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Phoenix Contact

Der ‚Sicherheitslebenszyklus‘

23. Juli 2020, 09:30 Uhr   |  Inka Krischke


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Kontinuierlicher Rückfluss

Vorbereitung der Validierung an der Maschine auf  Basis der erstellten Prüfpläne.
© Phoenix Contact

Vorbereitung der Validierung an der Maschine auf Basis der erstellten Prüfpläne.

Gemäß Maschinenrichtlinie werden im Rahmen der Risikobeurteilung Risiken identifiziert und bewertet sowie risikomindernde Maßnahmen festgelegt. Diese Phase begleitet, wie beschrieben, den gesamten Entwicklungsprozess der Maschine. Es ist falsch, davon auszugehen, dass eine Risikobeurteilung am Anfang des Konstruktionsprozesses erstellt wird und dann nicht mehr zum Tragen kommt. Vielmehr muss so früh wie möglich mit der Risikobeurteilung begonnen werden. In den meisten Fällen fließen Erkenntnisse, die sich in der Engineering-Phase ergeben, wieder in den iterativen Prozess der Risikobeurteilung ein. Gerade bei nachträglichen Änderungen entsteht oft ein hohes Fehlerpotenzial, das es zu vermeiden gilt. Phoenix Contact steht Anwendern zur Seite, damit die Erkenntnisse aus nachgelagerten Phasen konsistent in der Risikobeurteilung Berücksichtigung finden. 

Im folgenden Entwicklungsstadium können die Hersteller auf Grundlage der Erfahrungen von Phoenix Contact ein umfassendes Sicherheitskonzept für ihre Maschine anfertigen oder das vorhandene Konzept überprüfen und ergänzen lassen. Das Sicherheitskonzept bildet den zentralen Bestandteil der funktionalen Sicherheit. Daher müssen die Zusammenhänge und Verknüpfungen zur Risiko­beurteilung, aber auch der nachfolgenden Phasen untereinander korrekt und für sämtliche am Projekt Beteiligten nach­vollziehbar sein. Dies wird durch die Anwendung des ‚Sicherheitslebenszyklus‘ ermöglicht. 

Wichtige Spezifikationsdokumente

Das Sicherheits-konzept einer  Maschine lässt sich an Prototypen  sehr gut prüfen  und verfeinern.
© Phoenix Contact

Das Sicherheits-konzept einer Maschine lässt sich an Prototypen sehr gut prüfen und verfeinern.

In der Engineering-Phase werden alle Details der Sicherheitsfunktionen definiert – beginnend bei der Auswahl der Komponenten auf Basis der Risiko-beurteilung respektive des Sicherheits-konzepts und der Anforderungen, die beispielsweise aus den Umgebungs-bedingungen resultieren.
Neben der Hardware erstreckt sich die Betrachtung ebenfalls auf den Bereich der sicherheitsgerichteten Anwendungssoftware (SRASW), die auch bestimmten normativen Aspekten genügen muss. Insbesondere im Bereich der Software arbeiten viele Hersteller noch immer ohne die geforderten Spezifikationsdokumente. Dazu gehört unter anderem eine spezifische Abschaltmatrix, in der sämtliche sicherheitsrelevanten Schaltvorgänge beschrieben sind. Fehlt dieses oder ein vergleichbares Dokument, existiert keinerlei Grundlage für die Erstellung und die zwingend notwendige Prüfung der SRASW. Folglich kann keine Simulation der sicherheitsbezogenen Software zum Erkennen systematischer Fehler vor der Inbetriebnahme stattfinden. Die zukünftig vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) bereitgestellte Software ‚Softema‘ unterstützt den Nachweis der Einhaltung aller normativen Anforderungen an SRASW. Phoenix Contact setzt das Tool schon heute bei den Anwendern ein.

Frank Erbs ist Maschinensicherheitsexperte bei Phoenix Contact Deutschland in Bad Pyrmont.
© Phoenix Contact

Frank Erbs ist Maschinensicherheitsexperte bei Phoenix Contact Deutschland in Bad Pyrmont.

Sind sämtliche Sicherheitsfunktionen und Schaltpläne genau spezifiziert respektive angefertigt und hat die Spezifikation der SRASW ebenfalls stattgefunden, fehlt lediglich der Testplan für die Validierung. Im sogenannten Validierungsplan werden die Funktionsprüfungen aller spezifizierten Sicherheitsfunktionen dokumentiert. Auch hier erlaubt der ‚Sicherheitslebenszyklus‘ Freiräume für die Anwender: Sie können entscheiden, in welcher Detailtiefe sie Tests planen. Dies richtet sich stets nach der Komplexität der Maschine in Verbindung mit der Erfahrung der Projektmitarbeiter. 

Bedarfsgerechte Unterstützung

In der Realisierungsphase erfolgt der Bau der Maschine typischerweise durch den Hersteller. Im Bedarfsfall helfen die Experten von Phoenix Contact – etwa im Bereich der Programmierung der SRASW. Bei der nachfolgenden Validierung werden die während des Engineerings spezifizierten Funktions-tests durchgeführt sowie ein abschließender Bogen zur Risikobeurteilung gespannt. Dies stellt die letzte Möglichkeit dar, um zu prüfen und nachzuweisen, dass sämtliche festgelegten risikomindernden Maßnahmen umgesetzt wurden und wirksam sind.

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