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Acht Schritte von der Risikobeurteilung bis zur CE-Kennzeichnung

27. Juli 2022, 16:21 Uhr | Marco Pelizzaro
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Von der Risikobeurteilung bis zur CE-Kennzeichnung in acht Schritten – was ist konkret zu beachten?

Schritt 1: Risikobeurteilung

Maschinenhersteller sind auf dem europäischen Binnenmarkt verpflichtet, ihren Kunden ausschließlich sichere Produkte anzubieten. Ein Maschinenhersteller muss so im Sinne der Maschinenrichtlinie eine Risikobeurteilung durchführen. Zu den Inhalten dieser zählen die Ermittlung der geltenden harmonisierten Normen und Vorschriften, die Bestimmung der Grenzen der Maschine, die Ermittlung sämtlicher Gefahren innerhalb jeder Lebensphase der Maschine, die eigentliche Risikoeinschätzung und -beurteilung sowie die empfohlene Herangehensweise zur Reduzierung des Risikos.

Schritt 2: Das Sicherheitskonzept

Das Sicherheitskonzept beschreibt die technischen Maßnahmen und gewährleistet die Sicherheit der Maschinen in Übereinstimmung mit national und international harmonisierten Normen. Ein gutes Sicherheitskonzept löst das immer wieder auftretende Spannungsfeld zwischen Schutzeinrichtungen und Produktivität. Es berücksichtigt unter anderem den Einsatz fester und beweglicher Schutzeinrichtungen, Systeme zum Stillsetzen von Maschinen und Anlagen, Möglichkeiten zum sicheren Abschalten elektrischer Energie sowie unter Druck befindlicher Flüssigkeiten und Gase und das Erkennen von Arbeitern in gefährlichen Bereichen.

Schritt 3: Sicherheitsdesign und Auswahl der Komponenten

Ziel des Sicherheitsdesigns ist es, durch eine detaillierte Ausarbeitung der notwendigen Schutzmaßnahmen eine Reduzierung oder Beseitigung der Gefahrenstellen zu erreichen. Dies gilt für Neukonstruktionen genauso wie für eine Nachrüstung oder den Umbau von Maschinen. Konkret geht es um die Gestaltung von Mechanik, Elektrotechnik, Elektronik, Software- und Steuerungssystemen und die Auswahl der Komponenten.

Schritt 4: Auswahl der Sicherheitskomponenten

Um die passenden Komponenten auswählen zu können, muss der zu erreichende Performance Level (PLr) oder Safety Integrity Level (SIL) nach EN ISO 13849-1 / EN IEC 62061 bestimmt und verifiziert werden. Unterstützung bei diesem aufwendigen Verfahren bieten entsprechende Berechnungs-Tools. So validiert etwa der ‚Safety Calculator PAScal‘ von Pilz die tatsächlich erreichten Werte einschließlich der geforderten oder verlangten Vorgabewerte PLr beziehungsweise SIL.

Die acht Schritte in der Anwendung

Das italienische Unternehmen ACMI S.p.A. mit Hauptsitz in Fornovo di Taro hat sich auf die Produktion von ‚High-End‘-Abfüll- und Verpackungsanlagen spezialisiert. Bei deren Sicherheitskonzept unterstützt Pilz – von der Risikobewertung bis zur Realisierung.

>> Lesen Sie hier den Beitrag »Zielvorgabe: Null Risiko!«

 

Schritt 5: Die Systemintegration

Mit den aus der Risikobeurteilung und dem Sicherheitskonzept gewonnenen Ergebnissen werden die ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Dies umfasst die Zusammenarbeit und die Auswahl geeigneter Lieferanten, Beschaffung von Komponenten und Umsetzung von Systemlösungen, Projektierung von Steuerungen und Erstellung von Visualisierungsoberflächen, elektrische Installation von Maschinen und Anlagen, Ausrüstung von mechanischen Schutzmaßnahmen und hydraulischen Komponenten, Überprüfung und Bau von Schaltschränken sowie die Schulung von Maschinenbedienern und Wartungspersonal.

Schritt 6: Nachbetrachtung der Risikobeurteilung

Bei der Nachbetrachtung der Risikobeurteilung werden die vorangegangenen Schritte nochmals reflektiert: Sind die Schutzmaßnahmen korrekt umgesetzt? Wurde die Sicherheit im Zusammenhang mit der Maschinensteuerung richtig konzipiert und nach den Sicherheitsbestimmungen umgesetzt? Eine Validierung ist essenziell für den Beweis, dass Maschinen sicher sind. Zur Nachbetrachtung gehören auch die Durchführung einer Funktionsprüfung und Fehlersimulation des Sicherheitssystems sowie verschiedener Messungen (zum Beispiel Schutzleiter, Schallpegelemission).

Schritt 7: Die Betriebsableitung

Betriebsanleitungen sind integraler Bestandteil bei der Lieferung von Maschinen, Anlagen beziehungsweise Produkten. Jeder Fehler in einer Betriebsanleitung kann zu Rechtsfolgen führen, wenn es sich um einen Instruktionsfehler handelt, der einen Unfall zur Folge hat. Zentrales Element jeder Betriebsanleitung sind Sicherheitshinweise. Laut Gesetzgeber müssen Sicherheitshinweise alle Restrisiken beschreiben, die noch nach Einsatz von Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen bestehen. Der Maschinenbauer muss auch die Risiken berücksichtigen, die durch eine „vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung“ der Maschine durch den Benutzer entstehen können. Eine sorgfältige Risikobeurteilung ist daher eine gute Grundlage für die Erstellung der Betriebsanleitung.

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Zielvorgabe: Null Risiko!
Der Autor: Marco Pelizzaro ist Divisional Manager Components bei Pilz in Meda, Italien.
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Schritt 8: Die CE-Zertifizierung

Mit dem Anbringen der CE-Kennzeichnung auf seinem Produkt bestätigt der Hersteller oder Inverkehrbringer schließlich, dass sein Produkt in seinen zugesicherten Eigenschaften und bei bestimmungsgemäßer Verwendung allen gesetzlichen Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und Auflagen entspricht. Alle Maschinen, die aus Nicht-EU-Ländern importiert werden, benötigen ebenfalls eine CE-Kennzeichnung. Das Anbringen der CE-Kennzeichnung erfolgt dabei in alleiniger Verantwortung durch den Hersteller/ Inverkehrbringer selbst und bedarf keiner behördlichen Zustimmung.


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