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Nachgehakt bei Peter Rippen: Integrationsprobleme ade!

Das Partnerprogramm 'Open Integration' soll helfen, Risiken bei der Inbetriebnahme von Anlagen zu verringern und die Integration von Komponenten in Automatisierungssysteme zu vereinfachen. Den Status quo erläuitert Peter Rippen, Director Strategic Alliances bei Endress+Hauser.

Peter Rippen, Director Strategic Alliances bei Endress+Hauser Bildquelle: © Endress+Hauser

"Die Digitalisierung der Feldebene in den Prozessindustrien wird noch viel zu zögerlich eingesetzt.", so Peter Rippen von Endress+Hauser

Herr Rippen, was steckt konkret hinter ‚Open Integration‘?
Rippen: I
n jeder realen Anlage sind zahlreiche Automatisierungskomponenten zu kombinieren. Dies bedeutet immer Herausforderungen an deren Integration – ob sie nun von einem oder verschiedenen Herstellern stammen. Im Rahmen von Open Inte­gration wollen wir diese Integrationsrisiken weitestgehend vermeiden, und zwar durch das mit unseren Partnern gemeinsam vereinbarte Testen und Dokumentieren der Interoperabilität und Integration aller praxisrelevanten Komponenten auf einem digi­talen Netzwerk. Außerdem geben wir in der ‚Integration Summary‘ Empfehlungen und schaffen Transparenz in Richtung „Was funk­tioniert problemlos?“ und „Wo sollte man aufpassen?“. Eine vergleichbare Transparenz war bislang nur durch ­umfangreiche Factory-Acceptance-Tests zu erreichen.

Warum braucht die Branche ein solches Programm?
Rippen:
Es wird viel über Industrie 4.0 und Digitalisierung gesprochen, die Voraussetzungen in der Feldebene sind aber nur teilweise vorhanden! In den verfahrenstechnischen Anlagen dominieren die Einheitssignale der IEC 60381 aus den frühen 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, und selbst bei Neuinstallationen haben sich die diversen Feldbusse der IEC 61158 noch lange nicht durchgesetzt. Auch heute wird immer noch der Großteil neu zu errichtender Anlagen in 4- bis 20-mA-Technik umgesetzt. In der Prozess­automatisierung klafft so eine Lücke zwischen hohen Erwartungen an eine digitalisierte Zukunft und der analogen Instrumentierung in der Feldebene, sowohl bei der Sensorik als auch bei der Aktorik. Das Problem ist: Was heute eingebaut wird, entscheidet über die Möglich­keiten in den nächsten Jahrzehnten. Mit Open Integration wollen wir Lücken in der Testabdeckung schließen und dadurch auch die Akzeptanz der ­Digitalisierung im Feld stärken.

Welche Partner unterstützen das Programm?
Rippen:
Seit dem offiziellen Start Ende 2015 sind AUMA Riester, HIMA Paul Hildebrandt, Honeywell Process Solutions, Mitsubishi Electric, Pepperl+Fuchs, Rockwell Automation, R. Stahl und ­Schneider Electric dabei. Neu beteiligen sich Phoenix Contact und Flowserve. Weitere Partner sind herzlich willkommen.

Wie sieht die Zusammenarbeit der Partner – die oft genug ja Wettbewerber sind – aus?
Rippen:
Vertrauensvoll und im Interesse der Kunden. Auch wenn wir untereinander im Wettbewerb stehen, wollen wir als Anbieter unseren Kunden eine funktionierende Lösung anbieten. Genau das lässt sich aber nur gemeinsam erreichen. Die Zusammenarbeit hindert uns aber nicht, in unserem jeweiligen Tätigkeitsbereich den intensiven Wettbewerb zu leben.

Können Sie einen Projektablauf skizzieren?
Rippen:
Mit einem Systempartner zusammen definieren wir ­zunächst die Zielanwendung für eine gemeinsame Topologie. ­Anschließend sprechen wir mit Partnern für Infrastruktur und ­Instrumentierung, ob sie hierzu ­einen relevanten Beitrag leisten können und wollen. So nutzen wir die Expertise der ­verschiedenen Firmen zur Spezifikation und gezielten Auswahl von Komponenten und Feldgeräten. Die spezifizierte ­Topologie wird dann mit sämt­lichen Komponenten als Testanlage aufgebaut, an der anschließend die Integration der ­kompletten Feldbus-Infrastruktur mit dem konkreten Auto­matisierungssystem intensiv getestet wird. Nach Abschluss der Tests dokumentieren wir die Ergebnisse sehr detailliert und geben sie als gemeinsame Empfehlung für unsere Kunden formal frei.

Welche Ergebnisse gibt es inzwischen?
Rippen:
Wir haben bislang vier unterschiedliche Automati­sierungstopologien erfolgreich getestet und als Empfehlung ver­öffentlicht. Weitere Topologien sind in Bearbeitung, angefangen von der inhaltlichen Definition über den Aufbau der erforderlichen Testanlagen, die Durchführung der Tests selbst bis zur Dokumentation und Erarbeitung der konkreten Empfehlungen. Künftig wollen wir auch verstärkt ausgewählte Kunden direkt in die Definition der Tests einbinden.