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Betriebsanleitung: Warnhinweise - weniger ist oft mehr!

In vielen Betriebsanleitungen wird 'zu Tode' gewarnt. Was für den Hersteller beruhigend sein mag, führt beim Leser dazu, dass relevante Informationen kaum noch wahrgenommen werden – möglicherweise mit fatalen Folgen für Mensch, Umwelt und Produkt.

Betriebsanleitungen Bildquelle: © Fotolia, Gorodenkoff

Werden per Risikobeurteilung Restrisiken festgestellt, so muss vor diesen in der Betriebsanleitung gewarnt werden. So verlangt es beispielsweise die Maschinenrichtlinie. In der Maschinenrichtlinie und den zugehörigen harmonisierten Normen sowie anderen Normen steht allerdings nicht, dass Betriebsanleitungen mit Warnhinweisen zugepflastert werden sollen – frei nach dem Spruch: „Viel hilft viel“.

Vielleicht kennen Sie folgende Situation: Sie lesen einen Artikel – online oder offline –, finden diesen interessant und sind neugierig, was der Artikel wohl noch so alles an Informationen und Erkenntnissen liefern mag. Sie haben sich eingelesen und plötzlich wird Ihnen Werbung präsentiert. „Einmal ist keinmal“, denken Sie sich und lesen weiter. Doch kaum haben Sie sich wieder eingelesen und den roten Faden gefunden wird Ihnen die nächste Werbung „aufs Auge“ gedrückt.

Vermutlich fragen Sie sich jetzt: Was hat Werbung mit Warnhinweisen zu tun. Und was hat das Lesen eines Artikels mit dem Lesen einer Betriebsanleitung zu tun. Ganz einfach: Beiden ist gemeinsam, dass der Lesefluss abrupt unterbrochen und die Aufmerksamkeit des Lesers auf etwas gelenkt wird, das zwar wichtig ist oder sein mag, für Sie aber in diesem Moment nicht von besonderem Interesse ist.

Im Fall des Artikels ist es die Werbung, im Fall der Betriebsanleitung sind es die Warnhinweise, die um die volle Aufmerksamkeit des Lesers heischen und diesen von den Informationen ablenken, die er im Moment benötigt.

Hinweisschild Bildquelle: © Helpdesign

Bild 1: So bitte nicht! Fiktiver Warnhinweis als Negativ-Beispiel für Aufbau und Inhalt.

Negativ-Beispiel Bildquelle: © Helpdesign

Bild 2: So bitte nicht! Negativ-Beispiel für den Aufbau des Kapitels 'Wartung'.

Haben Sie bemerkt, wie störend der Warnhinweis in Bild 1 ist? Er kommt unmotiviert daher, das Signalwort (HINWEIS) repräsentiert nicht die Schwere der Verletzung, er enthält lediglich sinnfreie Hinweise, hat keinen grammatikalischen Bezug (beachten Sie die Anzahl der Ausrufezeichen) und außerdem ist das Warnsymbol der deutschen Straßenverkehrsverordnung (Zeichen 206) entnommen. Vermutlich habe Sie einen Warnhinweis mit solchen Texten noch nicht gesehen, da er fiktiv ist. Allerdings finden sich in der Realität viele Warnhinweise, die dem Sinn nach genau so aufgebaut sind: Da wird „auf Teufel komm raus“ mit größtmöglichem ‚Alarmismus‘ vor Gefährdungen gewarnt – und dann kommt nichts mehr. Vor allem nicht die wichtigen Informationen, wie das Risiko der Gefährdungen vermindert oder der mögliche Schaden vermieden werden kann.

Abgesehen davon, dass ein einzelner derartiger Warnhinweis den Lesefluss massiv stört, trägt die Anzahl von Warnhinweisen ebenso dazu bei, dass nicht nur der Lesefluss gestört wird, sondern auch, dass zusätzlich relevante Informationen nicht wahrgenommen beziehungsweise nur mühsam zu finden sind. 

Was würden Sie beispielsweise von einem Kapitel ‚Wartung‘ halten, dass – wie in Bild 2 vereinfacht dargestellt – zwei Seiten umfasst, wobei die erste Seite ausschließlich Warnhinweise unterschiedlichster Ausprägungen enthält, und die relevanten Wartungsinformation erst auf der zweiten Seite zu finden sind? Vor diesem Hintergrund stellt sich letztlich die Frage: Wie lässt sich in Betriebsanleitungen die Anzahl der Warnhinweise reduzieren und die Qualität der Warnhinwiese verbessern?