how gemeinsam einen Industrial APP Marketplace in die Umsetzung und Markteinführung bringen. Dass sich das Geschäft mit Marktplätzen lohnen kann, zeigen uns die IT Großkonzerne in den USA.


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