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Weidmüller: Mit 'u-control' zurück in der Automation

Nachdem der Verbindungstechnik-Spezialist Weidmüller im September 2013 den Wiedereinstieg ins E/A-Geschäft verkündet hatte, ergänzen die Detmolder ihr u-remote-System nun um SPS-Funktionen und perspektivisch auch um die Antriebstechnik.

u-view und u-control von Weidmüller Bildquelle: © Weidmüller

Die neuen Automatisierungs-Bausteine von Weidmüller: Multitouch-HMIs im Aluminiumgehäuse (links) und ‚u-control‘, eine neuartige Steuerung auf Basis offener Web-Technologien.

Zur Erinnerung: Bis ins Jahr 2000 war Weidmüller mit eigenen E/A-Systemen – Winbloc und XI/ON – sowie HMIs und IPCs schon einmal in Sachen Automation unterwegs. Mit dem Verkauf der Lösungen an Moeller (heute Eaton) und Turck wurden die entsprechenden Aktivitäten auf Eis gelegt - bis zum Jahr 2013, in dem die Detmolder mit u-remote eine moderne und zugleich äußerst kompakte Remote-I/O-Lösung sowohl für IP20- als auch für IP67-Anwendungen neu auf den Markt brachten. Das System unterstützt über entsprechende Buskoppler die gängigsten Kommunikationssysteme wie Profibus-DP, Profinet, Ethercat, Modbus TCP, Devicenet, Ethernet/IP oder Powerlink. Mittels entsprechender Safety-Module zum Anschluss an Profisafe oder Fail-Safe-over-Ethercat (FSoE) ist zudem die Realisierung einfacher Sicherheitsanwendungen möglich.

Laut Michael Matthesius, Leiter der Division Automation Products & Solutions bei Weidmüller, ist das u-remote-System mittlerweile weltweit bei rund 700 Kunden im Einsatz. Was bis dato allerdings fehlte, in letzter Zeit aber immer öfter nachgefragt wurde, ist eine passende Steuerungslösung für das E/A-System. - Eine Lücke, die nun geschlossen werden soll. Zur SPS IPC Drives stellt Weidmüller jedenfalls unter der Bezeichnung ‚u-control‘ eine erste, selbst entwickelte SPS für kleinere und mittlere Applikationen im gleichen Gehäuse wie die u-remote-Buskoppler vor.

Michael Matthesius Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Michael Matthesius, Weidmüller: „Unser Ansatz des Web-based Engineering ist der erste Schritt, um die Steuerung irgendwann vielleicht einmal in die Cloud zu verlagern.“

Engineering komplett Web-basiert

Die Steuerung, deren Marktfreigabe für Mitte 2018 angepeilt ist, basiert auf einem Dual-Core ARM A9 mit 624 MHz und 512 MByte Arbeitsspeicher und bis zu 32 GByte Programmspeicher. Auf dem einen Kern ist die SPS-Funktionalität über ein Echtzeit-Betriebssystem intergiert, auf dem zweiten Kern läuft die Linux-basierte Engineering-Software. Bei der Entwicklung der Engineering-Software wurde komplett auf die Anwendung offener Web-Technologien (HTML5, CSS3, JavaScript) gesetzt. Das heißt: Der Browser wird für den Anwender zur Applikationsplattform und erlaubt die System-Konfiguration, Programmierung gemäß IEC 61131-3 sowie die Anbindung an Schnittstellen (z.B. HMI) in einem Web-basierenden Engineering-Tool. Eine aufwendige Installation ist dabei nicht erforderlich, da diese Software bereits in der Steuerung integriert ist. Aufgrund der Web-Technologien kann die Steuerung vom jedem Ort der Welt über eine direkte (u-control-Gerät) oder eine indirekte Verbindung (Internet) überwacht, programmiert und aktualisiert werden. Einzige Voraussetzung ist ein HTML5-fähiger Browser. „In dieser Kombination ist unsere neue Steuerung einzigartig“, ist Michael Matthesius überzeugt.

In der Basisausführung ist das Engineering-Tool lizenzfrei erhältlich. Je nach Anwendungen können zusätzlich benötigte Funktionalitäten wie zum Beispiel Visualisierung, Feldbus-Anschaltung (zunächst wird u-control Ethercat unterstützen) oder OPC-UA bei Bedarf als App über einen entsprechenden Shop hinzu gekauft werden. Mittelfristig will Weidmüller u-remote um eine noch deutlich leistungsstärkere Steuerung ergänzen, die mit Codesys programmierbar sein wird.

Das Set aus neuen und noch kommenden Automatisierungskomponenten fasst Weidmüller schließlich fortan unter dem Begriff 'u-mation' zusammen. Neben dem bisherigen Remote-I/O-System inklusive der Safety-Module und den genannten Controllern zählen dazu auch neue Bediengeräte im Aluminiumgehäuse beziehungsweise in Schutzart IP67, die ebenfalls zur SPS IPC Drives Premiere haben: Die Basis-Line umfasst resistive Multitouch-Panels mit 4,3“, 7“ und 10“ Diagonale, die Advanced-Line kapazitive Multitouch-Panels mit einer Größe von 7“, 10,1“ und 15,6“. Abgerundet wird das Portfolio durch die existierende, ebenfalls webbasierte Fernwartungslösung 'u-link'. Letztere will Weidmüller zukünftig auch in die Steuerungslösungen u-control einfließen lassen, um so eine direkte und sichere Verbindung zu deren Daten zu erhalten.