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Automation im Maschinenbau

Bosch Rexroth kündigt 'ctrlX Automation' an

09. September 2019, 11:35 Uhr   |  Günter Herkommer

Bosch Rexroth kündigt 'ctrlX Automation' an
© Computer&AUTOMATION

Der offizielle Launch von 'ctrlX Automation' erfolgt zur SPS-Messe in Nürnberg (26.–28. November 2019).

Anfang September lud Bosch Rexroth die Fachpresse zu einer exklusiven Preview nach Ulm. Im dortigen Innovation Lab fiel der Vorhang für 'ctrlX Automation'. Dahinter steht eine völlig offene Software-Architektur in Verbindung mit einer komplett neuen Hardwareplattform.

Mit der Automatisierungsplattform ‚ctrlX Automation‘ möchte Bosch Rexroth die klassischen Grenzen zwischen Maschinensteuerungen, IT und dem Internet der Dinge aufheben. Die skalierbare Plattform ermögliche die flexible Gestaltung sowohl von zentralen als auch von dezentralen Topologien. Mit einem Linux-Echtzeit-Betriebssystem basierend auf der Linux-Distribution Ubuntu, offenen Standards, App-Technologie für die Programmierung, einem webbasierten Engineering und umfassender IoT-Anbindung reduziert ctrlX Automation den Engineeringaufwand künftig um 30 bis 50 % – verspricht das Unternehmen.

Preview bei Bosch Rexroth: Das steckt hinter 'ctrlX Automation'

Das Gebäude des Innovation Lab von Bosch Rexroth
Heiner Lang von Bosch Rexroth
Steffen Winkler von Bosch Rexroth

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Der Startschuss für die Entwicklung der neuen Plattform fiel bereits vor über zwei Jahren als man sich intensiv mit der Frage auseinandersetzte: Wie sieht die Zukunft der Steuerungstechnik im Fabrikumfeld aus? Ausgangspunkt war laut Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions, die Erkenntnis, dass Maschinen heute immer noch wie die meisten Autos seien: „Gestern entwickelt, kaum upgrade-fähig für morgen und ermöglichen selten einen einfachen und sicheren Datenzugriff. Hinzu kommt: Engineeringaufwände sind starke Kostentreiber und und Hardware-Upgrades erfordern immer auch aufwendige Software-Umstellungen. Gleichzeitig sind Softwareentwickler aber Mangelware!“

Auf der Suche nach der passenden Antwort beschritt man in Lohr a. Main in mehrerlei Hinsicht neue Wege: „Anstatt – wie bisher oft üblich – die Kunden zu befragen, wie aus ihrer Sicht künftige Automatisierungstechnik aussehen sollte, haben wir selbst ermittelt, was die Kunden wollen – und zwar bevor sie es selbst tun!“, so Dr. Heiner Lang, Mitglied des Bereichsvorstandes und zuständig für Entwicklung & Fabrikautomation von Bosch Rexroth. Dass dies ein gewisses unternehmerisches Risiko birgt, ist sich der Rexroth-Vorstand durchaus bewusst, aber dennoch davon überzeugt, „dass es der einzig richtige Weg ist.“ Ebenfalls ein Novum: „Wir haben uns gefragt, wie würde Automatisierungstechnik aussehen, wenn nicht ein Automatisierungstechniker sie entwickeln würde, sondern Firmen wie Apple, Google oder Microsoft“, sagt Steffen Winkler und liefert hierfür auch die Begründung: „Maschinenbau ist heute Software-Entwicklung und die Nutzer von morgen sind die Digital Natives, die in ihrem Studium keinen G-Code oder IEC 61131 mehr lernen. Dem gilt es Rechnung zu tragen!“

Heraus gekommen ist schließlich ctrlX – eine komplett offene Automatisierungsplattform, die  neueste Software-Technologien für das Engineering sowie sämtliche SPS- und Motion-Aufgaben integriert und dabei nahezu beliebige Softwarefunktionen durch vorgefertigte oder selbst erstellte und erstellbare Apps kombiniert. Diese Apps – jede von ihnen läuft in einer eigenen ‘sandbox’ – lassen sich in einer Vielzahl von Programmiersprachen wie C++, Skriptsprachen wie Python oder neuen grafischen Sprachen wie Blockly erstellen. Mit anderen Worten: Die klassische Programmierung nach IEC 61131, PLCopen oder G-Code ist weiterhin möglich, jedoch nicht mehr zwingend erforderlich. Die Runtime der Steuerung basiert jedoch nach wie vor auf Codesys.