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Automatisierungsoftware: Die Trends beim Versionsmanagement

Fortsetzung des Artikels von Teil 3.

SVN-Schnittstelle als Standard oder gegen Aufpreis

Standard-Kontextmenü für Anwendungsfälle Bildquelle: © ITQ

Das Standard-Kontextmenü von Tort­oise­SVN im Windows Explorer: Hiermit sind schon etwas mehr als die alltäglichen Anwendungsfälle bei der Verwendung eines Versions­verwaltungstools abgedeckt.

Projekte basierend auf Steuerungssoftware des Anbieters B&R haben in dieser Beziehung eine kleine Sonderstellung: Dadurch, dass hier die Module schon im File-System in einzelne Dateien abgelegt werden, ist ein Im- und Export nicht nötig. B&R liefert mit der Entwicklungsumgebung auch eine Schnittstelle zu SVN mit, jedoch mit weniger Funktio­nalität als es TortoiseSVN bietet. Außerdem legt der österreichische Steuerungshersteller die grafischen Programmiersprachen und tabellarischen Variablen-Deklarationen im XML-Format ab, so dass ein Text-Vergleich immer möglich ist. Allerdings ist das Vergleichen von XML-Dateien mühsamer und bedarf etwas Einarbeitungszeit.

Andere Freeware-Tools wie GIT, Mercurial und Bazaar, die hinsichtlich der Funktionsweise Subversion sehr ähneln, bieten die Möglichkeit, ohne direkte Serververbindung zu arbeiten. Es handelt sich hierbei um verteilte Versionsverwaltungssysteme, bei denen jeder Benutzer eine lokale Kopie des gesamten Repositories inklusive der Versionsgeschichte besitzt. Im direkten Vergleich ist GIT am weitesten entwickelt und bietet die meiste Funktionalität sowie ausgereifte Explorerfunktionen.

Bei der Verwendung von Codesys V3 hat der Anwender ab etwa Mitte des Jahres die Möglichkeit, eine SVN-Integration gegen Aufpreis zu bestellen. Diese wird eine ähnliche Funktion in die Datenbank integrieren können, wie den Projektvergleich, der bereits seit längerem für die Version 2 verfügbar ist. Somit werden auch Programmiersprachen wie KOP und FUP direkt vergleichbar sein. Anders als bei dem für Version 2 bestellbaren ENI-Server handelt es sich bei Codesys V3 jedoch um eine direkte Integration, deren Konfiguration einfacher werden soll. Anbieter von Codesys-V3-basierten Entwicklungsumgebungen, wie sie zum Beispiel für die Programmierung von Steuerungen der Hersteller Schneider Electric, Beckhoff oder Bosch zur Anwendung kommen, können diese Integration ab Sommer ebenso hinzubestellen.

Bildhafter Vergleich von Kontaktplan Bildquelle: © ITQ

Bildhafter Vergleich von Kontaktplan mit Versiondog am Beispiel von Siemens: Der Programmierer muss sich nicht durch kryptische Textvergleiche quälen.

Direkt auf die Versionsverwaltung für die Automatisierungstechnik spezialisiert sind die Produkte VersionWorks (Rockwell Automation Solutions) und Versiondog (Auvesy). Das Tool Version­Works bietet neben der Versionierung und dem bildhaften Vergleich von Rockwell-Programmen auch Schnittstellen zur Siemens- und Codesys-Welt an, wird in seiner jetzigen Form jedoch nicht mehr weiterentwickelt. Die Firma Rockwell hat vielmehr entschieden, diese Funktionalitäten mit in die Software „FactoryTalk AssetCentre“ zur Verwaltung der Anlagengüte (Asset Management) aufzunehmen.

Seit 2007 widmet sich auch die Firma Auvesy der Versionsverwaltung und automatischen Sicherung in der Automatisierungstechnik und bietet das verteilte Versionsverwaltungssystem Versiondog an. Dieses Tool empfiehlt sich als herstellerübergreifende Lösung vor allem für Maschinen- und Anlagenbauer, aber auch für produzierende Endkunden, welche unterschiedliche Steuerungsprogramme versionieren wollen. Die Firma kooperiert diesbezüglich mit bekannten Anbietern wie ABB, Siemens, Schneider Electric, 3S oder Phoenix Contact. Wie von anderen Systemen gewohnt, bietet Versiondog auch den Vergleich von Office-Dokumenten und sogar von pdf-Dateien an. Der Preis des Systems ist gestaffelt. Abhängig von der Anzahl der Projekte, der Vergleichertypen und der Option des automatischen Backups werden unterschiedliche Editionen oder frei skalierbare Einzel-Lizenzen angeboten.  Vor allem für Siemens-Programme ist dieses System zu empfehlen, da es CFC- oder SFC-Pläne grafisch vergleichen kann und ohne den zeitraubenden Im- und Export der Quellen auskommt. Aktuelle Systemerweiterungen wie die S7-Standard-Bausteinverwaltung oder das Verzweigen (Branching) sollen im Laufe des Jahres integriert werden.