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Automatisierung: So funktioniert die Zapfanlage 4.0

Es war eine Premiere auf der Gastronomiemesse in Amsterdam zu Jahresbeginn: Van Duijnen Horeca Service ­präsentierte zum ersten Mal eine vollkommen automatisierte ­Version ihres Zapfsystems. Die Anlage sendet Daten an die Cloud, die dadurch rund um die Uhr abrufbereit sind.

Pub Experience, Sigmatek Bildquelle: © SigmaControl

Die ‚Pub Experience‘ erscheint in gänzlich neuem Licht: Kein langes Anstellen mehr an der Bar bis man endlich an der Reihe ist. Kein hektisches Winken nach der viel zu gestressten Bedienung. Stattdessen einfach zum sogenannten ‚Friends Table‘ gehen, dort sein Lieblingsbier aussuchen und direkt mit Kreditkarte bezahlen bevor man es schließlich selbst zapft. – In etwa so sieht die Vision von Van Duijnen Horeca Service von der ‚Zapfanlage 4.0‘ aus.

Bevor das Bier aus dem Zapfhahn 4.0 rinnen kann, ist im Hintergrund jedoch eine Menge an Schritten notwendig, um die Qualität sicherzustellen, erklärt Christiaan Knopper, Innovationsmanager bei Van Duijnen Horeca Service: „Zapftechnologie mag auf den ersten Blick simpel erscheinen – was allerdings ein Trugschluss ist. Lagerung, Temperatur und Druck müssen beachtet und genau aufeinander abgestimmt werden, um die optimale Bierqualität am Zapfhahn zu gewährleisten. Weiterhin muss der Prozess im Gastbetrieb effizient ablaufen, alles hat entsprechend anwenderfreundlich zu sein und der Bar-Manager braucht schließlich durchgängigen Zugang auf alle Daten, um seinen Gästen eine konstante Qualität garantieren zu können.

Friends-Table, Sigmatek Bildquelle: © SigmaControl

Am ‚Friends Table‘ kann man seinen eigenen Zapfhahn bedienen. Die entsprechende Information wird …

Früher konnten wir lediglich die Daten puffern, bis sie vom Bezahlsystem ausgelesen wurden – danach war die Information unwiederbringlich verloren. Sprich: Es fehlte die Möglichkeit der Dokumentation, wir waren stark eingeschränkt bei Erweiterungswünschen und völlig abhängig vom Anbieter der Registrierungskassen.“

Ursächlich hierfür war, dass für die skizzierten Aufgabenstellungen in der Vergangenheit  unterschiedliche Module zum Einsatz kamen – jedes ausgestattet mit seiner eigenen Steuerung. Christiaan Knopper: „Jede Lösung für sich konnte nur eine Sache gut und brachte demzufolge auch Einschränkungen mit sich.“ Diese Limitationen führten schließlich zu einem Wechsel im Denkansatz der Organisation und damit zum Einsatz einer skalierbaren Automatisierungslösung mit Anbindung an das IoT.

CANopen, Sigmatek Bildquelle: © SigmaControl

… auf einem 3,5-Zoll-Touchscreen-Panel dargestellt. Dieses kommuniziert mit der SPS über CANopen.

Heute ist man bei Van Duijnen in der Lage, alle Daten unabhängig von anderen Anbietern zu sammeln und darauf zuzugreifen. „Wir wissen jetzt exakt, wie und wann sich welche Biermarken verkaufen, können diese wertvollen Daten verwalten und auch den Lieferanten zur Verfügung stellen“, so Knopper. Aus technischer Sicht sind aber vor allem Daten wie Druck, Temperatur und das Bemerken von leeren Fässern wichtig: „Kunden kommen mit allen möglichen Fragen auf uns zu. Wenn das Bier zu viel oder zu wenig Schaum hat – ist das die Folge einer falschen Temperatur oder eines falschen Druckes? Es ist dann deutlich einfacher und es geht viel schneller, aus der Entfernung die entsprechenden Daten auszulesen und die Parameter zu korrigieren, als einen teuren Techniker vor Ort schicken zu müssen.“

Dank des automatisierten Ablaufs beziehungsweise der dadurch möglichen, exakten Dosierung wird auch kein Bier mehr verschüttet und jedes Bier registriert. Somit könne es nicht passieren, dass beim Bezahlen das ein oder andere Getränk vergessen wird – ob nun absichtlich oder nicht. Die dadurch erzielten Einsparungen lägen bei rund 20 %. Davon abgesehen ist Knopper überzeugt, dass in Zukunft das Hauptaugenmerk für Gastronomiebetriebe nicht auf den unmittelbaren Einsparungen, sondern im Bereich der Mehrleistungen liegen wird. Dementsprechend will Van Duijnen Horeca Service auf lange Sicht nicht mehr vorrangig am Verkauf von kompletten Anlagen verdienen, sondern an der Wartung und vor allem an Abonnementmodellen à la Pay-per-Click. Gemeint ist damit ein sehr transparentes System, bei welchem dem Kunden pro ausgeschenktem Glas Bier ein gewisser Betrag in Rechnung gestellt wird. Per RFID kann der Kunde den angezeigten Preis mittels einer entsprechenden Karte, auf die vorher ein bestimmter ‚Credit‘-Betrag aufgeladen wurde, entweder sofort oder auch als ‚Sammelrechnung‘ am Ende seines Kneipenbesuches bezahlen.