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Künstliche Intelligenz: Von der Weltherrschaft noch weit entfernt

Dass Computer womöglich intelligenter als Menschen werden könnten ist ebenso faszinierend wie beängstigend. Was die Technik heute schon kann und was nicht.

Warum übernehmen die Roboter nicht die Weltherrschaft und wieweit ist die Technik Bildquelle: © J. Kroll / Elektronik

Warum übernehmen die Roboter nicht die Weltherrschaft und wieweit ist die Technik.

Nach Jahren des Dahindämmerns in den Universitäten und Forschungslaboren erlebt die künstliche Intelligenz eine Zeitenwende und schafft mit atemberaubender Geschwindigkeit den Sprung in immer mehr Anwendungen. Die erste Generation von KI-Systemen war noch auf Anreicherung und Sortierung von Wissen und die Erfüllung ganz spezieller Aufgaben ausgerichtet. Kennzeichnend für die KI-Systeme dieser Generation ist, dass sie Aufgaben lösen, für die es feste Rechenregeln gibt.

Auch die moderneren KI-Systeme, die gegenwärtig zur Anwendung kommen, sind noch auf eng umgrenzte Aufgabenstellungen beschränkt: Erkennung von bestimmten Mustern oder Abweichungen in Bildern, Erkennung von Sprache, Extrahieren von Informationen, Suchen von Datenmustern. Das Charakteristikum dieser Systeme ist aber bereits, dass es keine festen Regeln und unter Umständen keine eindeutigen Ergebnisse mehr gibt. Beispiel Bilderkennung in der Medizin: Die Organe eines jeden Menschen sehen anders aus und bei der Analyse von Röntgenbildern gibt es wiederkehrende Prinzipien, aber niemals genaue Wiederholungen. Ebenso können Abweichungen von der Norm auf einen Tumor hindeuten, müssen aber nicht zwangsläufig einer sein. Die Bilderkennung entlastet von ermüdender Routine. Das Ergebnis hat Toleranzen, die der Arzt als letzte Instanz interpretieren muss. Vermeintlich anders verhält es sich mit der Bilderkennung im fahrenden Auto: Ein rundes Verkehrsschild mit rotem Rand und der „60“ auf weißem Grund lässt keinen Interpretations-spielraum – aber steht es wirklich am Straßenrand, oder ist es vielleicht auf einem Werbeplakat abgebildet?


Forum Künstliche Intelligenz am 17. Mai 2018

Am 17. Mai veranstalten die WEKA-Fachmedien in Stuttgart das Forum Künstliche Intelligenz. Die Veranstaltung richtet sich an Entwickler und Manager elektronischer Systeme, die jetzt oder in Zukunft Techniken des Maschinellen Lernens, Deep Learnings oder mit Neuronalen Netzen entwickeln.
Nach drei Keynote-Vorträgen von hochrangigen Industrievertretern gibt es drei parallele Sessions:

  • KI in Embedded Systemen behandelt branchenübergreifende Grundlagen-Techniken der Künstlichen Intelligenz.
  • KI in Automobil und Telematik widmet sich dem autonomen Fahren, den damit verbundenen Sicherheitsfragen sowie intelligenten Fahrzeugen.
  • KI in der Fabrik zeigt, wie sich Automatisierung und Maschinensteuerung mit KI-Techniken verbessern lassen.

 universelle KI-Systeme und autonomes Fahren noch mehr als zehn Jahre von der Einsatzreife entfernt Bildquelle: © Gartner – Juli 2017

Bild 1. Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies, 2017. Maschinelles Lernen soll in zwei bis fünf Jahren das Produktivitätsplateau erreicht haben, universelle KI-Systeme und autonomes Fahren ´sind weiter davon entfernt.

Diese Beispiele sollen zeigen: Aktuelle KI-Systeme treffen keine streng algorithmischen Entscheidungen, sondern werden auf das Prinzip einer Problemlösung trainiert, um die Dateneingaben zu klassifizieren und daraus eine Entscheidung abzuleiten.

Zukünftige KI-Systeme werden immer universeller werden und dem menschlichen Denken immer ähnlicher. Man spricht von „General Artificial Intelligence“. Die Marktforscher von Gartner sehen diese Systeme noch in einiger zeitlicher Distanz, während sich maschinelles Lernen und Deep Learning gegenwärtig auf dem Gipfel der überzogenen Erwartungen befinden (Bild 1).

Mythos menschlicher Roboter

Die Entwicklung der Computertechnik war seit Erfindung der integrierten Schaltkreise von einer stetigen, ja exponentiellen Zunahme der Rechenleistung gekennzeichnet. Computer können in unvorstellbar schneller Geschwindigkeit rechnen und unvorstellbar viele Daten speichern. Wenn nun noch künstliche Intelligenz ins Spiel kommt, assoziieren viele Menschen damit, dass Computer nun immer menschenähnlicher werden und haben Angst davor, dass Maschinen einmal die Weltherrschaft übernehmen könnten. Befeuert wird dieser Mythos noch dadurch, dass Roboter in menschlicher Gestalt z.B. Getränke servieren oder Fragen beantworten. Allerdings wird ein Roboter oder eine irgendwie autonom arbeitende Maschine immer mit elektrischer Energie angetrieben werden, sodass man jederzeit abschalten oder die Batterie herausnehmen kann.

Oder doch nicht? – Theoretisch könnte man auch beim Internet sofort den Stecker ziehen. In der Praxis sind wir aber so auf das Netz angewiesen, dass damit auch sämtliche Kommunikationsverbindungen gekappt würden, Informationen wären nicht mehr zugänglich, Transaktionen könnten nicht mehr ausgeführt werden, und Geschäftsprozesse würden ins Stocken geraten. In einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft wären nicht nur Amazon, Ebay und Google betroffen, sondern alle Branchen, von der Bahn bis zur Krankenkasse, vom Software-Entwickler bis zur Fabrik. Mit der künstlichen Intelligenz dürfte es sich mit der Zeit ähnlich verhalten: Sie wird, ohne dass wir es merken, in immer mehr Bereiche unseres Lebens eindringen und eines Tages werden wir nicht mehr darauf verzichten können.

Auch wenn die künstliche Intelligenz sehr schnell Fortschritte macht und immer mehr Anwendungen erobert, ja sogar disruptive Entwicklungen hervorbringt, eine Revolution von einem Tag auf den anderen wird es nicht sein. Das lässt sich am Beispiel des autonomen Fahrens recht gut darstellen.

Es ist erstaunlich, was Fahrerassistenzsysteme heute schon können: Verkehrszeichen erkennen, die Spur halten, einparken. Angenehme Komfortfunktionen, auf die kein Mensch mehr verzichten möchte, der je von ihrem Nutzen profitiert hat. Gleichzeitig sind diese Assistenzsysteme aber noch auf eng umgrenzte Standardsituationen beschränkt. Das vollständig autonome Fahren wird zwar kommen, aber wahrscheinlich ebenfalls zunächst in einer normierten Umgebung wie der Autobahn und erst später auch auf Landstraßen und in der Stadt.